Pressemitteilung | Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
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Schulen müssen im Dorf bleiben / Erhalt von Schulen in der Region ist von existentieller Bedeutung / BLLV fordert jedoch klare Rahmenbedingungen für jahrgangskombinierte Klassen

(München) - Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) ist der Auffassung, dass dem Erhalt von Schulen in der Region höchste Priorität eingeräumt werden muss. „Bildungsangebote vor Ort zählen zu den ausschlaggebenden Standortfaktoren“, erklärte BLLV-Präsident Albin Dannhäuser zur heutigen (18. Oktober 2006) „aktuellen Stunde“ im Landtag, bei der um den Erhalt von Schulstandorten auf dem Land ging. Aufgrund der demografischen Entwicklung stehen inzwischen auch viele Grundschulen vor dem Aus. Zweifelsfrei lassen sich mit sog. jahrgangskombinierten Klassen Schulstandorte sichern. Dannhäuser stellte jedoch klar: „Ein pädagogischer Fortschritt sind kombinierte Klassen nur dann, wenn sie personell angemessen ausgestattet werden. Das ist bislang aber nicht der Fall.“ Jahrgangskombinierte Klassen eins bis vier hält der BLLV unter den gegebenen Schulstrukturen für äußerst fragwürdig. „Der Übertrittsdruck ist spätestens ab der dritten Klassen so groß, dass er alles überschattet. Die Gefahr wäre sehr groß, dass jüngere Mitschüler/innen deutlich darunter zu leiden hätten.

„Es ist höchste Zeit, pragmatisch zu handeln“, betonte Dannhäuser und wies auf die zentrale Bedeutung eines flächendeckenden Schulangebots mit hohem Qualitätsstandard in Bayern hin: „Wenn Schulkinder jeden Tag in Bussen kilometerweit zur Schule gekarrt werden, verlieren sie die Bindung an ihren Heimatort. Die Gefahr ist groß, dass sie keine soziale und kulturelle Identität entwickeln können.“ Ziel muss es deshalb sein, Bildungsangebote wohnortnah aufrecht zu erhalten. Dafür brauchen Gemeinden jedoch mehr Handlungsspielraum und Eigenverantwortung. „Es muss gelingen, Kirchturmpolitik beiseite zu legen. Überall dort, wo Schulen in ihrem Erhalt bedroht sind, müssen Konzepte erarbeitet werden, die den Anforderungen der betroffenen Gemeinden gerecht werden und neue organisatorische Schulformen ermöglichen, dazu müssen auch Lösungen erarbeitet werden können, die Kooperationen mit verschiedenen Schularten einschließen. Überall dort, wo sie gewünscht werden, sollten sie vom Kultusministerium genehmigt werden. Kooperationen sind besser als Schulschließungen.“

Ein Weg zum Erhalt von Grundschulen liegt auch in der Zusammenlegung von jahrgangsgemischten Klassen. „Der BLLV ist offen für diese Lösung, denn jahrgangskombinierte Klassen können auch aus pädagogischer Sicht durchaus wertvoll sein“, erklärte Dannhäuser, erteilte gleichzeitig aber Überlegungen jahrgangsgemischte Grundschulklassen eins bis vier zu bilden, eine klare Absage: „Jahrgangsgemischte Klassen, in denen Schüler der Klassen eins bis vier unterrichtet werden sollen, können angesichts des massiven Übertrittsdrucks an Grundschulen nicht funktionieren. Ab der dritten Klasse dreht sich an den Grundschulen alles um Leistung und Noten. Die Gefahr ist groß, dass jüngere Schüler nicht angemessen gefördert werden können.“

Bei gleich bleibend dünner Personaldecke würde die Einführung von Kombiklassen jedoch zu einer weiteren Verschlechterung der Lern- und Arbeitsbedingungen an Grundschulen führen. Nach Auffassung des BLLV sind pro kombinierter Klasse mindestens zehn zusätzliche Lehrerstunden erforderlich, wie diese in den Modellversuchen zur Verfügung gestellt wurden. Ferner dürften diese Klassen nicht mehr als 25 Schüler umfassen.

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV) Andrea Schwarz, Pressereferentin Bavariaring 37, 80336 München Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155

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