Pressemitteilung | Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)
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Schülertests befördern nur das Büffeln

(Berlin) - „Der VBE sieht mit Sorge, dass derzeit eine nachhaltige Bildungsreform verwechselt wird mit überhastetem Abkupfern von Testmethoden anderer PISA-Länder“, warnte heute (28. Februar 2007) auf der Kölner Bildungsmesse didacta Ludwig Eckinger, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE).

„PISA legte für Deutschland systemische Bildungsungerechtigkeit offen. Wir stärken den Bildungsstandort Deutschland nicht, indem wir blindwütig internationalen Trends hinterherrennen“, sagte Eckinger weiter. Es gäbe inzwischen Bildungsstandards, einen ersten nationalen Bildungsbericht und eine Latte von anstehenden internationalen und länderübergreifenden Vergleichen und Tests. Außerdem würden Schulrankings in Aussicht gestellt. Es werde gemessen, was das Zeug halte. „Schulen wollen aber nicht Maß genommen werden“, unterstrich Ludwig Eckinger. „Schulen wollen sich vergleichen können, ihre Stärken und Schwächen erkennen, sich ganz auf ihre Schülerinnen und Schüler einstellen können. Eine Kultur des Fehler-Machen-Dürfens ist in Deutschland nicht entwickelt.“

Eckinger befürchtet, die Testeritis befördere lediglich die Kultur des Büffelns und nicht die Kultur des Sich-Anstrengens. Auch seien die Bildungsstandards bisher nicht als Förderinstrumente ausgelegt, sondern eher als Hürden, über die die Schüler zu springen hätten, um weiterzukommen. Der VBE-Bundesvorsitzende kritisierte: „Der äußeren Form nach, geben sich die Länder internationaler ‚Modernität’ hin, aber bei genauerem Hinsehen besteht die Gefahr, dass die systemischen Schwächen, also die Bildungsbenachteiligung der Kinder aus unteren sozialen Schichten, gestärkt wird.“ Nach den Tests beginne die eigentliche Arbeit für die Bildungspolitik, so Eckinger. „Es müssen für alle Schulen verlässliche Unterstützungssysteme geschaffen werden. Auf diese Idee ist aber noch kaum jemand gekommen.“

Der VBE-Bundesvorsitzende empfahl in Köln, Trends in PISA-Ländern wie Kanada, Japan oder England kritischer zur Kenntnis zu nehmen. In Kanada hätten die Kolleginnen und Kollegen große Sorgen, dass sie nur noch als Testmaschinen vom Staat gefragt seien. Ein engmaschiges Testnetz überziehe die schulische Arbeit. Mehr und mehr würde der öffentliche Fokus auf das Abschneiden der Einzelschule und das daraus folgende Schulranking gelegt. Pädagogische Qualität würde auf Messbares reduziert. Gleichzeitig würden Schulen geschlossen, Klassen vergrößert und Lehrerinnen und Lehrer, die auf diese Weise überzählig würden, durch Regierungen in Provinzen (z.B. British Columbia) mit Abfindungen aus dem Beruf gedrängt.

In Japan steige die Zahl von Schülerselbstmorden. Der Erfolgsdruck und die Angst zu scheitern, seien so groß, dass junge Menschen aus ihrem Leben flüchteten oder sich in Aggressionen gegenüber Mitschülern und Lehrern Luft machten.

In England würden Schulen Musik-, Kunst- oder Sportunterricht in die Schulpausen verschieben, um in der regulären Unterrichtszeit mehr Raum für das Üben von Tests zu haben. Schulleiter sähen sich heftigsten öffentlichen Druck ausgesetzt, wenn ihre Testergebnisse unterdurchschnittlich seien. Es drohten Mittelkürzungen bis zur Schulschließung, wenn die Lehrerinnen und Lehrer nicht schnell genug Verbesserungen vorweisen könnten.

Quelle und Kontaktadresse:
Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE) Pressestelle Behrenstr. 23-24, 10117 Berlin Telefon: (030) 7261966-0, Telefax: (030) 7261966-19

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