Mieterbund-Präsident Dr. Franz-Georg Rips: Berliner Appell für eine nachhaltige Wohnungspolitik beim Weltkongress der Internationalen Mieterallianz (IUT)
(Berlin) - Zum 17. Kongress der International Union of Tenants vom 20. bis 23. September 2007 in Berlin sind 90 Delegierte der nationalen Mieterverbände aus 25 Nationen zusammengekommen. Auf der öffentlichen Kundgebung richtete der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Dr. Franz- Georg Rips, einen dringenden Appell an Politik und Vermieter für eine konsequent nachhaltige Wohnungswirtschaft und Wohnungspolitik. Gerade im Wohnungswesen muss der Gedanke der Nachhaltigkeit in seiner dreidimensionalen Bedeutung, also Herstellung einer Balance zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessen, realisiert werden, sagte der Mieterbund- Präsident. Nachhaltigkeit bedeutet für den Mieterbund konkret:
- Wohnungen sind keine Handelsgüter für Renditejäger. Sie sind zwar Wirtschaftsgüter. In gleicher Weise müssen sie aber auch als Sozialgüter behandelt werden, weil sie für die Menschen einen Lebensmittelpunkt darstellen, der geschützt und sicher sein muss. Wir sind deshalb gegen das Durchhandeln von Wohnungen, wir sind gegen den Missbrauch von Wohnungen als bloße Finanzanlageprodukte. Wir wünschen uns Eigentümer und Investoren, die ihre Wohnungen langfristig bewirtschaften, sagte Rips.
- Nachhaltigkeit in der Wohnungswirtschaft wird praktiziert von Immobilienhaltern, nicht von Immobilienhändlern. Wir brauchen Farmer, nicht Dealer und Hunter auf dem Wohnungsmarkt, so der Mieterbund-Präsident.
- Zur Nachhaltigkeit gehört auch eine seriöse Finanzierung von Immobilienaktivitäten. Insbesondere dürfen Verbraucher beim Kauf von Immobilien oder bei der Anmietung nicht in Finanzverpflichtungen getrieben werden, die sie dauerhaft nicht erfüllen können. Was wir derzeit an unverantwortlicher Tätigkeit der Hypotheken-Banken im anglo-amerikanischen Raum erleben, darf sich in Deutschland nicht wiederholen, sagte Rips. Der DMB fordert in diesem Zusammenhang auch, dass die Abtretung von Immobilienkrediten an einen neuen Gläubiger durch die finanzierende Bank nur mit vorheriger Zustimmung der Betroffenen zulässig ist.
- Wohnungspolitik und Wohnungswirtschaft müssen sich auch der sozialen Verantwortung bewusst sein. Wohnen ist ein Menschenrecht. Es müssen deshalb ausreichend gesunde und bezahlbare Wohnungen auch für einkommensschwache Haushalte vorgehalten werden.
- Zur nachhaltigen Bewirtschaftung gehören auch eine geordnete und zielführende Instandhaltung und Instandsetzung der Bestände und eine den heutigen Anforderungen an Wohnraum gerecht werdende Modernisierung. Wir lehnen unternehmerisches Handeln in der Wohnungswirtschaft ab, durch das Bilanzen mit verzögerten oder unterlassenen Maßnahmen im Interesse der Anteilseigner auf die Ausschüttung hoher Gewinne getrimmt werden, sagte Rips.
- Der Sektor der Wohnimmobilien muss in Deutschland einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutz-Ziele leisten. Nachhaltige Wohnraumbewirtschaftung heißt deshalb auch, dass die Eigentümer von Wohnraum sich der notwendigen energetischen Verbesserung ihrer Bestände stellen. Zur gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gehört es selbstverständlich auch, dass die Mieter die daraus sich ergebenden höheren Belastungen tragen müssen. Der Staat muss dafür sorgen, dass einkommensschwachen Haushalten durch Wohngeld und andere Transferleistungen wirksam geholfen wird.
- Nachhaltigkeit in der Wohnungswirtschaft verlangt schließlich auch, sich an die veränderten demographischen Bedingungen anzupassen. Die drei großen Entwicklungen der Gesellschaft, nämlich die Schrumpfung der Bevölkerung, die Alterung und die Heterogenisierung der Lebensstile, haben erheblichen Einfluss auf die Wohnungsmärkte. Hierauf haben sich die Marktakteure einzustellen, z. B. durch Angebote altersgerechter Wohneinheiten und durch eine stärkere Differenzierung der Wohnungszuschnitte.
Ein derartiges nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Verhalten der Wohnungswirtschaft entsteht nicht allein auf dem Markt. Es bedarf vielmehr der Begleitung und zum Teil auch der Steuerung durch staatliche Politik und Vorgaben, sagte der Mieterbund-Präsident.
Aus Sicht des deutschen Mieterbundes sei es insbesondere wichtig, dass die kommunalen Wohnungsunternehmen erhalten und gestärkt werden und als strategische Partner der Städte und Gemeinden einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele in der Wohnungswirtschaft erbringen können.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Mieterbund e.V. (DMB)
Ulrich Ropertz, Sprecher, Presse
Littenstr. 10, 10179 Berlin
Telefon: (030) 223230, Telefax: (030) 22323100
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