Michaela Schießl (Der Spiegel) erhält den Otto Brenner Preis 2007 für Kritischen Journalismus Gründliche Recherchen statt bestellter Wahrheiten / Weitere Preisträger sind Tom Schimmeck (freier Autor), Ingolf Gritschneder (WDR) und Markus Grill (Stern)
(Frankfurt am Main) - Die Otto Brenner Stiftung, die Stiftung der IG Metall, verleiht zum dritten Mal den Otto Brenner Preis für Kritischen Journalismus unter dem Motto Gründliche Recherchen statt bestellter Wahrheiten. Die aus insgesamt knapp 350 Einsendungen ausgewählten Preisträger stehen nach intensiver Be-ratung und Prüfung der Jury fest. Insgesamt wurden sieben Auszeichnungen mit einem Preisgeld von insgesamt 45.000 Euro in den Kategorien 1. bis 3. Preis, Spezial sowie drei Recherche-Stipendien vergeben.
Die Preisträger stehen für erstklassige journalistische Leistungen und gleichzeitig als Ermutigung für alle Medien-Macher. Sie zeigen, dass gründliche Recherchen und sorgfältige Analysen die Werttreiber für Qualitätsjournalismus sind, sagte Jury-Mitglied Thomas Leif anlässlich der Bekanntgabe der diesjährigen Wettbewerbs-Sieger.
Den 1. Preis des Otto Brenner Journalistenpreises erhält Michaela Schießl mit ihrem Beitrag Not für die Welt. Nach Ansicht der Jury, hat diese Veröffentlichung die höchste Auszeichnung für kritischen Journalismus verdient. In der Begründung der Jury heißt es: Die Killer sitzen in komfortablen Büros in Brüssel oder Washington, aber sie erzeugen Hunger und Vertreibung für Millionen. Wie die Agrar-Politiker der reichen Welt Afrikas Bauern ins Elend stürzen, das beschreibt Michaela Schießl in ihrem erschütternden Report "Not für die Welt". Mit ihrer aufwendigen Recherche und der schonungslosen Beschreibung bietet Michaela Schießl Kritischen Journalismus in Bestform und erhält den ersten Preis.
Der 2. Preis geht an den WDR-Autor Ingolf Gritschneder für seine TV-Reportage Profit um jeden Preis Markt ohne Moral. In der Begründung der Jury heißt es: Auf leise, gleichwohl beharrliche Weise nähert sich Ingolf Gritschneder dem Werteverfall im Wirtschaftsleben. Sein Film ist klug komponiert, die Fall-Reportage wird mit nachdenklichen Reflexionen zum Fernseh-Essay erweitert. Ingolf Gritschneders Kritik kommt ohne lautstarke Anklage aus und trifft die Verantwortlichen umso härter.
Mit dem 3. Preis wird Markus Grill ausgezeichnet. Der Reporter des Stern wurde von der Jury für seine umfangreiche pharmakritische Berichterstattung ausgezeichnet: Markus Grill hat mit seinen Recherchen der Öffentlichkeit das andere Gesicht der werbegeschützten Pharma-Welt gezeigt, begründet die Jury die Auszeichnung. Das besondere Merkmal seiner journalistischen Arbeit ist die Kontinuität. Er bleibt am Ball, wenn andere das Spielfeld schon längst verlassen haben. Seine nachhaltigen, tiefgründigen Ermittlungen haben einen besonderen Vorzug: Sie vermeiden Risiken für die Patienten und haben nur positive Nebenwirkungen für eine aufgeklärte Öffentlichkeit.
Zusätzlich erhält Tom Schimmeck den Preis in der Kategorie Spezial für die beste Analyse. Gut begründete, sorgfältig ausgearbeitete und stilistisch glanzvolle Leitartikel, Kommentare und Essays sind in Deutschland eine Ausnahmeerscheinung. Um dieses vernachlässigte Genre in der deutschen Medienlandschaft zu fördern und zu pflegen, honorierte die Jury des Otto Brenner Preis in diesem Jahr erstmals in der Kategorie "Spezial" die besten Leitartikler, Kommentatoren und Essayisten mit 10.000 Euro. Begründung der Jury: Tom Schimmecks einmalige publizistische Stimme sticht mit pointierten, meinungsfreudigen und analytisch fundierten Beiträgen aus der Masse der Generalanzeiger-Kommentatoren weit hervor. Ein mutiger Autor und Essayist in der Tradition von Karl Kraus, der in Deutschland leider eine Ausnahmeerscheinung ist, so die Bewertung der Jury.
In Kooperation mit der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche werden zusätzlich drei mit jeweils 5000 Euro dotierte Recherche-Stipendien vergeben. Die geplanten Themen der geförderten Journalisten sind Soft Power zum Einfluß der Stiftungen in Deutschland von Thomas Schuler, "Unkontrollierte Macht? Wie die Monopolstellung einer lokalen Tageszeitung die politische Landschaft verändert von Martin Sehmisch und "Was kostet das Leben - oder sind wir vor dem Tode wirklich alle gleich?" von Katrin Blum. Mit den Stipendien soll den Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit gegeben werden, frei von ökonomischen Zwängen und mit professioneller Begleitung ihre Projektthemen recherchieren zu können, erklärte die Otto Brenner Stiftung. Dies entspreche dem Leitmotiv von Otto Brenner, dem ersten Vorsitzenden der IG Metall, der von den Bürgerinnen und Bürgern "ständige demokratische Wachsamkeit" forderte.
Die Festrede anlässlich der Preisverleihung am 5. Dezember in Hannover wird Dr. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) halten. Weitere Jury-Mitglieder sind Sonja Mikich (Monitor, WDR), Harald Schumann (Der Tagesspiegel), Dr. Volker Lilienthal (epd medien), Dr. Thomas Leif (Netzwerk Recherche) und Jürgen Peters (Erster Vorsitzender der IG Metall).
Quelle und Kontaktadresse:
Industriegewerkschaft Metall Vorstand (IG Metall)
Pressestelle
Wilhelm-Leuschner-Str. 79, 60329 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 6693-0, Telefax: (069) 6693-2843
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