Run auf bayerische Gymnasien - ohne Lehrer / Kultusministerium zieht bei Nachwuchskräften für das Lehramt Gymnasium den Kürzeren / BLLV-Präsident Wenzel: Bessere Ausbildung und Entlastung der Lehrkräfte
(München) - Die personelle Situation wird sich an bayerischen Gymnasien in absehbarer Zeit wesentlich verschärfen. Während die Übertrittsquote von Jahr zu Jahr steigt und Gymnasien aus allen Nähten platzen, fehlen Lehrer, die die wachsende Zahl der Schüler unterrichten sollen. Nach Berechnungen des BLLV haben die Erstsemesterzahlen zwar zugenommen, doch nur zwischen einem und zwei Drittel schließen das Studium in den Naturwissenschaften für das Lehramt Gymnasium ab. Im Laufe ihres Studiums treffen viele Studierende die Entscheidung gegen den Lehrerberuf, erklärte BLLV-Präsident Klaus Wenzel und nannte die Ursachen: Mangelnde Attraktivität des Lehrerberufs, deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten in der Wirtschaft und eine falsche Schwerpunktsetzung im Studium. Das, was die Studierenden im Lehramtsstudium vermittelt bekommen, orientiert sich mehr an den Bedürfnissen der Wirtschaft als an den Bedürfnissen des Lehrberufs an Gymnasien.
Ein Beispiel: Von dem Studienjahrgang 2001 mit Mathematik in der Fächerkombination waren am Ende der Studienzeit nur noch 128 vorhanden - das ist weniger als die Hälfte, denn 273 hatten angefangen. Wenzel forderte, die Stagnation in der gymnasialen Lehrerbildung zu durchbrechen. Weil die Anforderungen, die moderner Unterricht an Lehrkräfte stellt, enorm gestiegen sind, müssen angehende Gymnasiallehrer/innen darauf vorbereitet werden. Es darf sich nicht länger nur alles um fachliche Inhalte drehen, im Mittelpunkt müssen vielmehr neue Lernmethoden oder didaktische Erkenntnissen stehen. An die Staatsregierung richtete er den Appell, die Attraktivität des Lehrerberufs auch durch entlastende Maßnahmen zu steigern.
Die Gymnasien platzen aus allen Nähten, die Klassen sind zu groß. Lehrer und Schüler finden sich in riesigen anonymen Schulbetrieben wieder. Die Unterrichtsbedingungen haben sich kontinuierlich verschlechtert. Die Gymnasien stehen vor einer Zerreißprobe: Einerseits sollen sie die steigenden Ansprüche erfüllen und das hohe Leistungsniveau halten, auf der anderen Seite fehlt das dafür erforderliche Personal an allen Ecken und Enden. Ausbaden werden das die Schüler - und die Lehrer, deren Belastung jetzt schon verantwortungslos hoch ist. Individuelle Förderung ist auf dieser Basis nicht möglich, kritisierte Wenzel.
Die Wirtschaft sucht bereits händeringend gut ausgebildete Fachkräfte.
Personal wird längst aus dem Ausland rekrutiert. Im Kampf um best ausgebildete Nachwuchskräfte zieht das Kultusministerium im Gymnasiallehramt den Kürzeren. Das ist eine Bankrotterklärung vorausschauender Schul- und Bildungspolitik, kritisierte Wenzel, zumal sich der massive Lehrermangel seit Jahren abgezeichnet. Bislang waren alle Versuche des Kultusministeriums, Seiteneinsteiger wie Diplom-Biologen, -Mathematiker oder -Physiker einzustellen, nicht erfolgreich. Sie kaschieren lediglich den Lehrermangel, betonte der BLLV-Präsident. Ohne ausreichende pädagogische und fachdidaktische Qualifizierung gelingt es nur in Ausnahmefällen, Bildungsinhalte nachhaltig und motivierend zu vermitteln. Nur professionelle Lehrerinnen und Lehrer können Begeisterung der Schüler/innen wecken.
Angesichts der nach wie vor unbefriedigenden Situation ist es mehr als fragwürdig, bayerische Gymnasien als Erfolgsmodell zu bezeichnen, stellte der BLLV-Präsident fest. Zu den Problemen, die der Mangel an qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern an Gymnasien nach sich zieht, kommt der massive Druck, der auf Schülern und Lehrern während ihrer gesamten gymnasialen Laufbahn lastet.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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