Pressemitteilung | DIHK - Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.
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Nachvermittlung 2007: Viele Chancen verpasst

(Berlin) - Same procedure as every year? In jedem Herbst laden Kammern und Arbeitsagenturen die unversorgten Jugendlichen zur Nachvermittlung ein, doch nur knapp die Hälfte kommt. Dabei ist das Angebot zur Nachvermittlung in diesem Jahr so groß wie seit Jahren nicht mehr: Wer die Chance der Nachvermittlung wahrnimmt, erhält fast immer ein adäquates Angebot. Wer nicht erscheint, belastet weiter die Bilanz des Ausbildungspakts – und verpasst vor allem eine gute Gelegenheit!

Aus den Rückmeldungen der Industrie- und Handelskammern ergeben sich folgende Zwischenergebnisse zur Nachvermittlung 2007:

Zum Angebot:

Insgesamt standen mehr betriebliche Ausbildungsplatzangebote bereit als Unversorgte zu den Veranstaltungen erschienen. Im Durchschnitt kamen bislang auf einen Teilnehmer 1,2 Ausbildungsplätze (Vorjahr 0,8) – bei einer Spannweite von 0,1 bis 4,8.

Hinzu kommen noch die zahlreichen Angebote für eine betriebliche Einstiegsqualifizierung. Auf einen Nachvermittlungsteilnehmer kommen damit insgesamt sogar 3,4 betriebliche Angebote. Lediglich in drei IHK-Bezirken liegt diese Verhältniszahl unter 1.

Zählt man noch öffentlich finanzierte Programmplätze hinzu, kommen rechnerisch fast 4 Angebote auf einen Nachvermittlungsteilnehmer. Die Agenturen haben deshalb auch vielerorts Probleme, ihre eigenen Förderplätze zu besetzen.

Zur Nachfrage:

Auch in diesem Jahr haben die Agenturen für Arbeit nicht jeden zum 30.9. noch unversorgten Bewerber zur Nachvermittlung eingeladen. Mit durchschnittlich 77 Prozent – bei großer Streuung – liegt die Einladungsquote derzeit auf Vorjahresniveau. Die Differenz begründen einzelne Arbeitsagenturen vor allem mit der zwischenzeitlichen Versorgung der Jugendlichen auf anderen Wegen.

Die Teilnahmequote der Eingeladenen liegt mit 49 Prozent nochmals unter dem bereits schlechten Vorjahreswert. Da nur 9 Prozent entschuldigt fehlten, bleiben im Schnitt 42 Prozent der unversorgten Bewerber den Nachvermittlungen ohne Entschuldigung fern – Zweifel an der Ausbildungswilligkeit sind da erlaubt!

In fast allen Fällen konnte den Jugendlichen ein Angebot gemacht werden. Wo das nicht der Fall ist, waren die Bewerberwünsche im Einzelfall nicht mit dem regionalen Ausbildungsangebot in Einklang zu bringen.

Die rechnerische Lehrstellenlücke wird sich somit bis zum Jahresende weiter schließen. Ob sich erstmals seit Jahren in der offiziellen Statistik ein Überangebot zeigt, hängt vor allem vom Umgang der Arbeitsverwaltung mit den säumigen Bewerbern ab. Der Ausbildungspakt sieht vor, dass Jugendliche, die nicht mitwirken, nicht mehr zum Kreis der Paktbewerber zählen. Mit Blick auf Fachkräftemangel und Demographie wäre es jedoch besser, diese Gruppe noch aus der Reserve zu locken. Allerdings steht statt der Aktivierung jener Jugendlichen nach wie vor die Aktivierung der Betriebe im Fokus der Politik: Der neuerdings von der Bundesregierung erwogene Ausbildungsbonus zielt auf die Bereitschaft der Betriebe, mehr auszubilden. Nötig wären aber eher Maßnahmen, mit Hilfe derer auch (aus-)bildungsferne Jugendliche an die duale Ausbildung herangeführt werden können. Denn wir haben immer mehr eine Qualitätslücke – und immer weniger eine Lehrstellenlücke!

Für die Aktivierung der Jugendlichen bedarf es zielgerichteter Instrumente, zuweilen aber auch staatlichen Drucks: Wer als junger Erwachsener neben einer eigenen Wohnung noch 347 Euro Hartz IV erhält, kann seine finanzielle Situation durch eine Qualifizierung oder Ausbildung oftmals nicht verbessern. Wo deshalb keine Eigenanstrengung zu erkennen ist, müssen die Träger der Grundsicherung stärker als bisher vorhandene Sanktionsmöglichkeiten nutzen.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Ute Brüssel, Pressesprecherin Breite Str. 29, 10178 Berlin Telefon: (030) 203080, Telefax: (030) 203081000

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