Oberfranken hat 15.252 Industriearbeitsplätze seit 2019 verloren
(Bayreuth) - "Die Deindustrialisierung Oberfrankens schreitet ungebremst voran", warnt Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth. "Alleine von 2024 auf 2025 gingen 3.764 Industriearbeitsplätze verloren. Damit summieren sich die Beschäftigtenverluste in der Industrie seit 2019 auf 15.252". Dr. Waasner mahnt dringend eine Ertüchtigung des Standortes Deutschland an.
Der Beschäftigtenabbau um 15.252 oder 11,1 Prozent entspricht in etwa den Einwohnerzahlen von Städten wie Kronach (16.600), Selb (14.700), Pegnitz (13.700) oder Hirschaid (12.400). Hinzu kommt ein Abbau von 1.406 Beschäftigten seit 2019 bei den "wirtschaftlichen Dienstleistungen" - nicht zuletzt, weil Aufträge aus der Industrie ausbleiben.
Zahl der Industriebeschäftigten in Oberfranken auf historischem Tief
"Mit 121.545 hat die Zahl der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe einen historischen Tiefststand erreicht", so Dr. Waasner. "Unsere schlimmsten Befürchtungen sind leider eingetreten."
Für diese besorgniserregende Entwicklung gibt es drei Hauptgründe: die schlechten Standortbedingungen für die Industrie, die unsicheren internationalen Märkte und die Krise der deutschen Automobilhersteller, die voll auf die über 200 Automobilzulieferer in Oberfranken durchschlägt.
Beschäftigtenzuwächse vor allem in der Verwaltung
Zwar gibt es laut Berechnungen der IHK für Oberfranken Bayreuth Zuwächse in anderen Wirtschaftszweigen, aber die reichen nicht aus, um die Verluste in der Industrie zu kompensieren, etwa in der öffentlichen Verwaltung (+5.741 seit 2019), im Gesundheits- und Sozialwesen (+3.342), im Bereich Verkehr und Logistik (+2.566), Erziehung und Unterricht (+2.557) oder den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+2.134) Die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist zwischen 2019 und 2025 mit einem Plus mit 4.224 oder 1,0 Prozent noch leicht gestiegen. Im vergangenen Jahr gingen in der Summe 1.858 Arbeitsplätze verloren.
Weichen für die Zukunft müssen gestellt werden
Berlin habe erste Weichen gestellt, aber das reicht aber bei weitem nicht aus. Dr. Waasner fordert entschlossenes Handeln: "Arbeitskosten, Steuer- und Abgabenlast sowie Bürokratie müssen runter, Planungssicherheit und Infrastrukturausgaben rauf!" Er erinnert an die Agenda 2010: Damals wurde Deutschland vom „kranken Mann" zur wirtschaftlichen Lokomotive Europas. Oberfranken profitierte davon erheblich - die Arbeitslosigkeit sank, die Beschäftigung stieg.
Aber nicht nur in Brüssel, Berlin und München müssen die Weichen für die Zukunft gestellt werden, sondern auch auf kommunaler Ebene. Dr. Waasner mit einem Appell an alle neu oder wiedergewählten Kommunalpolitikerinnen und -politiker: "Noch mehr als bisher müssen auch in der Kommunalpolitik bei jeder Entscheidung Auswirkungen auf den Standort und die Wirtschaft mitgedacht werden."
Dr. Waasner: Wir brauchen eine Agenda 2030!
Deutschland brauche Antworten auf eine sich radikal veränderte Weltordnung, den immer härter werdenden internationalen Wettbewerb und den demografischen Wandel. "Jetzt braucht es wieder einen Kraftakt, die Lage ist so ernst wie selten zuvor", macht Dr. Waasner deutlich. "Wir brauchen ein Jahr der Reformen, eine Agenda 2030, eine Agenda für mehr Wachstum. Unsere Unternehmen brauchen wieder eine verlässliche Zukunftsperspektive. Und zwar jetzt!"
Hinweis: Die Berechnungen basieren auf Daten des Bayerischen Landesamtes für Statistik zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Quelle und Kontaktadresse:
Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth (IHK), Peter Belina, Leiter(in) Kommunikation, Bahnhofstr. 23-27, 95444 Bayreuth, Telefon: 0921 886-0
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