Pressemitteilung | Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.
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Klimaschutz kann Bauwirtschaft beflügeln / Sicherung und Schaffung von rund 200.000 Arbeitsplätzen denkbar

(Berlin) - Die Herausforderungen des Klimawandels bieten für Bauwirtschaft und Baustoffindustrie in den nächsten Jahren große zusätzliche Marktchancen, mit erheblichem Potenzial für Wachstum und Beschäftigung. Dies ist zentrales Ergebnis einer aktuellen Studie von DB Research im Auftrag des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) und des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie (BDZ). Klimaschutz wird nach Überzeugung von Dipl.-Ing. Helmut Echterhoff, Vizepräsident des HDB, als „bauliche Zukunftsaufgabe alle Bausparten erfassen“. Zugleich warnte Andreas Kern, Präsident des BDZ und Vizepräsident des Bundesverbandes Baustoffe - Steine und Erden davor, der Baustoffindustrie umweltpolitische Belastungen aufzuerlegen, die ihre Leistungsfähigkeit und ihre wirtschaftliche Existenz in Frage stellen. Insbesondere die auf EU-Ebene geplanten Verschärfungen des CO2-Emissionshandels werden „katastrophale Folgen“ für den Industriestandort Deutschland, speziell für die Grundstoffindustrie haben.

Eine solche Entwicklung würde die mit den Klimaschutzaufgaben verbundenen Zukunftschancen für die deutsche Bau- und Baustoffindustrie konterkarieren. Die DB Research-Untersuchung „Bauen als Klimaschutz“ schätzt das Volumen zusätzlicher Bauaufgaben in Deutschland auf bis zu 340 Mrd. Euro bis zum Jahr 2030. „Der Klimaschutz hat das Zeug dazu, zum Jobmotor in der deutschen Bauwirtschaft zu werden“, so Echterhoff. Jährlich könnten mehr als 220.000 Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen werden, davon 120.000 im Baugewerbe. Diese Schätzung beruht auf einem „mittleren“ Szenario, wonach im Untersuchungszeitraum mit jährlich über 10 Mrd. Euro an klimaschutzinduzierten Bauinvestitionen zu rechnen ist.

Etwa die Hälfte aller Baumaßnahmen entfallen danach auf die Sanierung des Wohnungsbestandes. Nach Angaben der Experten ist das Baupotenzial der energetischen Sanierung im Nichtwohnungsbau, also bei Bürogebäuden, Schulen oder Industriebauten, zwar mit rund 50 Mrd. Euro weit geringer, dafür aber schneller umsetzbar. In den kommenden Jahren sind der Studie zufolge zudem umfangreiche Investitionen in den deutschen Kraftwerkspark notwendig, in einer Größenordnung von bis zu 80 Mrd. Euro. Um beim Kraftwerksbau schneller voran zu kommen, sollten „volkswirtschaftlich besonders bedeutsame Energieversorgungsprojekte im Rahmen vereinfachter Genehmigungsverfahren auf den Weg gebracht werden“, fordert Echterhoff.

Nachbesserungsbedarf besteht nach Ansicht von Bau- und Baustoffindustrie bei weiteren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. So müssten z. B. Hemmnisse im Mietrecht beseitigt werden, die den Vermieter derzeit noch davon abhalten, in die Sanierung des Wohnungsbestandes zu investieren. Echterhoff: „Wir meinen, dass gerade im Mietwohnungsbau durch eine energetische Sanierung eine Win-win-Situation für Mieter und Vermieter entstehen kann.“ Daher sollten zusätzliche Anreize im Steuerrecht sowohl für den energiesparenden Neubau als auch für die energetische Sanierung im Bestand geschaffen werden. Denkbar wären außerdem erhöhte Abschreibungen im Mietwohnungsneubau, eine Verteilung der Erhaltungsaufwendungen auf bis zu fünf Jahre sowie eine einmalige Steuerermäßigung für selbstgenutztes Wohneigentum, wenn die Energiesparverordnung unterschritten wird.

Damit Bau- und Baustoffindustrie die Bauaufgaben der Zukunft erfüllen können, ist nach Ansicht von BDZ-Präsident Kern ein Umdenken bei den politischen Rahmenbedingungen erforderlich. Eine erfolgreiche, effiziente Klimapolitik dürfe nicht den Standort schwächen, sondern müsse Wachstum, Innovation und Beschäftigung forcieren. Dies werde allerdings nicht funktionieren, wenn nur über Varianten verschärfter Belastungen für die energieintensive Industrieproduktion diskutiert werde. In den Brüsseler Plänen zur künftigen Gestaltung des Emissionshandels sehe die Branche ihre Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel gesetzt. Der zu erwartende Kostenschock werde zu Produktionsverlagerungen ins Ausland führen. Allein die Zementbranche rechnet mit jährlichen Zusatzkosten von 900 Millionen Euro. Unter diesen Bedingungen sei in Deutschland eine konkurrenzfähige Produktion nicht mehr möglich.

Dramatisch verschärft habe sich aktuell die Lage für die deutsche Grundstoffindustrie, darunter große Teile der Baustoffindustrie, durch die jüngsten Beschlüsse des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments zur geplanten Vollversteigerung von Emissionsrechten ab 2020. „Wenn auf diese Weise der Baustoffbranche die Luft zum Atmen genommen wird, kann sie die wichtigen Zukunftsaufgaben nicht stemmen“, fürchtet Kern. Die Verschärfung treffe die Wirtschaft umso härter, als vor dem Hintergrund der zugespitzten internationalen Finanzmarktkrise eine Rezession nicht auszuschließen sei und vielen Branchen ein rasanter Abschwung drohe.

Quelle und Kontaktadresse:
Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. Dr. Heiko Stiepelmann, stellv. Hauptgeschäftsführer, Kommunikation Kurfürstenstr. 129, 10785 Berlin Telefon: (030) 212860, Telefax: (030) 21286240

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