Pressemitteilung | Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
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Pädagogischer Schwarzmarkt boomt / BLLV-Präsident Dannhäuser: „Nachhilfeboom ist schul- und bildungspolitische Bankrotterklärung“ / Schulen müssen zentrale Bildungsaufgaben leisten können

(München) - Als schul- und bildungspolitische Bankrotterklärung hat der Präsident des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV), Albin Dannhäuser, die Tatsache bezeichnet, dass viele Schüler die Leistungserwartungen der Schule nicht mehr ohne privaten Nachhilfeunterricht erreichen. Immer mehr Eltern sehen sich gezwungen, viel Geld zu investieren, damit ihre Kinder das Klassenziel erreichen. „Der pädagogische Schwarzmarkt blüht und hat mit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums einen traurigen Höhepunkt erreicht.“ Nach einer heute veröffentlichten dpa-Meldung gehen Eltern sogar putzen, um ihren Kindern den zusätzlichen Unterricht in Kleingruppen zu ermöglichen. Dannhäuser stellte die Frage, was der „Popanz um Bildungsstandards oder Schlüsselqualifikationen soll, wenn die Fundamente nicht mehr stimmen.“ Er forderte die Politik dazu auf, öffentliche Schulen so auszustatten, dass sie ihren Bildungsauftrag erfüllen und endlich alle Schülerinnen und Schüler individuell und gezielt fördern können. „Dann wäre private Nachhilfe überflüssig und gute Bildung nicht länger eine Frage des Einkommens der Eltern.“

Schüler/innen, deren Eltern sich die teueren Stunden nicht leisten können, gehen in den meisten Fällen leer aus - oder müssen die Schule wechseln. Die Zahlen sprechen für sich: Pro Schuljahr wiederholen in Bayern rund 52.000 Schüler eine Klasse - das entspricht 4,1% und ist bundesweiter Rekord. Rund 14. 000 Schüler verlassen das Gymnasium wieder. Von den Realschulen wechseln knapp 6000 Schüler an die Hauptschule. Am bedenklichsten ist es, dass sehr viele Schüler/innen die Schule ohne Abschluss verlassen. Ihre Zahl ist in den letzten drei Jahren zwar um 2 % zurückgegangen, aber es sind immer noch 8,4 % insgesamt und bei den Hauptschülern 9,5%. Von den Kindern mit Migrationshintergrund sind es über 20 Prozent.

Dannhäuser bezeichnete es als pädagogisch äußerst fragwürdig, wenn Eltern durch private Nachhilfe den Übertritt ihrer Kinder an eine weiterführende Schule erzwingen. In Bayern erhalten bereits über 20 Prozent aller Grundschüler Nachhilfe. Das widerspricht dem pädagogischen und schulpolitischen Grundverständnis des BLLV. „Erste und wichtigste Pflicht der Schule ist es, alle Schüler bestmöglich zu fördern. Die Auslese von Schülern ist keine pädagogische Aufgabe, sondern eine gesellschaftliche und politische Vorgabe“, stellte der BLLV-Präsident fest. Sie treibt inzwischen traurige Blüten, wie die heutige Agenturmeldung zeigt.“

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV) Andrea Schwarz, Pressereferentin Bavariaring 37, 80336 München Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155

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