Podiumsdiskussion FVDZ-Sommerkongress / Prävention braucht Ausdauer, Mut und Selbstverantwortung
(Binz) - Prävention gilt seit Jahren als eines der großen Versprechen moderner Gesundheitspolitik. Sie soll Krankheiten verhindern, Lebensqualität verbessern und gleichzeitig das Gesundheitssystem finanziell entlasten. Dass Prävention erfolgreich sein kann, zeigt die Zahnärzteschaft seit Jahrzehnten. Doch was braucht es, um das Gesundheitswesen insgesamt stärker von der Reparaturmedizin hin zu einer echten Präventionsorientierung zu entwickeln? Dieser Frage widmete sich die politische Podiumsdiskussion des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ) beim Zahnärzte-Sommerkongress in Binz auf Rügen.
Passend zum vom FVDZ ausgerufenen „Sportsommer der Präventionsweltmeister“ erhielt die Diskussion besondere Impulse von der Zahnärztin und Triathletin Dr. Maria Paulig. Als Guide der sehbehinderten Triathletin Anja Renner gewann sie bei den Paralympischen Spielen in Paris die Bronzemedaille. In ihrem Impulsvortrag zeigte Paulig auf, welche Lehren das Gesundheitswesen aus dem Leistungssport ziehen kann: Ausdauer, Lösungsorientierung und vor allem den Mut, Veränderungen aktiv anzugehen.
Ein großes Problem sei es jedoch, dass der Fokus hauptsächlich auf der Reparatur-Medizin liege. „Es ist für die meisten Menschen einfacher, mit einem gesundheitlichen Problem zum Arzt zu gehen, als sich selbst darum zu kümmern, dass das Problem gar nicht erst entsteht“, sagte Paulig. Es brauche eine Veränderung von Routinen, um Veränderung im Denken zu erlangen.
Ein Irrglaube sei es allerdings, dass das „ab morgen einfach losgeht“, sagte die Präsidentin der Landeszahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern Stefanie Tiede. Sie plädierte für mehr Selbstverantwortung des einzelnen – für die Politik allerdings die Grundlage durch Bildung und vernünftige Gesetzgebung leisten müsse. Dr. Timm Genett, Geschäftsführer Politik beim Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV), erweiterte diesen Ansatz noch, indem er sich für ein neues Präventionsgesetz aussprach. „Was wir haben, sind Leuchtturm-Ruinen und keine flächendeckende Implementierung von Prävention, um tatsächlich Krankheitslast zu reduzieren“, sagte Genett. Christian Bartelt, FDP-Generalsekretär in Mecklenburg-Vorpommern, Zahnarzt und ehemaliger Bundestagsabgeordneter, warnte davor, Eigenverantwortung staatlich verordnen zu wollen. Stattdessen brauche es Anreize und Rahmenbedingungen, die Menschen befähigten, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Prävention sei eine Investition in die Zukunft und müsse gesellschaftlich stärker wertgeschätzt werden.
Moderiert wurde die Diskussion vom FVDZ-Bundesvorsitzenden Dr. Christian Öttl. Gemeinsam mit den Gästen sprach er über Perspektiven und realistische Wege zu einer präventionsorientierten Gesundheitspolitik und streifte dabei auch das aktuelle Gesetzgebungsverfahren zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Zum Abschluss griff Paulig erneut den Gedanken aus dem Sport auf: „Jeder fängt mal klein an – Hauptsache, man fängt an.“ Eine Botschaft, die gleichermaßen für sportliche Ziele, den persönlichen Alltag und politische Reformen gilt.
Quelle und Kontaktadresse:
Freier Verband Deutscher Zahnärzte e.V. (FVDZ), Ubierstr. 83, 53173 Bonn, Telefon: 0228 85570
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