Pressemitteilung | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V. (DBfK)
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Pflege als Sündenbock?

(Berlin) - Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) widerspricht der einseitigen Bewertung des Pflegebudgets, wie sie derzeit von verschiedenen Akteuren – darunter auch im aktuellen Gutachten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) – vorgenommen wird und weist die Forderung nach einer Abschaffung deutlich zurück. Aus Sicht des DBfK greift es zu kurz, die Entwicklung der Pflegepersonalkosten isoliert zu betrachten und daraus Rückschlüsse auf die Bewertung der Effekte des Pflegbudgets zu ziehen.

„Ja, das Pflegebudget ist gewachsen – aber es ist nicht der einzige Ausgabenposten, der gestiegen ist“, betont DBfK-Präsidentin Vera Lux. „Wer ausschließlich auf die Pflege schaut und diese Entwicklung nicht in Relation zu den übrigen Ausgaben setzt, erweckt den Eindruck, dass hier ein Sündenbock für allgemeine Kostensteigerungen gesucht wird.“ Nach den Kostennachweisen der Krankenhäuser des Statistischen Bundesamtes ist das Gesamtbudget der Krankenhäuser zwischen 2020 und 2024 um 23 Prozent gestiegen. Die Pflegepersonalkosten sind im gleichen Zeitraum um 31 Prozent gewachsen, die ärztlichen Personalkosten um 21 Prozent.

Nachholeffekte in der Pflege: Jahrelang wurde eingespart

Der Anstieg der Pflegepersonalkosten sei politisch gewollt gewesen, so Lux. Das Pflegebudget wurde eingeführt, um jahrelangen Personalabbau zu korrigieren und dringend benötigte Stellen aufzubauen. Dieser Aufholeffekt sei notwendig gewesen – und noch lange nicht abgeschlossen. Ein Blick auf die vergangene Entwicklung zeige, wie groß der Nachholbedarf tatsächlich ist: Lag der Anteil der Pflege an den gesamten Personalkosten der Krankenhäuser im Jahr 2000 noch bei über 39 Prozent, fiel er bis 2020 auf unter 32 Prozent. Zwischen 2020 und 2024 ist dieser Anteil lediglich um rund zwei Prozentpunkte auf knapp 34 Prozent gestiegen. „Von einer Überfinanzierung der Pflege kann also keine Rede sein“, stellt Lux klar. „Wir holen gerade einmal einen Bruchteil dessen auf, was über Jahrzehnte eingespart wurde.“ Zudem hat die Komplexität der Versorgung aufgrund des rasanten medizinischen Fortschritts und der demografischen Entwicklung seither zugenommen.

Versorgungsqualität im Fokus

Der DBfK warnt davor, allein anhand von Personalzahlen oder Kostensteigerungen Rückschlüsse auf die Versorgungsqualität zu ziehen. „Was wir brauchen, ist eine breite, unabhängige Datengrundlage, die nicht nur eine Berufsgruppe isoliert betrachtet“, so Lux. „Entscheidend ist, wie sich Personalausstattung auf Sicherheit der Patient:innen, Komplikationsraten, Verweildauer und andere pflegesensitive Outcomes auswirkt.“ Diese Perspektive fehle in der aktuellen Debatte. „Pflege, so Lux weiter, sei „kein Kostenproblem, sondern Teil der Lösung für eine stabile Krankenhausversorgung bei immer komplexeren Therapien.“ Wer Qualität sichern wolle, müsse bereit sein, in Pflege zu investieren – und zwar strukturiert, nachvollziehbar und langfristig. Ansonsten sei zu befürchten, dass erneut eine Situation entstehe, wie in den 1990er Jahren, als die damalige Pflegepersonalregelung (PPR) aus finanziellen Erwägungen abgeschafft wurde – mit weitreichenden Folgen. „Was würde eine Abwicklung des Pflegebudgets für die Versorgungsqualität im Krankenhaus bedeuten – für die Patient:innen sowie für alle an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen? Und welches fatale Signal würde die Politik damit erneut in die Profession Pflege senden?“, folgert Lux.

PPR 2.0 und deren Weiterentwicklung als Chance

Eine zentrale Chance sieht der DBfK in der PPR 2.0. Erstmals werden bundesweit strukturiert Daten zur Personalsituation in der Pflege erhoben und mit dem Pflegebedarf in Beziehung gesetzt. Diese Daten müssen die Grundlage für eine sachliche Weiterentwicklung des Pflegebudgets sein. Nötig ist ein Konzept, das Finanzierung, Personalbemessung und Qualitätsanforderungen endlich systematisch zusammenführt. Für den DBfK ist klar: Das Pflegebudget darf nicht grundsätzlich infrage gestellt werden. Es muss weiterentwickelt werden – auf Basis valider Daten, mit klaren Qualitätskriterien und mit dem Ziel, eine sichere und bedarfsgerechte Versorgung im Krankenhaus dauerhaft zu gewährleisten.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V. (DBfK), Anja Kathrin Hild, Referent(in) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Alt-Moabit 91, 10559 Berlin, Telefon: 030 219157-0

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