Sehrbrock: Haben Arbeitgeber Angst vor mündigen Praktikanten?
(Berlin) - Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock hat den DIHK-Präsidenten Ludwig Georg Braun aufgefordert, sich rechtlichen Klarstellungen zum Praktikanten-Verhältnis nicht in den Weg zu stellen. "Wenn Herr Braun wirklich den Missbrauch von Praktikantinnen und Praktikanten als unbezahlte Arbeitskräfte ablehnt, dann sollte er seine Drohkulissen schleunigst wieder abbauen," sagte Sehrbrock am Dienstag (2. Dezember 2008) in Berlin.
Braun hatte mit dem Wegfall von jährlich 100.000 Praktikantenstellen gedroht, wenn das Bundesarbeitsministerium seine Pläne zur rechtlichen Absicherung von Praktikantinnen und Praktikanten umsetze. "Politisch gewollt sind Selbstverständlichkeiten: eine gesetzliche Definition als Lernverhältnis, ein schriftlicher Vertrag, eine Beweislastverteilung im Konfliktfall und eine Ausweitung der Ausschlussfristen für Klagen. Ich frage mich, was die Arbeitgeber zu verbergen haben, wenn sie diese Minimalforderungen so sehr fürchten," so Sehrbrock.
Laut DIHK-Umfrage geben sogar 7,5 Prozent der Unternehmen an, Praktikantinnen und Praktikanten bei Personalengpässen einzusetzen, 3,3 Prozent wollen mit ihnen die Personalkosten senken. "Das ist Personalpolitik mit der Zitronenpresse. Gefragt sind vielmehr qualifizierte Berufseinstiegsprogramme, die anständig bezahlt werden und reguläre Anstellungen", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende.
Darüber hinaus behauptet der DIHK:
Das BMAS plane, dass künftig die Unternehmen im Konfliktfall vor Gericht beweisen müssten, Praktikanten nicht unzulässig als Arbeitskraft eingesetzt zu haben. Angeblich schrecke diese Beweislastumkehr viele Unternehmen. Fakt ist:
Im Streitfall müssen beide Seiten - Unternehmen und Praktikanten - nachweisen, ob es sich um ein Praktikum handelt oder nicht.
Der DIHK behauptet:
81,4 Prozent der Unternehmen sehen in Praktika von Hochschulabsolventen eine Chance für einen Berufseinstieg.
Fakt ist: Nur 19 Prozent der Absolventenpraktikanten werden nach dem Studium angestellt (repräsentative BMAS-Studie).
Der DIHK behauptet:
Den Studierenden fehlt die Praxiserfahrung.
Fakt ist:
87 Prozent von ihnen machen während ihres Studiums Praktika (DGB-Studie "Generation Praktikum" www.dgb-jugend.de).
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesvorstand
Axel Brower-Rabinowitsch, Leiter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin
Telefon: (030) 24060-0, Telefax: (030) 24060-324
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