PISA II: Im Messen und Wiegen zugelegt / Beim Fördern und Fordern kein Durchbruch
(Berlin) - Die fixe Idee von der Begabung feiert nach wie vor fröhliche Urständ im deutschen Schulsystem, kritisiert nach Bekanntwerden der Ergebnisse von PISA II der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger.
Dass Deutschland jetzt im internationalen Vergleich etwas besser dasteht, ist positiv und spricht dafür, dass PISA ein wesentlicher Anstoß für Veränderungen ist, betont Eckinger. Aber die meisten Maßnahmen zielten auf Leistungssteigerungen im gymnasialen Bereich. Das Hauptproblem unseres Schulsystems besteht fort: Die soziale Herkunft bestimmt weitgehend über den Erfolg der Bildungskarriere. Bei PISA 2003 gehe die Leistungsschere zwischen Gymnasiasten und Hauptschülern weiter auseinander als bei PISA 2000. Statt Hysterie zu entfalten, rät Eckinger, bedürfe es aber ehrlicher Analyse bisheriger Reformmaßnahmen.
Der VBE-Bundesvorsitzende verweist darauf, dass sich die KMK nach PISA 2000 zwar für die richtigen Handlungsfelder entschied. Aber die Kultusminister betätigten sich als schnelle Eingreiftruppe vorrangig bei den Gymnasien. Überraschend schnell verständigten sie sich auf ein Zentralabitur nach 12 Jahren, wofür der direkte Bezug zu PISA fehlt. Als hoch problematisch bezeichnet Ludwig Eckinger die gezielte Beseitigung gemeinsamer Bildungsinhalte von Haupt-, Realschul- und gymnasialem Bildungsgang der Sekundarstufe I. Durch verstärkt schulartgebundene Lehrpläne wird die Durchlässigkeit nach oben noch mehr erschwert und frühe Selektion der Schülerinnen und Schüler tendenziell verschärft. Besonders schwer falle dabei ins Gewicht, dass die notwendigen Diagnose- und Unterstützungssysteme für die Schulen seit PISA 2000 nicht entwickelt worden seien. In dieses Bild passe auch, dass vom kostenintensiven Sitzenbleiben nicht gelassen werde. Im Messen und Wiegen hat Deutschland zugelegt, beim Fördern und Fordern jedes einzelnen Schülers gibt es keinen Durchbruch. Das konterkariert die Erkenntnisse aus der PISA-Studie, so Eckinger. Die sozial unterschiedlichen Ausgangslagen der Schülerinnen und Schüler werden im System reproduziert. Der Auftrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit ist nicht erfüllt.
Scharf kritisiert der Bundesvorsitzende des parteiunabhängigen VBE den Schulstrukturstreit. Da werde beteuert, eine Strukturdebatte bringe nichts und gleichzeitig habe es nachhaltige Struktureingriffe gegeben wie zum Beispiel in Bayern oder Niedersachsen. Statt Verlängerung der gemeinsamen Lernzeit in der Grundschule wird tendenziell die vierjährige Grundschule forciert. Erste Wirkungen dieser ideologisch eingefärbten Schulpolitik zeigen sich jetzt in PISA II. Unser Schulsystem führt zu einer Bildungsunterschicht. Kinder aus bildungsfernen Familien und aus Migrantenfamilien werden überproportional an Haupt- und Sonderschulen empfohlen. VBE-Bundesvorsitzender Eckinger betont, dass gerade in diesen Schulen sehr engagierte und pädagogisch versierte Lehrerinnen und Lehrer arbeiteten. Die Pflichtschule ist aber im deutschen Schulsystem nur noch Auffangbecken für Schülerinnen und Schüler, die von oben nach unten durchgereicht werden. Diese Stufung ist ein Skandal, wie sich nun durch PISA II ein weiteres Mal zeigt.
Quelle und Kontaktadresse:
Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)
Behrenstr. 23-24, 10117 Berlin
Telefon: 030/7261966-0, Telefax: 030/7261966-19
Weitere Pressemitteilungen dieses Verbands
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen

