Neue EU-Herkunftskennzeichnung: Kein Gewinn für die Verbraucher - aber mehr Aufwand für die Wertschöpfungskette
(Berlin) - Die in der vergangenen Woche verabschiedete EU-Durchführungsverordnung zur Herkunftskennzeichnung von frischem, gekühltem und gefrorenem Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch ist ein schlechter Kompromiss. "Insbesondere dem Schweinefleischsektor beschert die Durchführungsverordnung keinen Mehrwert: Der Aufwand für die Dokumentation und deren Kontrolle in der Wertschöpfungskette steigen. Hilfreich für die Verbraucher wäre hingegen eine EU-einheitliche und damit eindeutige Regelung für die freiwillige Kennzeichnung. In Verbindung mit der verpflichtenden Kennzeichnung "Herkunft EU" oder "nicht EU" wäre dies eine sinnvolle und nutzbringende Lösung gewesen", so Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV).
Die Individualität regionaler Fleischprogramme geht mit dem neuen Regelwerk verloren. Nun wird die Wertschöpfungskette darauf getrimmt, das Lebensalter der Tiere anzugeben. An Hand dessen wird dann festgelegt, ob sich die Kennzeichnung des Herkunftslandes auf eine bestimmte Lebensperiode bzw. auf das gesamte Lebensalter eines Tieres bezieht. "Ich bin mir sicher, dass dies die Verbraucher verwirrt. Für die Kaufentscheidung ist diese Regelung, die bezeichnender Weise zum 1. April 2015 in Kraft tritt, keinesfalls hilfreich", so Nüssel.
Vielen Verbrauchern sind die Wertschöpfungsströme gar nicht bekannt. Es ist deshalb kritisch zu hinterfragen, ob ein Tier, das kurz hinter der deutschen Grenze aufgezogen und gemästet wurde und anschließend im nahe gelegenen Schlachthof jenseits der Landesgrenze geschlachtet wird, aufgrund seiner Herkunft stigmatisiert werden sollte. Dies wird aber durch die vorgesehene Trennung der Warenströme nach unterschiedlichen Herkünften erzwungen. "Ignoriert wird, dass die Tiere in der Europäischen Union nach einem einheitlichen Rechtsrahmen gehalten und geschlachtet werden. Zudem haben sich in den letzten Jahrzehnten enge Wirtschaftsräume in Europa gebildet. Das hat zu einem funktionierenden Binnenmarkt geführt", so Nüssel.
Bei der Ausarbeitung der EU-Herkunftskennzeichnung wurden diese Aspekte vernachlässigt. Nun gilt es, bis Anfang 2015 einen für die Wertschöpfungskette praxisgerechten Ansatz zu entwickeln. Der bürokratische Aufwand muss für alle Wirtschaftsbeteiligten in Grenzen gehalten werden.
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