Lebensmittelwirtschaft fordert politische Weichenstellungen für Ernährungssicherung
(Berlin) - Die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung in Deutschland ist angesichts zunehmender geopolitischer, wirtschaftlicher und hybrider Risiken zu einer zentralen sicherheitspolitischen Aufgabe geworden. Beim What the Food Forum "Crisis-Proof" von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und dem Lebensmittelverband Deutschland diskutierten gestern in Berlin Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Bundeswehr, Wissenschaft und von Behörden über die Resilienz der Versorgungssysteme und notwendigen Handlungsbedarf.
Wirtschaft fordert verlässliche Rahmenbedingungen
"Krise ist das neue Normal", betonte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer von BVE und Lebensmittelverband: "Wir sprechen nicht nur über Kriegsszenarien, sondern über Cyberattacken, Sabotage, Pandemien oder Lieferkettenstörungen. All das sind reale Herausforderungen." Er machte deutlich, dass die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung ohne politische Weichenstellungen kaum gelingen kann. "Ohne Energie und Transport keine Produktion." Angesichts massiv gestiegener Kosten forderte er konkrete Entlastungen: wettbewerbsfähige Energiepreise für die gesamte Branche, einen Industriestrompreis sowie die Nutzung überschüssiger erneuerbarer Energie für die Industrie. Zudem sprach er sich für eine temporäre Aussetzung der Lkw-Maut für Lebensmitteltransporte aus. Sein Appell an die Politik: Wer Versorgungssicherheit ernst nehme, müsse die Ernährungsindustrie als kritische Infrastruktur behandeln und entsprechend priorisieren. "Die Lebensmittelwirtschaft ist eine der wichtigsten Infrastrukturen überhaupt." Gleichzeitig sei die Branche bereits weit vorangekommen: Rund 80 Prozent der Unternehmen verfügen über Notfallpläne sowie Cybersecurity-Maßnahmen, zwei Drittel haben ihre Lieferketten diversifiziert.
Bundesminister Rainer fordert Update der Notfallreserve
"Deutschlands Ernährung muss krisenfest sein. Die Erzeugung, Verarbeitung und der Vertrieb von Lebensmitteln sind dafür essentiell. Mein Dank gilt all jenen, die uns Tag für Tag mit hochwertigen Produkten sicher und zuverlässig versorgen. Lebensmittelsicherheit und Ernährungssicherheit sind beileibe keine Selbstläufer. Sie müssen täglich erarbeitet werden", so Bundesminister Alois Rainer. Rainer machte sich zudem erneut für eine modernisierte Notfallreserve stark. Sein Begriff der "Ravioli-Reserve" war zum Sinnbild einer pragmatischen Krisenvorsorge geworden: "Ich bin ganz froh, dass ich letztes Jahr im Sommer diesen Pflock gesetzt habe. Wir müssen die Notfall-Reserve um sofort verzehrbare Lebensmittel erweitern und stehen dazu im engen Austausch mit dem Handel. Entscheidend ist außerdem, dass die Land- und Ernährungswirtschaft bei Krisenübungen stärker mitgedacht und systematisch mit einbezogen wird."
Bundeswehr: Lebensmittelversorgung im Fokus hybrider Bedrohungen
Generalleutnant Gunter Schneider aus dem Bundesministerium der Verteidigung machte die sicherheitspolitische Dimension deutlich: "Wir erleben einen Epochenwechsel." Aus militärischer Perspektive sei die Lebensmittelversorgung ein potenzielles Angriffsziel: "Das wäre eines der ersten Einfallstore eines Gegners." Zugleich stellte er klar, dass die Bundeswehr im Krisenfall auf zivile Unterstützung angewiesen ist: "Wir werden das nicht allein bewältigen können." Sein Appell an die Unternehmen: "Sie sind verteidigungswichtig - aber auch verteidigungsverantwortlich."
Hybride Bedrohungen treffen Versorgung direkt
Oberst Armin Schaus, Abteilungsleiter für Zivil-Militärische Zusammenarbeit im Operativen Führungskommando der Bundeswehr, verdeutlichte die konkrete Verwundbarkeit der Versorgungssysteme im Alltag. Hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe, Sabotage, Desinformation oder Ausspähung seien längst Realität und könnten unmittelbare Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung haben. Bereits lokale Störungen - etwa bei der Energieversorgung - könnten sich schnell in leeren Regalen niederschlagen. Schaus warnte zudem vor strukturellen Abhängigkeiten, etwa im Transportsektor, und forderte Unternehmen auf, ihre Resilienz systematisch zu stärken: Notfallpläne, klare Zuständigkeiten und regelmäßige Übungen seien entscheidend. "Wir müssen Szenarien durchdenken und vorbereitet sein", so sein Appell.
Zentrale Herausforderungen: Energie, Logistik, gesellschaftliche Resilienz
In den Diskussionen wurde deutlich, dass insbesondere die Energieversorgung als kritischer Engpass gilt. Ebenso bleibt die Logistik ein verwundbarer Bereich - etwa durch Abhängigkeiten im Transportsektor. Die Podiumsrunden unterstrichen zudem, dass Resilienz nicht allein eine Frage von Infrastruktur ist: Auch gesellschaftliches Bewusstsein, Krisenvorsorge im Alltag und funktionierende Kommunikation sind entscheidend.
Quelle und Kontaktadresse:
Lebensmittelverband Deutschland e.V., Manon Struck-Pacyna, Leiter(in) Öffentlichkeitsarbeit, Claire-Waldoff-Str. 7, 10117 Berlin, Telefon: 030 206143-0
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