Pressemitteilung | Deutscher Bauernverband e.V. (DBV)
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Medienkritik: Peinliche Seifenopern vom „Bauernhof“ / Reality-Shows von Privaten Fernsehsendern vermitteln falsches Bild der Landwirtschaft

(Berlin) - Hauptsache die Quote stimmt: Der Wettstreit zwischen den Fernsehsendern um so genannte Reality-Shows ist im vollen Gang. Nach „Big Brother“ und „Dschungelcamp“ ist nun das „einfache“ arbeitsame Leben auf dem Land bei den werbefinanzierten privaten Fernsehsendern groß im Rennen: Städter werden auf Bauernhöfen versetzt und sollen vor den Augen der Zuschauer die Herausforderungen des Alltags im Stall und auf dem Acker bewältigen. Pro Sieben ließ in „Simple Life“ die „Reichen und Schönen“ auf die Schweine und Rinder los. Wenige Wochen später durften zwei völlig unterschiedliche Großstadtfamilien in Kabel 1 „Bauer spielen“. Und nun geht es um die Alm: das historische Leben auf der Alm wie vor einhundert Jahren ohne Strom, Deo, Handy ist momentan bei Pro Sieben angesagt. Mit welchen Klischees, Banalitäten und Vorurteilen die privaten Fernsehsender dabei das Thema „leben und arbeiten auf dem Land“ aufgreifen, ist haarsträubend und nervend, urteilt der Deutsche Bauernverband (DBV).

Reality-Shows müssen nicht zwingend auf solch tiefem Niveau absinken, wie von den Privatsendern vorgeführt. Das hat zumindest die ARD mit der höchst erfolgreichen Serie „Schwarzwaldhaus“ bewiesen. Hier wurde der harte Bauernalltag um 1900 objektiv und gut recherchiert ebenfalls von einer Stadtfamilie dargestellt. Ganz anders die neuerlichen Seifenopern der privaten Fernsehsender, übrigens nicht nur in Deutschland: Streitereien, Lästereien, zwischenmenschliche Konflikte und Erotik stehen im Mittelpunkt. Die Landwirtschaft als Ort des Geschehens wird absolut lächerlich und surreal dargestellt. Der Gesellschaft wird ein völlig falsches Bild der Landwirtschaft vorgegaukelt, das sich bei jungen Menschen als Realbild einprägt. Es entsteht der Eindruck, dass Landwirt ein einfacher, idyllischer Beruf sei, den jeder ohne Ausbildung und ohne Wissen ausführen kann.

Es ist verwerflich, wenn die Fernsehmacher bewusst ein derart verzerrtes, gar beleidigendes Bild über eine Berufs- und Gesellschaftsgruppe vermitteln. Landwirt zu sein hat nichts mit Glamour zu tun, und ist erst recht nicht lächerlich. Das Berufsbild des Landwirts ist in Wirklichkeit von High-tech und hohen Ansprüchen an Unternehmereigenschaften, Tier- und Umweltschutz sowie Lebensmittelsicherheit geprägt. Landwirte entsprechen nicht einem Klischee von „Mistgabel und Gummistiefel“. Stattdessen sind sie Profis, die schonend mit den natürlichen Ressourcen Boden, Wasser, Luft und verantwortungsbewusst mit Tieren umgehen. Die Führung der landwirtschaftlichen Unternehmen setzt höchste Managementqualitäten der Betriebsleiter voraus, die in einer fundierten Berufsausbildung vermittelt wird.

Als ausgesprochen unpassend bewertet nicht nur der DBV das Engagement des Allgäuer Milchverarbeiters Ehrmann AG als Hauptsponsor „Der Alm“. Es ist nicht zuletzt den Landwirten gegenüber moralisch fragwürdig, dass Ehrmann in eine solche Serie investiert. Wem soll es nutzen, wenn junge Menschen, die Verbraucher der Zukunft, Milchprodukte mit „ausgemusterten Boxern, Pornostars oder Casting-Show-Teilnehmern“, so die Süddeutsche Zeitung, verbinden? Für sie ist es fraglich, ob Verbraucher mehr Milchprodukte von Ehrmann konsumieren werden, wenn sie mit dieser Marke „verhaltensauffällige Exhibitionisten assoziieren, die sich zwei Wochen lang auf einem von Kameras überwachten Bauernhof drangsalieren lassen und als Depp des Tages am Kuh-Euter lutschen“. Die Berliner Morgenpost empfindet es dabei als traurig, dass sich über drei Millionen Menschen eine Sendung, die sich im Niveau auf Kuhfladen-Höhe gesteigert habe, freiwillig anschauen.

Man kann daher nur hoffen, dass die Sendungen bald als so bedeutungslos eingestuft werden, dass ihre oberflächlichen und fragwürdigen Darstellungen schnell wieder vergessen sind. Womöglich sind die Nacktaufnahmen eines „Alm-Luders“ in der die Serie kommentierenden Bild-Zeitung länger in der Erinnerung.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Bauernverband e.V. (DBV) Godesberger Allee 142-148, 53175 Bonn Telefon: 0228/81980, Telefax: 0228/8198205

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