Pressemitteilung | DWA - Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.

Naturnahe Fließgewässer helfen bei Niedrigwasser

(Hennef) - Extreme Abflüsse haben nicht nur negative Folgen. Vielmehr können Hochwasserereignisse naturnahe Gewässerstrukturen fördern. Die dadurch neu entstandenen Uferabbrüche und neu entstandene Sandbänke dürfen nicht wieder durch Menschenhand beseitigt werden. Hierauf macht die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (ATV-DVWK) ein Jahr nach dem verheerenden Hochwasser an Elbe und Mulde aufmerksam.

Naturnahe Gewässerstruktur wichtig bei Niedrigwasser

Wie wichtig naturnahe Gewässerstrukturen zum Erhalt eines intakten Fließgewässerzustandes sind, zeigt die extreme Witterungslage dieses Sommers. Im krassen Gegensatz zum Sommer 2002 hat die anhaltende Hitzewelle vielerorts zu extremen Niedrigwasserverhältnissen in den Gewässern geführt. Besonders die Lebensgemeinschaften der stauregulierten, ausgebauten und begradigten Gewässer, allen voran die Fische, leiden besonders unter diesen Verhältnissen. Häufig haben geringe Wasserführung, Sauerstoffmangel und Überhitzung das Absterben ganzer Fischbestände zur Folge.

In strukturreichen Gewässern hingegen werden die Extreme gedämpft. Hier sorgen abwechselnde Fließgeschwindigkeit und über Kiesbänke plätscherndes Wasser für Sauerstoffanreicherung. Gehölze beschatten das Gewässer und verhindern so eine übermäßige Erwärmung des Wasserkörpers. Bei extremer Niedrigwasserführung finden Fische und andere Lebewesen in den tiefen Kolken immer genügend Wasser, um die Trockenperioden zu überdauern. Hochwasser kann, so gesehen, auch positive Folgen haben.

Extremabflüsse als "kostenlose Gewässerrenaturierung"

Ein Beispiel für eine derartige Entwicklung ist der Gewässerabschnitt der Mulde auf Höhe der Ortslage Rochlitz. Im Zuge des August-Hochwassers 2002 wurde das Profil der Mulde teilweise durch die Erosion im Uferbereich aufgeweitet. Ein kleiner Seitenarm und Kiesbänke entstanden. Das im Uferbereich abgetragene Material wurde von der Hochwasserwelle auf die Flächen des angrenzenden Gleitufers transportiert und hier abgelagert, so dass großflächige Kiesablagerungen entstanden. Schon nach wenigen Wochen siedelten auf diesen neu entstandenen fluss- und auentypischen Strukturen zum Teil seltene Tier- und Pflanzenarten, von denen der Flussregenpfeifer wohl der bekannteste Vertreter ist.

Langfristig und im Zusammenhang betrachtet, bilden die genannten Strukturveränderungen die Grundlage für eine kostenlose Gewässerrenaturierung, vorausgesetzt Kiesbänke bleiben nach einem Hochwasserereignis erhalten und Uferabbrüche werden nicht wieder zurück gebaut. Freilich gelten diese Ansätze in erster Linie für die Fließstrecken der freien Landschaft. Dynamik und Veränderung gehören hier zum Wesen der Fließgewässer.

Für die frei fließenden Gewässerabschnitte ist eine Abkehr von der bislang praktizierten Unterhaltungspraxis notwendig, und Strukturveränderungen im Rahmen von Hochwasserereignissen müssen geduldet werden. Nur wenn künftig die eigendynamische Veränderungskraft der Fließgewässer in die menschlichen Handlungen einbezogen wird, kann eine wesentliche Verbesserung des ökologischen Zustandes der Fließgewässer erreicht werden. Ziel sollte es sein, einen Gleichklang zwischen den ökonomischen Anforderungen, wie beispielsweise die Nutzung der Gewässer als Wasserstraßen, den Anforderungen zum Schutz der Lebensgrundlagen für den siedelnden Menschen und den ökologischen Anforderungen herzustellen. Schließlich kann es nicht darum gehen, die Wasserbaumaßnahmen der Vergangenheit zu geißeln, sondern die wasserbaulichen Erkenntnisse und Erfahrungen des Flussbaus gezielt zum Erreichen der oben genannten Ziele zu nutzen.

Hochwasser kann Fließgewässer ökologisch verbessern

Neben dem menschlichen Leid und dem mittlerweile bekannten Sachschaden von neun Milliarden Euro haben die Hoch-wasserereignisse vom August 2002 an vielen Fließstrecken eine Veränderung der Gewässerstrukturen bewirkt. Vielerorts entstanden Uferabbrüche, an der Sohle der Gewässer bildeten sich Kolke (örtliche strömungsbedingte Vertiefungen im Flussbett) und Kiesbänke. Auf den Talböden der angrenzenden Niederungen wurden teilweise großflächig Kiese und Sande abgelagert. Während derartige Veränderungen in den besiedelten Abschnitten unerwünscht sind, können sie innerhalb der freien Fließstrecken zu einer deutlichen Aufwertung der fließgewässertypischen Lebensräume führen.

Quelle und Kontaktadresse:
ATV-DVWK Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. Theodor-Heuss-Allee 17, 53773 Hennef Telefon: 02242/8720, Telefax: 02242/872135

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