Pressemitteilung | Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
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Lehrerparlament nimmt Arbeit auf / Die 53. Landesdelegiertenversammlung des BLLV hat begonnen / Lehrkräfte aus ganz Bayern diskutieren über 253 Anträge und fünf Leitanträge / Neuwahlen am Freitag

(München/Augsburg) - Gestern hat in Augsburg die 53. Landesdelegiertenversammlung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) unter dem Motto "Aufbrechen - Zeit für Bildung" begonnen. Über 550 Delegierte aus ganz Bayern setzen sich bis Samstag mit zentralen schul- und bildungspolitischen Themen auseinander. Die Delegierten stimmen über insgesamt 253 Anträge ab.

Richtungsweisend sind die Leitanträge; davon stehen fünf zur Diskussion. Sie befassen sich mit dem Abbau von Bürokratie in der Schule und mit der Frage, wie Schullandschaften in Zukunft aussehen könnten. Weitere Inhalte sind die Ausgestaltung von Mittelschulen und Gymnasien sowie die Weiterentwicklung des neuen Dienstrechtes in Bayern mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern. "Ich bin davon überzeugt, dass diese fünf Leitanträge auf breite Zustimmung stoßen und damit wichtige Positionen und wertvolle Perspektiven für die nächsten Jahre definiert werden", erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Die fünf Leitanträge im Überblick:

"Schullandschaft der Zukunft - Qualität sichern in der Bildungsregion"
Nach BLLV-Berechnungen haben in den vergangenen sieben Jahren allein in Bayern 19 rechtlich eigenständige Grundschulen und 75 Mittelschulen schließen müssen. Weitere 20 Mittelschulen wurden zwar nicht geschlossen, werden aber pro forma ohne Schüler weitergeführt. Steuert das Kultusministerium nicht dagegen, sind langfristig annähernd 400 Mittelschulen in ihrem Bestand gefährdet. Hunderte Grundschulen müssen darüber hinaus durch eine benachbarte Schulleitung mitgeführt werden. Davon waren allein in den letzten beiden Schuljahren 27 Grundschulen betroffen. Trotz dieser alarmierenden Zahlen hat das Kultusministerium noch immer kein Konzept für Schullandschaften vorgelegt, die auch in der Fläche Wohnortnähe und Schulqualität miteinander vereinbaren. Damit qualitätsvolle und wohnortnahe Bildungsangebote in Zukunft in allen Regionen Bayerns sichergestellt werden können, verlangt der BLLV konstruktive Lösungen und skizziert in dem Leitantrag drei Vorschläge.

"Abbau von Bürokratie und Verrechtlichung von Schule"
Monitoring, Statistik, Befragung, Controlling, Personalführung oder Dienstrecht - Bayerns Lehrer und Schulleiter stöhnen angesichts der extremen Bürokratisierung und Verrechtlichung von Schule. Die Fülle an zusätzlichen Aufgaben ist mittlerweile so vielfältig und umfassend, dass die Pädagogik ein Schattendasein fristet - obwohl doch gerade sie im Mittelpunkt stehen müsste. Im Leitantrag wird daher der "Abbau von Bürokratie und Verrechtlichung von Schule" gefordert. Das Problem: Aufgaben, die moderne Steuerungsprozesse von Schulen mit sich bringen, prallen auf alte Strukturen. Das führt zu Kollisionen und massivem Mehraufwand. Man könne nicht moderne Schulen wollen und entsprechende Aufgaben delegieren, gleichzeitig aber an althergebrachten Verfahrensweisen festhalten. Lehrkräfte und Schulleiter müssten angesichts der Überregulierung kapitulieren. Aus Sicht des BLLV brauchen Schulen mehr Freiheit und mehr Raum, die Beteiligten mehr Zeit. Daher müsse das Kultusministerium die Fülle von Maßnahmen überdenken und auf das Notwendige reduzieren. Ziel müsse eine ökonomische und effiziente Verwaltung sowie die Stärkung der Eigenverantwortung von Schule sein.

"Position zur Reform des Gymnasiums"

Das Gymnasium leidet an der Verdichtung des Stoffes, an seinem überhöhten Fachlichkeitsanspruch, an dem Mangel an persönlicher Beziehung und an zu hohem Prüfungsdruck - so lautet die Analyse des Ist-Zustandes der bayerischen Gymnasien im Leitantrag. Um die Probleme lösen zu können, bedarf es aus Sicht des BLLV einer Reform, die die Errungenschaften des G8 wie zum Beispiel die Intensivierungsstunden oder erste Ansätze zu Fächerverbünden erhält, gleichzeitig aber eine Neuausrichtung vorantreibt. Eine große Chance liegt in der Neukonzeption des gymnasialen Lehrplanes. Er sollte so ausgerichtet sein, dass er modernes und nachhaltiges Lernen ermöglicht. Das bedeutet, die Lehr- und Lerninhalte müssen weiter gekürzt werden, der Lehrplan an entwicklungspsychologischen Erkenntnissen ausgerichtet, die Fächer miteinander verknüpft und der Lern- und Leistungsbegriff erweitert werden. Im Leitantrag sind die Maßnahmen konkret ausgestaltet und beschrieben.

"Neues Dienstrecht weiterentwickeln - Arbeitsbedingungen verbessern!"

Der Ausbau von Beförderungsmöglichkeiten für Lehrkräfte an Grund-, Mittel-, Förder- und -Realschulen steht im Fokus dieses Leitantrages. Für die leistungsbezogene Besoldung müssen zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, die dem Zugriff zur Haushaltssanierung entzogen sind. Die Auszahlungspflicht der leistungsbezogenen Besoldungselemente ist daher gesetzlich zu fixieren. Um die Beamtenversorgung sicherzustellen, muss der bestehende Versorgungsfond weiterentwickelt werden. Beides darf nicht zum haushaltspolitischen Spielball werden. Gefordert wird außerdem, die Stellen aus der demografischen Rendite im Bereich der Schulen zu belassen.

"Aufbrechen: Mittelschule ernst nehmen!"

An den Mittelschulen haben es Lehrkräfte mit einem Bündel vielfältiger Probleme zu tun, wie die erhöhte Anzahl verhaltensauffälliger Schüler/innen, Lern- und Konzentrationsprobleme, psychische Instabilitäten und daraus resultierende Disziplinprobleme. Hinzu kommt der meist hohe Anteil nicht-deutschsprachiger Kinder. Häufig haben viele Heranwachsende mit massiven familiären Problemen zu kämpfen. Diese tragen sie oft in den Schulen und im sozialen Setting der Klassengemeinschaft aus. Allein kann eine Lehrkraft nur wenig ausrichten. In dem Leitantrag fordert der BLLV deshalb verbesserte Arbeitsbedingungen, u.a. deutlich mehr unterstützendes Personal, erheblich mehr Zeit für Bildung und Erziehung des einzelnen Kindes, eine weitere Verbesserung der Schüler-Lehrer-Relation in Gruppen und Klassen, zusätzliche Mittel für einen passgenauen Stundenpool und die Einführung eines Sozialindexes.

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV) Pressestelle Bavariaring 37, 80336 München Telefon: (089) 72100129, Fax: (089) 72100155

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