Kombiklassen erfordern deutlich mehr Personal / BLLV-Präsident Albin Dannhäuser warnt davor, mit jahrgangskombinierten Klassen die extrem kurze Grundschulzeit zum Sparmodell verkommen zu lassen
(München) - Die Einführung von Kombiklassen sorgt an zahlreichen bayerischen Grundschulen für erheblichen Unmut. Eltern und Lehrer stehen der Zusammenlegung erster und zweiter oder dritter und vierter Jahrgangsstufen zu Recht skeptisch gegenüber, erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Albin Dannhäuser. Auch der BLLV befürchtet, dass sich hinter der als pädagogischer Fortschritt verkauften Maßnahme nichts weiter als ein Sparmodell verbirgt - auf Kosten der Jüngsten. Ein wirklicher Fortschritt wären kombinierte Klassen nur dann, wenn sie personell angemessen ausgestattet werden würden. Das ist nicht der Fall. Dannhäuser warnte davor, Kinder während der ohnehin extrem kurzen Grundschulzeit zu benachteiligen und stellte klar: Jahrgangsgemischte Klassen können durchaus einen hohen pädagogischen Wert haben. Allerdings muss in Kombiklassen die Zahl der Kinder deutlich geringer und die Zahl der Lehrerstunden deutlich höher sein, damit Schülerinnen und Schüler angemessen betreut und individuell gefördert werden können. Als Sparmodell stehen Kombiklassen in einem eklatanten Widerspruch zu dem Ideal des BLLV: einer bestmöglichen Lern- und Leistungsförderung in der Grundschule.
Der BLLV-Präsident warnte davor, mit der Einführung von Kombiklassen Personalmängel an Grundschulen zu kaschieren. Bei gleich bleibend dünner Personaldecke würde die Einführung von Kombiklassen zu einer weiteren Verschlechterung der Lern- und Arbeitsbedingungen an Grundschulen führen. Er forderte pro kombinierter Klasse mindestens zehn zusätzliche Lehrerstunden, wie diese in den Modellversuchen zur Verfügung gestellt wurden. Ferner dürften diese Klassen nicht mehr als 20 Schüler umfassen. Dannhäuser stellte klar: Diese Bedingung stellen wir auch dort, wo rückläufige Geburtenzahlen zur Auflösung von Grundschulen führen würden. Es ist pädagogisch und schulpolitisch allemal vernünftiger, kleine Jahrgänge zu kombinieren als wohnortnahe Schulen aufzulösen.
Im Augenblick fehlen in den derzeit rund 100 kombinierten Klassen an bayerischen Grundschulen jedoch die Lehrerinnen und Lehrer, um den besonderen Förderbedürfnissen einer vielfältigen Schülerschaft pädagogisch gerecht werden zu können. Der BLLV akzeptiert nicht, dass auf dem Rücken von Schülern und Lehrern gespart werden soll. Scheinheilig wird es dann, wenn diese Vorgehensweise auch noch als pädagogischer Fortschritt verkauft wird, kritisierte Dannhäuser. Am wenigsten überzeugt das Hilfsargument, dass begabte Kinder leichter eine Klasse überspringen und leistungsschwächere eine Klasse wiederholen könnten, ohne völlige Veränderung der Lerngemeinschaft. Damit wird das systembedingte Schulversagen eines Kindes mit fürsorglicher Pädagogik zynisch vermengt.
Durch die Einführung von Kombiklassen gestaltet sich auch die neue flexible Eingangsstufe schwieriger. Kombiklassen können dazu führen, dass in einer Klasse der Jahrgangsstufen eins und zwei fünf- bis fast achtjährige Kinder sitzen. Diese stark unterschiedlichen Altergruppen stellen verschiedene Anforderungen an die jeweilige Lehrkraft. Grundsätzlich gilt: Je jünger die Kinder sind, desto größer ist deren Bedürfnis nach persönlicher Zuwendung.
Dannhäuser betonte, dass jahrgangsübergreifender Unterricht unter lernpsychologischen und pädagogischen Gesichtspunkten an sich begrüßenswert ist. In dieser Auffassung trifft sich der BLLV durchaus mit Kultusminister Schneider. So bietet jahrgangsgemischter Unterricht im erzieherischen und sozialen Bereich viele Vorteile, die Lernformen in heterogenen Klassen sind differenzierter und individueller als in homogenen. Um diese positiven Effekte zu erzielen, müssten aber auch die Rahmenbedingungen stimmen, erklärte er, denn der Unterricht in Kombiklassen ist für Lehrer mit deutlich mehr methodischem Aufwand und individueller Zuwendung verbunden. Um auf die Bedürfnisse einzelner Kinder eingehen zu können, ist nach Auffassung des BLLV mehr statt weniger Personal erforderlich. Wird an Lehrern gespart, gehen viele lernpsychologische und pädagogische Chancen verloren. Dann wären Kombiklassen alles andere als ein pädagogischer Fortschritt.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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