Krankenstand 2025: Mehr Transparenz, nicht mehr Krankheit
(Berlin) - Der Krankenstand in Deutschland ist im Jahr 2025 leicht gesunken – von 5,90 Prozent auf 5,83 Prozent. Das zeigt eine Analyse der Jahresmittelwerte des monatlichen Krankenstands der Betriebskrankenkassen. Damit liegen die Werte weiterhin deutlich über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Der Rückgang von 0,07 Prozentpunkten ist zu gering, um von einer Trendwende sprechen zu können.
Auf Basis der vorläufigen Analysen ist 2025 nach dem Rekordwert aus dem Jahr 2022 zwar kein Anstieg zu verzeichnen – allerdings bleibt das erhöhte Niveau bestehen. Wer hierbei nach einfachen Erklärungen sucht, wird diese nicht finden. Zu komplex und vielschichtig sind die Ursachen und relevanten Faktoren.
Elektronische Krankschreibung schließt jahrelange Meldelücke
Der wesentlichste Grund für das erhöhte Krankenstandniveau ist die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Jahr 2022. Seitdem werden die Krankmeldungen digital an die Krankenkassen übermittelt – und damit erstmals vollständig erfasst. Der „gelbe Schein“, der früher in der Schublade blieb oder schlichtweg nicht gemeldet wurde, taucht nun in der Statistik auf und zeichnet ein vollständigeres Bild. „Es ist es wichtig zu betonen, dass der statistische Anstieg nicht mehr Krankheit anzeigt, sondern mehr Transparenz. Die jahrelange Meldelücke wurde geschlossen, was sich in den Zahlen widerspiegelt“, kommentiert Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.
Muskel-Skelett-Erkrankungen bleiben Spitzenreiter
Den größten Anteil am Krankenstand tragen nach wie vor die Muskel-Skelett-Erkrankungen – mit 1,20 Prozent liegen sie knapp vor den Atemwegserkrankungen. Rückenschmerzen, Verspannungen oder Gelenkschmerzen: Diese Erkrankungen sind eng mit Arbeitsbedingungen verknüpft. Mit körperlich belastenden Berufen ebenso wie mit stundenlangem Sitzen am Schreibtisch.
Atemwegserkrankungen auf dauerhaft hohem Niveau
Ein zweiter Treiber des Krankenstands sind die Atemwegserkrankungen. Ein Fünftel des gesamten Krankenstands (1,17 Prozent) geht im Jahr 2025 auf Atemwegserkrankungen zurück. Masken, Abstandsregeln und Homeoffice haben während der Pandemie offenbar nicht nur das Coronavirus eingedämmt, sondern auch Grippe, Erkältungen und andere Infektionskrankheiten. Mit dem Ende der Maßnahmen kehrten sie zurück.
Psychische Erkrankungen: Ein Trend, der sich nicht umkehrt
Besonders besorgniserregend – und darauf weisen wir nun seit Jahren hin – ist die Entwicklung bei psychischen Erkrankungen. Ihr Anteil am Krankenstand ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Während 2016 „nur“ 0,62 Prozent des Krankenstands auf psychische Erkrankungen entfielen, sind es 2025 bereits 0,96 Prozent: Das ist eine Steigerung von mehr als 50 Prozent in weniger als einem Jahrzehnt! Depressionen, Angststörungen: Diese Erkrankungen sind keine Randerscheinungen, sondern ein ernstes Signal an die Arbeitgebenden und die Politik gleichermaßen. Wie schaffen wir gesunde Arbeits- und Lebensbedingungen? Die Frage ist eng an das Thema Prävention gekoppelt.
Und Blaumachen? Die Daten sagen etwas anderes
Immer wieder wird der Vorwurf laut, der hohe Krankenstand sei auch auf Missbrauch zurückzuführen: Auf das „Blaumachen" per telefonischer Krankschreibung. Doch auf den Scheinen zur Krankmeldung ist kein Merkmal, ob diese nach telefonischem oder Praxiskontakt vor Ort ausgestellt werden. Bevor man also über Abschaffung spricht, wäre erst mehr Transparenz notwendig. Die Ursachen sind außerdem nachweislich struktureller Natur: „Wir haben in Deutschland die älteste Arbeitsbevölkerung in der EU, die statistisch eben länger erkrankt, wir registrieren mehr Atemwegserkrankungen und haben eine vollständigere Erfassung des Krankenstands durch die elektronische Krankmeldung. Wer den Krankenstand senken will, muss an diesen Ursachen ansetzen – nicht an pauschalen Vorwürfen gegenüber Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern“, so Anne-Kathrin Klemm.
Der Arbeitsplatz als Ort der Prävention
Am Arbeitsplatz verbringen wir viel Zeit, was diesen zu einem wichtigen Ort für Gesundheitsförderung und Prävention macht.
„Die Belegschaften in den Unternehmen und Betrieben sind so vielfältig wie die Bedarfe. Wer auf dem Bau arbeitet, braucht andere Angebote als jemand, der acht Stunden vor dem Bildschirm sitzt oder in der Pflege arbeitet. Das heißt: Maßgeschneiderte Maßnahmen wirken – pauschale Angebote nicht. Nur wer die konkreten Bedarfe systematisch erfasst, kann passende, wirksame Maßnahmen entwickeln und umsetzen. Denn gut gemeint ist nicht dasselbe wie gut gemacht.
Und jetzt in der kalten Jahreszeit helfen flexible Arbeitsmodelle, um Infektionsketten zu unterbrechen – bevor sie sich durch ganze Abteilungen ziehen. Wer krank ist, bleibt zu Hause! Beschäftigte dürfen nicht für Kranksein bestraft werden – weder durch Politik noch durch eine Unternehmens-kultur, die Anwesenheit über die Gesundheit der Beschäftigten stellt. Führungskräfte sind dabei Vorbilder. Ihr Verhalten, ihr Umgang mit Stress und ihre Wertschätzung gegenüber dem Team prägen die Arbeitsatmosphäre. Ein Arbeitsumfeld, in dem sich alle wertgeschätzt fühlen, wirkt sich nachweislich positiv auf Gesundheit und Unternehmensbindung aus – das bestätigen auch der BKK Gesundheitsreport 2025 und der aktuelle iga.Report. Eine gesundheitsförderliche Unternehmenskultur ist keine Sozialromantik – sie ist mittlerweile ein wirtschaftlicher Faktor, weil sie die Arbeitgeberattraktivität steigert“, betont Klemm weiter.
Quelle und Kontaktadresse:
BKK Dachverband e. V., Torsten Dittkuhn, Referent(in) Kommunikation, Mauerstr. 85, 10117 Berlin, Telefon: 030 27 00 406-0
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