Pressemitteilung | Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI)
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Politische Nährwertprofile verfehlen ihr Ziel und verstoßen gegen Gemeinschaftsrecht / Lebensmittelrecht sollte praxisnah und verbraucherorientiert sein

(Bonn) - Die europäische Health-Claims-Verordnung soll "praxisgerecht und verbraucherorientiert verbessert werden". Dieser Forderung aus dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung schließt sich der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) uneingeschränkt an und spricht sich gegen eine Realisierung der geplanten Nährwertprofile (Artikel 4 der Health-Claims-VO) aus. Bei den Nährwertprofilen sollen Lebensmittel anhand von bestimmten Grenzwerten für Salz/Natrium, gesättigte Fettsäuren und Zucker bewertet werden. Von diesen "Lebensmittelsteckbriefen" soll dann abhängen, für welche Lebensmittel künftig mit Angaben zur Gesundheit und zum Nährwert geworben werden darf. Das Konzept ist aber schon allein dadurch fragwürdig, weil von knapp 40 wichtigen Nährstoffen nur drei als Beurteilungskriterium ausgewählt worden sind. Die dadurch erfolgende Einteilung in vermeintlich "gute" und "schlechte" Lebensmittel ist wissenschaftlich nicht begründbar und täuscht die Verbraucher, wie die Berichterstatterin im Europaparlament, Dr. Renate Sommer, wiederholt im Zusammenhang mit der Europäischen Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIVO) klargestellt hat.

"Mit Einführung der LMIVO werden Nährwertprofile gänzlich überflüssig, weil diese Verordnung ein hohes Maß an Produkttransparenz hinsichtlich der enthaltenen Nährstoffe wie Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren, Salz/Natrium und Energie sicherstellen wird. Es wäre daher unverhältnismäßig, Werbeverbote auszusprechen, wo Informationen als Hilfestellung angeboten werden", betont der BDSI-Vorsitzende Dr. Dietmar Kendziur.

Die EU-Kommission bleibt außerdem bis heute eine Erklärung schuldig, wie Nährwertprofile wissenschaftlich fundiert erstellt werden können. Eine isolierte Bewertung einzelner Lebensmittel wird von vielen Ernährungsexperten abgelehnt. Der BDSI betont zum wiederholten Mal, dass diese politischen Nährwertprofile ihr Ziel verfehlen, Übergewicht zu bekämpfen. Das Konzept wird den vielfältigen Esskulturen Europas nicht gerecht, stigmatisiert Traditionsprodukte wie z.B. Käsespezialitäten, Schokolade und Lebkuchen, bremst Innovationen und verstößt nach Auffassung mehrerer Rechtsgutachten gegen das Gemeinschaftsrecht bzw. den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) Dr. Torben Erbrath, Pressesprecher Schumannstr. 4-6, 53113 Bonn Telefon: (0228) 260070, Telefax: (0228) 2600789

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