Kunsthochschulen sehen sich durch Bologna-Prozess bedroht / Schwerpunkt in politik und kultur zur Umsetzung des Bologna-Prozesses an deutschen Kunsthochschulen
(Berlin) - Ein Schwerpunktthema der Januar/Februar-Ausgabe von politik und kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates, ist die Umsetzung des so genannten Bologna-Prozesses an den deutschen Kunsthochschulen. Der so genannte Bologna-Prozess zielt darauf ab, dass die Studiengänge und Studienabschlüsse innerhalb des europäischen Hochschulraums vergleichbar werden. In diesem Zusammenhang werden die bestehenden Studiengänge einer umfassenden Revision unterzogen. Am Ende dieses Prozesses soll ein zweistufiges Abschlusssystem mit Bachelor- und Masterabschlüssen etabliert sein.
Die Rektorenkonferenz der Kunsthochschulen lehnt die Umsetzung des so genannten Bologna-Prozesses ab. Die Vorsitzende der Rektorenkonferenz der Kunsthochschulen Prof. Karin Stempel schreibt in der aktuellen Ausgabe von politik und kultur: Das deutsche Kunsthochschulsystem, das zu den erfolgreichsten der Welt gehört, ist durch Aspekte des Bologna-Prozesses in seiner Substanz bedroht. Gerade wegen der Ziele des Bologna-Prozesses müssen die Bundesländer den Sonderstatus für die Kunsthochschulen aufrechterhalten bzw. aktiv vorantreiben. Nur so ist auch künftig die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Kunsthochschulen und eine qualitätvolle Weiterentwicklung künstlerischer Ausbildung gewährleistet!
Diese Haltung wird vom Kanzler der Kunstakademie Düsseldorf Prof. Dr. Peter Lynen unterstrichen, der ausführt: Im Zentrum der künstlerischen Studiengänge steht das Atelierstudium, das traditionell in Künstlerklassen mit einer ausgesprochenen Meister-Schüler-Beziehung stattfindet. Es wird dort weniger gelehrt als geleitet. Insoweit sind die Kunsthochschulen heute noch Horte eines Gedankenguts, das an den Universitäten mit dem Namen Wilhelm von Humboldts verbunden wird. Es geht um einen individuellen learning-by-doing-Prozess, der dem forschenden Lernen entspricht. Diese Art der persönlichen künstlerischen Auseinandersetzung im Verhältnis der Gegenseitigkeit, die von den Studierenden die Initiative und den Gestaltungswillen verlangt, die auch im späteren Berufsleben in der Kunst unerlässlich sind, steht einer konformistischen Studiengangsplanung diametral entgegen.
Übereinstimmend wird betont, dass die Kunsthochschulen ohnedies international ausgerichtet sind. An den deutschen Kunsthochschulen studieren viele ausländische Studierende, die das deutsche Ausbildungssystem schätzen. Deutsche Kunsthochschulen stehen selbstverständlich im Austausch mit Kunsthochschulen in anderen Ländern.
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates und Herausgeber von politik und kultur, Olaf Zimmermann, sagte: An der Umsetzung des Bologna-Prozesses zeigt sich einmal wieder, dass es manchmal auch gut wäre, bewährte Systeme im Inland offensiv gegenüber dem Ausland zu vertreten. Das deutsche System der Kunsthochschulen genießt im Ausland eine hohe Anerkennung. Das zeigt sich auch an der Zahl der ausländischen Studierenden. Die Kunsthochschulen kämpfen darum, dieses erfolgreiche System aufrecht zu erhalten. Die Bundesländer werden gut daran tut, die Vorschläge der Kunsthochschulen zu beherzigen und den Kunsthochschulen weiterhin einen Sonderstatus bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses zu gewähren.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Kulturrat
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer
Chausseestr. 103, 10115 Berlin
Telefon: (030) 24728014, Telefax: (030) 24721245
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