Pressemitteilung | Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) - Bundesvorstand
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Schuld für das Ausbildungsdebakel nicht jungen Menschen in die Schuhe schieben

(Berlin) - Zur Ausbildungssituation erklärten die stellvertretende DGB Vorsitzende Ingrid Sehrbrock und IG Metall Vorstandsmitglied Regina Görner am Mittwoch, 21. Juni 2006, in Berlin:

„Die Lage am Ausbildungsmarkt spitzt sich auch in diesem Jahr weiter zu. Die rechnerische Lücke zwischen Nachfrage und Angebot liegt derzeit bei 275.000 Plätzen. Nahezu jeder zweite Bewerber sucht schon seit mehr als einem Jahr eine Lehrstelle. Die Zahl derjenigen, die mit Warteschleifen und schulischen Angeboten abgespeist werden, wird in diesem Jahr vermutlich höher sein als die Zahl derer, die einen betrieblichen Ausbildungsplatz bekommen. Das ist das Ergebnis des sogenannten Ausbildungspaktes. Nur noch 23 Prozent der Betriebe bilden aus. 1980 waren es noch 35 Prozent. Dreiviertel aller Betriebe bedienen sich also aus der Ausbildung anderer.

Die Paktpartner wie der DIHK, die sich heute in Berlin zum neuerlichen Schönreden treffen, schieben die Schuld für das Debakel anderen zu: zum Beispiel den angeblich nicht ausbildungsfähigen jungen Menschen. Die Ursachen des Problems liegen anderswo, und sie können nicht dadurch bekämpft werden, dass man die jungen Menschen oder die Schulen zu Sündenböcken macht. Die Bereitschaft der Betriebe auszubilden – und erst recht über Bedarf auszubilden - wird erst dann zunehmen, wenn die Kosten dafür gerecht verteilt werden. Dafür brauchen wir Umlagesysteme. Nur eine gesetzliche Umlage kann das Problem bei den Wurzeln packen. Aber auch jede Branchenumlage wäre ein deutlicher Fortschritt. Die Baubranche beweist mit ihrem branchenbezogenen Umlageverfahren seit über dreißig Jahren wie trotz sinkender Beschäftigungszahlen auf hohem Niveau ausgebildet wird. Zumindest sollten die ausbildenden Betriebe von den Ausbildungs- und Prüfungsgebühren der Kammern durch eine Umlage entlastet werden. Der DGB und die IG Metall fordern diese „kleine Umlage“ bereits seit langem.

Als Mitglieder des Innovationskreises Berufliche Bildung beim Bundesministerium für Bildung und Forschung haben wir am Montag ein Diskussionspapier vorgelegt, das ausbildungsbegleitende Hilfen für Betriebe als vordringlich nennt. Es kann nicht sein, dass man erst schlechte Noten nachweisen muss, ehe solche Hilfen zur Verfügung stehen. Außerdem sollten mehr Betriebe sozialpädagogische Begleitung für junge Menschen mit besonderem Förderbedarf in Anspruch nehmen können. Dies wird zum Beispiel im Saarland erfolgreich praktiziert. Die duale Berufsausbildung hat gerade für junge Menschen, die sich mit dem Lernen schwer tun, einen hohen pädagogischen Wert: Viele, die in der Schule scheitern, entfalten in der Berufsausbildung erstaunliches Potenzial. Statt über Defizite zu klagen, sollten die Betriebe diesen jungen Menschen echte Chancen bieten.“

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesvorstand Hilmar Höhn, Leiter, Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin Telefon: (030) 24060-0, Telefax: (030) 24060324

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