Pressemitteilung | Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) - Hauptgeschäftsstelle
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ÖPNV im Saarland bis 2040 stärken: Gutachten zeigt Investitionsbedarf und konkrete Verbesserungen

(Berlin) - Zwei Szenarien machen deutlich: Mit zusätzlichen Investitionen kann das Saarland seinen Nahverkehr nicht nur stabilisieren, sondern in Stadt und Land deutlich verbessern.

Der öffentliche Nahverkehr im Saarland steht vor einer Richtungsentscheidung. Steigende Kosten, Modernisierungsbedarf, Fachkräftemangel und eine unsichere Erlössituation setzen die Branche unter Druck. Gleichzeitig bleibt der Anspruch klar: Busse und Bahnen sollen auch künftig verlässlich, bezahlbar und attraktiv sein – in den Städten ebenso wie in den ländlich geprägten Räumen. Das neue VDV-Leistungskostengutachten zeigt detailliert, wie sich Angebot, Nachfrage und Finanzierungsbedarf bis 2040 im Saarland entwickeln – und welche Verbesserungen mit zusätzlichen Investitionen möglich sind.

Mit zwei Szenarien – Modernisierung 2040 und Deutschlandangebot 2040 – beschreibt das Gutachten, wie sich der ÖPNV im Saarland entwickeln kann. Beide Wege führen nur dann zum Erfolg, wenn die Finanzierung mitwächst. Schon heute tragen die Verkehrsunternehmen stark gestiegene Kosten für Personal, Energie, Fahrzeuge und Digitalisierung – bei einem gleichzeitig begrenzten Spielraum auf der Einnahmenseite.

Uwe Hiltmann, Vorsitzender der VDV-Landesgruppe Südwest:
„Das Saarland braucht einen ÖPNV, der zuverlässig funktioniert und den Menschen im Alltag echte Mobilitätsoptionen bietet. Das Gutachten zeigt: Wenn Politik und Branche jetzt gemeinsam handeln, können wir Angebot und Qualität im ganzen Land sichtbar verbessern – nicht nur in Saarbrücken, sondern auch darüber hinaus.“

Der ÖPNV im Saarland: heute solide, morgen deutlich besser?
Der ÖPNV im Saarland erbrachte 2024 rund 42,8 Millionen Nutzfahrzeug- beziehungsweise Nutzzugkilometer. Der Bus dominiert mit 78 Prozent der Betriebsleistung, bei der Nachfrage hat er mit 50 Prozent ebenfalls das größte Gewicht. Der SPNV kommt auf 40 Prozent, die Sparte TRAM auf 10 Prozent. Die Aufwendungen im ÖPNV lagen 2024 bei 385 Millionen Euro, davon konnten knapp 128 Millionen Euro durch Fahrgelderlöse und sonstige Erlöse gedeckt werden. Der öffentliche Finanzierungsbedarf lag damit bereits heute bei knapp 258 Millionen Euro. Die beiden Szenarien im VDV-Gutachten zeigen die Entwicklungsperspektiven des saarländischen ÖPNV-Angebots in unterschiedlicher Größenordnung:

Szenario „Modernisierung 2040“

• Modernisierung von Fahrzeugen, Betriebshöfen, Werkstätten und Infrastruktur
• Stärkere Digitalisierung und Automatisierung
• Das Angebot verändert sich nur leicht, die Nachfrage geht demografisch bedingt um 2 Prozent zurück
• Finanzierungsbedarf steigt von jährlich 258 Millionen Euro (Basisjahr 2024) auf rund 453 Millionen Euro im Jahr 2040
• Erforderlich sind im Schnitt also rund 12 Millionen Euro mehr pro Jahr
Dieses Szenario ist vor allem ein Qualitätsszenario: Es sichert den Bestand, baut den Bedarf an Erneuerungsinvestitionen ab und macht den ÖPNV robuster.

Besonders stark steigen die Bedarfe bei der Sparte TRAM, weil hier umfangreiche Grunderneuerungen anstehen. Zugleich zeigt das Gutachten: Mit der Bestellung zusätzlicher SPNV-Leistungen im Zusammenhang mit der S-Bahn Saarland hat sich das Land bereits auf den Weg in Richtung Deutschlandangebot gemacht. Das zweite Szenario ist dagegen mehr als nur Qualitätssicherung. Es zeigt einen deutlichen Wachstumspfad:

Szenario „Deutschlandangebot 2040“

• Flächendeckende Mindestbedienstandards im Busverkehr
• Zusätzliche Angebote in ländlichen Räumen durch On-Demand-Verkehre
• Ausbau des SPNV, etwa durch Reaktivierung von Primstalbahn und Bisttalbahn
• + 52 Prozent mehr Sitzplatzkilometer, + 27 Prozent mehr Nachfrage
• Der Finanzierungsbedarf steigt auf jährlich knapp 836 Millionen Euro im Jahr 2040
• Dafür sind im Schnitt rund 36 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr nötig

Besonders deutlich wird der Nutzen dieses Szenarios beim Blick auf die sogenannten Güteklassen: Die durchschnittliche ÖPNV-Note verbessert sich durch das Deutschlandangebot im Saarland von heute 4,2 auf 2,5 im Jahr 2040.
Für mehr als ein Drittel der Bevölkerung verbessern sich Erschließung und Angebot also um zwei Güteklassen, für knapp die Hälfte um eine Güteklasse – und zwar flächendeckend in allen Landkreisen.

Karsten Nagel, Geschäftsführer der Saarbahn: „Wir erleben täglich, wie hoch die Erwartungen der Fahrgäste an einen verlässlichen und attraktiven Nahverkehr sind. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Fahrzeuge, Infrastruktur, Personal und Digitalisierung kontinuierlich. Das Gutachten macht aus unserer Sicht sehr nachvollziehbar deutlich: Damit das Angebot im Saarland stabil und leistungsfähig bleiben kann, braucht es eine Finanzierung, die mit diesen Entwicklungen Schritt hält.“

Alexander Möller, VDV-Geschäftsführer ÖPNV:
„Das Saarland zeigt beispielhaft, worum es in vielen Bundesländern geht: Ohne zusätzliche Mittel lässt sich der heutige Standard im ÖPNV gerade noch sichern, aber mehr nicht. Erst mit einem echten Ausbau entstehen bessere Takte und Erreichbarkeit sowie spürbar mehr Qualität. Das Gutachten liefert dafür die fachliche Grundlage – jetzt braucht es politische Entscheidungen des Saarlands und des Bundes.“

Bevölkerungsrückgang und verhältnismäßig geringe Landesmittel
Die demografische Entwicklung im Saarland setzt den ÖPNV zusätzlich unter Druck. Bis 2040 soll die Bevölkerung um 7,3 Prozent sinken, die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sogar um 17,7 Prozent. Gerade deshalb reicht es nicht, nur den Status quo zu erhalten. Wer einen Nachfragerückgang vermeiden und gleichwertige Lebensverhältnisse sichern will, muss über die reine Modernisierung hinausgehen.

Zugleich macht das Gutachten deutlich, dass das Saarland seinen ÖPNV nicht ohne zusätzliche Anstrengungen des Landes weiterentwickeln kann. Für 2025 waren Ausgaben von rund 206 Millionen Euro vorgesehen, davon rund 75 Prozent aus Bundesmitteln und knapp 25 Prozent aus Landesmitteln. Der Anteil an Investitionen ist dabei vergleichsweise gering. Genau hier liegt der politische Hebel: Das Land muss den ÖPNV langfristig stärker und verlässlicher finanzieren, wenn Busse und Bahnen im Saarland bis 2040 wirklich besser werden sollen.

Quelle und Kontaktadresse:
Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) - Hauptgeschäftsstelle, Kamekestr. 37-39, 50672 Köln, Telefon: 0221 57979-0

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