Schleichwerbung: Kritik an geplanter Kennzeichnung von Product Placement / Edda Müller: "Im Zeitalter des Zappings wirklichkeitsfremd"
(Berlin) - Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat die vom EU-Kulturministerrat vereinbarten Kennzeichnungsregeln für Product Placement kritisiert. Gemeinsam mit EU-Medienkommissarin Viviane Reding hatten die Kulturminister gestern in Berlin vereinbart, dass Product Placement nur im Vor- und Abspann gesponserter Sendungen genannt werden müsse. "Diese Regelung ist wirklichkeitsfremd", sagte vzbv-Vorstand Prof. Dr. Edda Müller. "Ausgerechnet die Kulturminister öffnen einer Art legalisierten Schleichwerbung im Fernsehen Tür und Tor."
Gegen den heftigen Widerstand von Verbraucherorganisationen hatte das EU-Parlament Ende vergangenen Jahres der Produktplazierung in Fernsehprogrammen grundsätzlich zugestimmt. Ausgenommen bleiben sollen Kinder- und Ratgebersendungen sowie Dokumentarfilme. Offen blieb bislang, wie Sendungen gekennzeichnet werden sollen, in denen für gezielt plazierte Produkte geworben wird. In der Diskussion waren bisher drei Modelle:
- Ein Hinweis, der immer dann eingeblendet wird, wenn das plazierte Produkt zu sehen ist.
- Ein alle 20 Minuten eingeblendeter Hinweis, dass die Sendung durch Product Placement finanziert wird.
- Eine Kennzeichnung im Vor- und Abspann der Sendung
Bei ihrem informellen Treffen in Berlin votierten die EU-Kulturminister jetzt für die dritte Lösung. Aus Sicht des vzbv ist dies die am wenigsten transparente Form der Kennzeichnung. "Im Zeitalter des Zappings sieht sich kein Fernsehzuschauer den Vor- oder Abspann an", sagte vzbv-Chefin Edda Müller. "Die EU-Kommission wollte Schleichwerbung im Fernsehen und jetzt bekommt sie sie auch."
Heftige Kritik übte Müller an EU-Medienkommissarin Viviane Reding. Für ihr Vorhaben, Product Placement freizugeben, hatte Reding vor allem mit der amerikanischen Konkurrenz auf dem europäischen Fernsehmarkt geworben. Durch Product Placement hätten beispielsweise US-Produktionen wie James Bond einen unangemessenen Vorsprung gegenüber europäischen Produktionen. "Es ist nicht nur widersprüchlich, sondern geradezu scheinheilig, wenn sich Frau Reding auf der Berlinale hinstellt und die hervorragende Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Films feiert, sich aber gleichzeitig mit dem Hinweis auf eine angeblich unzureichende Wettbewerbsfähigkeit eben dieser Branche für Product Placement stark macht."
Müller bezeichnete die Ergebnisse des Kulturministerrats als enttäuschend. "Wo bleibt der Anspruch der Kulturminister, sich für einen Qualitätswettbewerb und hohe kulturelle Standards einzusetzen?"
Quelle und Kontaktadresse:
vzbv Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.
Pressestelle
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