Konsequenzen aus den Ergebnissen von "PISA II" ziehen
(Berlin) - Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sehen nach den Ergebnissen der Studie "PISA II" mehr denn je die Notwendigkeit der Intensivierung grundlegender Reformen im Bildungs- und Schulsystem in unserem Land. Der Bildungs- und Schulbereich weist gravierende Leistungsmängel auf. Hinzu kommt, dass nirgendwo sonst Bildungserfolg und soziale Herkunft so eng miteinander verflochten sind wie bei uns. Aus Leistungs- wie aus Gerechtigkeitsgründen können wir es uns nicht leisten, entsprechende Talente nicht zu fördern und zu nutzen. Dabei helfen pauschale Schuldzuweisungen genauso wenig weiter wie vermeintlich einfache Lösungsansätze. Statt dessen geht es um ein Maßnahmenbündel und ein Gesamtkonzept:
- zur Qualitätsverbesserung von Schule,
- für gerechtere Bildungschancen und
- zur Förderung aller Begabungen.
Die Sozialpartner erkennen ausdrücklich an, dass die Kultusminister nach dem PISA-Schock 2001 mit wichtigen Reformen, beispielsweise im Bereich der Qualitätssicherung, begonnen haben. Es kommt jetzt darauf an, dass diese Reformen konsequent vorangetrieben werden. Die bislang eher vernachlässigten Bereiche wie z. B. die Verbesserung der individuellen Förderung müssen nun entschlossen angegangen werden. BDA und DGB sehen dabei 10 zentrale Handlungsfelder:
1. Die individuelle Frühförderung in Kindergarten und Grundschule muss deutlich verbessert werden. Dabei ist die Sprachförderung von Migrantenkindern besonders wichtig.
2. Das Bildungssystem muss vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Die OECD und auch der Sachverständigenrat haben der deutschen Politik - nach Auffassung von DGB und BDA zu Recht - dringend empfohlen, die öffentlichen Investitionen stärker auf den Bereich der Frühförderung zu konzentrieren.
3. Der einzelne Schüler ist in den Mittelpunkt des Unterrichts und des schulischen Lebens zu stellen. Dafür müssen neue Formen des Lernens, des Differenzierens und des fachübergreifenden Unterrichts stärker genutzt werden. Der Unterricht in den mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Fächern muss anschaulicher und interessanter gestaltet werden.
4. Individuelle Förderung ist ohne die Unterstützung und Mitwirkung der Eltern undenkbar. Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für ihre Kinder. Deswegen ist Bildungspolitik ohne Familienpolitik nicht denkbar. Wir brauchen ein bildungs- und familienpolitisches Gesamtkonzept.
5. Individuelle Förderung und Entwicklung setzt Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Schulformen voraus. Es darf nicht nur Durchlässigkeit von oben nach unten geben. Jede Schule muss für jeden Abschluss offen sein.
6. Der weitere Ausbau von Ganztagsschulen muss Teil eines solchen Konzepts sein. BDA und DGB haben im März 2003 in einer gemeinsamen Erklärung sieben Qualitätskriterien für den Ausbau des Ganztagsschulbetriebs benannt (1. Konzept zur Leistungsförderung, Integration und Chancengleichheit; 2. bedarfsgerechtes Angebot; 3. eigener Lernrhythmus; 4. qualifiziertes Personal; 5. Eltern, Schüler, Lehrer "mitnehmen"; 6. Einbeziehung außerschulischer Kooperationspartner; 7. Evaluierungsprogramm).
7. Die KMK muss die Entwicklung bundesweiter Standards für die Lehreraus- und -weiterbildung mit Nachdruck weiter vorantreiben. Die Diagnosefähigkeit der Lehrkräfte, ihr didaktisch-methodisches Know-how und ihre Kenntnis der Arbeitswelt sind dringend zu verbessern und in eine systematische Weiterbildung zu integrieren.
8. Wir brauchen die Selbstständige Schule, die genauso eigenverantwortlich über Personal- und Finanzfragen entscheiden kann wie über ihre pädagogischen Konzepte.
9. Im Gegenzug muss jede Schule über ihre Arbeit Transparenz herstellen. Maßstab sind dabei die von der KMK entwickelten bundesweiten Leistungsstandards. Diese müssen konsequent umgesetzt, überprüft und weiter verbessert werden.
10. Die Berufsorientierung ist zu stärken. Dazu müssen die Länder u. a. die Empfehlungen für den Ökonomieunterricht umsetzen, die im letzten Jahr von den Sozialpartnern, der KMK und der WMK erarbeitet und verabschiedet wurden. Darüber hinaus ist das Instrument des Berufswahlpasses für die Dokumentation von Praktika, Bewerbertrainings und anderen berufsvorbereitenden Maßnahmen flächendeckend zu nutzen.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesvorstand
Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin
Telefon: 030/24060-0, Telefax: 030/24060324
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