Mehr Sozialhilfeempfänger in Deutschland / DStGB spricht sich für Umsetzung von Hartz IV aus
(Wiesbaden) - Immer mehr Menschen in Deutschland leben von der Sozialhilfe. Wie das Statistische Bundesamt am 08. August in Wiesbaden mitteilte, lebten 2,81 Millionen Menschen von der staatlichen Stütze. Dies ist eine Zunahme von zwei Prozent. Der Anteil der Bezieher von Hilfe zum Lebensunterhalt an der Gesamtbevölkerung stieg damit leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sprach sich angesichts der Zahlen für eine die Umsetzung der Arbeitsmarktreform Hartz IV aus.
Einen starken Anstieg verzeichneten die Behörden vor allem bei Kindern und Jugendlichen: Die Zahl der unter 18-Jährigen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, nahm gegenüber 2002 um 6,2 Prozent auf 1,08 Millionen zu. Damit waren im vergangenen Jahr 7,2 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland auf Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen. Die Zahl der Empfänger-Ehepaare mit Kindern unter 18 Jahren stieg um 11,8 Prozent auf gut 156.000. Die Situation kinderloser Paare verbesserte sich dagegen: Die Zahl der Sozialhilfeempfänger sank bei ihnen um 10,1 Prozent auf knapp 98.000.
Auch bei der Altersgruppe von 18 bis 64 Jahren stieg die Zahl der Empfänger deutlich um 5,3 Prozent auf 1,63 Millionen. Diese Entwicklung ist nach Angaben des Bundesamtes vor allem auf die Zunahme der arbeitslosen Sozialhilfeempfänger zurückzuführen: Deren Zahl stieg um 14,3 Prozent auf 836.000. Ausländer haben mit 8,4 Prozent eine deutlich höhere Sozialhilfequote als Deutsche mit 2,9 Prozent.
In den alten Bundesländern (ohne Berlin) lebten 2003 etwa 2,12 Millionen Sozialhilfeempfänger, in Ostdeutschland (ebenfalls ohne Berlin) 426.000. Damit erhöhte sich die Zahl der Bezieher im Westen um 1,2 Prozent und im Osten deutlich stärker um 4,9 Prozent. Dadurch liegt die Sozialhilfequote in Westdeutschland mit 3,2 Prozent nur noch 0,1 Prozentpunkte über der in Ostdeutschland.
Die höchsten Sozialhilfequoten gab es Ende 2003 - wie in den Jahren zuvor - in den drei Stadtstaaten Bremen (9,2 Prozent), Berlin (7,7 Prozent) und Hamburg (6,9 Prozent). Unter den Flächenländern wiesen das Saarland sowie Schleswig-Holstein mit jeweils 4,1 Prozent die höchsten Quoten auf. Die niedrigsten Sozialhilfequoten verzeichneten Bayern (1,8 Prozent), Baden-Württemberg (2,1 Prozent) und Thüringen (2,3 Prozent).
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hofft angesichts des Anstiegs bei der Sozialhilfe Hartz IV. «Die Zahlen sind eher eine Bekräftigung für Hartz IV und graben den Gegnern das Wasser ab», sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Nachrichtenagentur AP. Er begrüßte vor allem die verpflichtenden Angebote für Menschen unter 25. «Es gibt mittlerweile regelrechte Sozialhilfekarrieren», sagte Dedy. Diese müssten dringend durchbrochen werden. Es sei menschenunwürdig, dass Familien manchmal bereits in der zweiten oder dritten Generation von Sozialhilfe lebten.
Nach Dedys Aussage stiegen allein in der ersten Jahreshälfte 2004 die Sozialausgaben der Städte und Gemeinden um etwa sechs Prozent. Jede Verbesserung komme deshalb nicht nur den Betroffenen, sondern auch den knappen kommunalen Kassen zugute, betonte Dedy.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Städte- und Gemeindebund (DStGB)
Marienstr. 6, 12207 Berlin
Telefon: 030/773070, Telefax: 030/77307200
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