Landesregierung muss klimapolitische Hausaufgaben erledigen
(Hamburg) - Angesichts der hohen Preise für fossile Energieträger plädiert der Grundeigentümerverband Haus & Grund Schleswig-Holstein für den Einbau von Wärmepumpen. Das aktuelle Motto müsse lauten: „Schnell weg von Heizöl und Erdgas. Fossile Energieträger haben keine Zukunft.“ Wer nach dem Beginn des Iran-Kriegs und der damit verbundenen Explosion der Energiepreise noch glaube, weiterhin auf Heizöl oder Erdgas setzen zu können, setze auf das falsche Pferd.
Dazu erklärt Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW):
„Der Grundeigentümerverband Haus & Grund Schleswig-Holstein macht es sich mit seinen Äußerungen sehr einfach und ignoriert, dass es auch in einem Bundesland wie Schleswig-Holstein an den fundamentalen Voraussetzungen für den Flächenbetrieb von Wärmepumpen fehlt.
Es dürfte unmöglich sein, bis 2040 – das Jahr, in dem Schleswig-Holstein klimaneutral sein will – im ganzen Land alle für Klimaneutralität notwendigen Umbaumaßnahmen umzusetzen. Wir werden bis dahin keine entsprechend modernisierten Strom- und Heizungsnetze haben.
Immer mehr Wohnungsunternehmen setzen auf die Wärmepumpe und müssen erleben, dass diese zwar bestellt und geliefert wurden, aber nicht angeschlossen werden können.
Sie kommen nicht ans Netz, weil diese sie nicht aufnehmen können. Nun liegen die Wärmepumpen herum und die fossile Gasheizung muss weiterarbeiten. Irre. Hier ist dringender Nachholbedarf, wenn die Energiewende nicht ins Stocken geraten soll.
Bis zu 10.000 Euro pro Meter Fernwärme
Auch die Dekarbonisierung von Fernwärme und der massive Ausbau der Fernwärmenetze sind aus unserer Sicht in den kommenden 15 Jahren nicht zu stemmen.
So ist allein der Ausbau sehr teuer. In dicht bebauten Innenstädten kostet ein Meter Fernwärmeleitung bis zu 10.000 Euro. Daher fordern Experten inzwischen, dass Vermieter einen Fernwärmeanschluss mit bis zu 50 Cent pro Quadratmeter und Monat auf die Mieter umlegen können sollen.
Unser wichtigstes Argument: Klimaneutralität innerhalb der kommenden 15 Jahre zu erreichen, würde erhebliche zusätzliche Mietsteigerungen zur Folge haben. Wir rechnen mit bis zu zwei Euro pro Quadratmeter, die zusätzlich zu den normalen Mietsteigerungen notwendig würden. So viel Geld kann das Land gar nicht zur Verfügung stellen, um diese Kosten ‚wegzufördern‘.
Reduzierung klimaschädlicher Emissionen ist entscheidend
Für die sozialen Vermieter spielen die Wohnkosten – und dazu gehört auch die sogenannte zweite Miete – eine wichtige Rolle. Deshalb geht es ihnen darum, mit den begrenzten finanziellen Mitteln das größtmögliche Maß an Reduzierung klimaschädlicher Emissionen zu erreichen.
Das wird nach unserer Überzeugung besser gelingen, wenn das Erreichen von Klimaneutralität zeitlich stärker gestreckt wird. 2040 geht nicht, 2045 ist möglich, 2050 sicher.
Unsere Unternehmen haben sich seit Jahren auf den Weg gemacht und umgesteuert. Sie haben Strategien entwickelt und Projekte gestartet. Wer heute neu baut, setzt auf eine Wärmeversorgung, die in absehbarer Zeit klimaneutral sein wird – sehr oft auf Fernwärme oder Wärmepumpen.
Pragmatismus im Heizungskeller ist entscheidend
Die eigentliche Herausforderung sind die Bestandswohnungen, vor allem jene Nachkriegsbauten, bei denen eine energetische Sanierung angezeigt ist. Hier aber ist eine ‚individuelle‘ Betrachtung notwendig, auf deren Grundlage Maßnahmen zur Emissionsreduzierung geplant und umgesetzt werden. Pragmatismus im Heizungskeller ist die entscheidende Regel. Pauschal auf Wärmepumpen zu setzen, ist aus unserer Sicht der falsche Weg.
Klimaneutralität ist auf unterschiedlichen Wegen erreichbar. Fernwärme und Wärmepumpen gehören genauso dazu wie Quartiers- und Flottenlösungen, um die Betrachtung einzelner Wohngebäude zu vermeiden. Genauso sinnvoll ist es, fossile Heizungsanlagen nicht vor dem Ende ihrer technischen Lebensdauer aus dem Keller zu reißen.
Wir brauchen die Energieerzeuger als Partner
Um Klimaneutralität zu erreichen, brauchen wir die Energieerzeuger als Partner. Sie müssen ausreichend klimaneutral erzeugte Wärme und klimaneutral erzeugten Strom anbieten. Dazu ist eine Strominfrastruktur notwendig, die den höheren Bedarf an Elektrizität auch befriedigen kann.
Entscheidend ist, dass am Ende klimaschädliche Emissionen erheblich reduziert sind und die Menschen ihre Wohnung noch bezahlen können.
Anstatt ein Loblied auf die schwarz-grüne Landesregierung zu singen, fordern wir sie auf, endlich ihre Hausaufgaben zu erledigen. Dazu gehört, den Sonderweg in Sachen Klimaneutralität aufzugeben. Dieser verursacht hohe Kosten und treibt Wählerinnen und Wähler in die Arme von Populisten."
Quelle und Kontaktadresse:
(vnw) Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V., Oliver Schirg, Pressesprecher(in), Tangstedter Landstr. 83, 22415 Hamburg, Telefon: 040 520110
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