Signal vom Deutschen Naturschutztag: Natur wiederherstellen statt ausbremsen
(Berlin) - Anlässlich des Deutschen Naturschutztages warnt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) vor politischen Bestrebungen, die europäische Wiederherstellungsverordnung (WVO) auszubremsen und fordert Bund und Länder auf, die Umsetzung entschlossen voranzubringen.
„Wer jetzt die Wiederherstellung unserer Natur infrage stellt, ignoriert nicht nur die ökologische Realität, sondern auch den klaren Willen der Bevölkerung. Europas Natur steckt in einer historischen Krise und dieses Gesetz ist eines der zentralen Instrumente, um sie zu stoppen“, erklärt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger mit Blick auf Kritik etwa des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der das Vorhaben als unzumutbare Belastung bezeichnet hatte. „Die Wiederherstellungsverordnung ist keine Bedrohung für Land- und Forstwirtschaft, sondern im Gegenteil eine Investition in ihre Zukunft. Gesunde Böden, intakte Moore und artenreiche Landschaften sichern langfristig Erträge, Wasserhaushalt und Klimaresilienz. Ohne sie gerät auch unsere Landnutzung unter Druck.“
Mehr als 80 Prozent der Lebensräume in Europa befinden sich in einem schlechten Zustand. Für den NABU ist die EU-Verordnung daher kein optionales Umweltprojekt, sondern dringend notwendige Reparaturarbeit an den Grundlagen unserer Lebensqualität. „Naturwiederherstellung ist keine Belastung für Wirtschaft und Landwirtschaft, sondern eine nachhaltige Investition in unsere Heimat, in stabile Ernten, sauberes Wasser und wirksamen Klimaschutz“, so Krüger.
Investition in Natur, Klima und Wirtschaft
Die Verordnung bietet die Chance, geschädigte Ökosysteme in allen EU-Mitgliedsstaaten schrittweise zu renaturieren, etwa Moore, Flüsse, Wälder, Meeresgebiete und Agrarlandschaften. Davon profitieren Klima, Artenvielfalt und Wirtschaft gleichermaßen: Renaturierte Moore speichern große Mengen CO₂, naturnahe Flüsse verringern Hochwasserrisiken, vielfältige Agrarlandschaften stärken Böden und Bestäuber.
Auch internationale Analysen unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung intakter Ökosysteme. Ein aktueller Bericht des World Economic Forum nennt Extremwetter und den Verlust der biologischen Vielfalt als zentrale Risiken für die Welt- und Finanzwirtschaft. Der Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) zeigt in seinem jüngsten Bericht zudem auf, wie stark Unternehmen weltweit von funktionierenden Ökosystemen und stabilen Naturressourcen abhängig sind. „Die Botschaft ist eindeutig: Naturverlust ist längst ein wirtschaftliches Risiko. Wenn Böden degradieren, Bestäuber verschwinden und Extremwetter zunimmt, geraten auch Lieferketten, Landwirtschaft und wirtschaftliche Stabilität unter Druck“, sagt Krüger. „Die Wiederherstellung der Natur ist deshalb nicht nur Umweltpolitik, sondern auch eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft.“
Breite Unterstützung für WVO in der Bevölkerung
Die Bevölkerung in Deutschland unterstützt die Wiederherstellung der Natur mit großer Mehrheit. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des NABU aus dem Jahr 2025 zeigt, dass rund 85 Prozent der Menschen in Deutschland das EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur befürworten. Etwa drei Viertel der Befragten wünschen sich zudem mehr politischen Einsatz für dessen Umsetzung.
„Die Bevölkerung ist längst weiter als manche Regierung. Die Menschen wissen: Natur tut uns gut und ohne gesunde Natur gibt es weder Ernährungssicherheit noch wirtschaftliche Stabilität“, sagt Krüger.
Selbst in Bundesländern mit besonders kritischen Landesregierungen unterstützt eine klare Mehrheit die Ziele der Verordnung. In Bayern sprechen sich beispielsweise 83 Prozent der Befragten für das Gesetz aus.
NABU bringt sich beim Deutschen Naturschutztag ein
Beim Deutschen Naturschutztag in Berlin vom 11. bis 14. März bringt der NABU seine Expertise zur Umsetzung der europäischen Wiederherstellungsverordnung in zentrale Fachdebatten ein.
Am Mittwoch moderiert Dr. Raphael Weyland vom NABU-EU-Büro in Brüssel im Fachprogramm „Wiederherstellung der Natur“ eine Diskussion zur rechtlichen Umsetzung und zum nationalen Wiederherstellungsplan.
Am Donnerstag nimmt Sven Selbert für den NABU an der Podiumsdiskussion „Vom Plan zur Praxis: Wie gelingt die Wiederherstellung von Wäldern?“ teil, wo es um die Chancen und Möglichkeiten der Renaturierungsziele geht.
Der NABU fordert Bund und Länder auf, die Umsetzung der Verordnung konstruktiv voranzubringen und die Chancen für Klimaresilienz, Artenvielfalt und nachhaltige Landnutzung zu nutzen.
Quelle und Kontaktadresse:
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), Charitéstr. 3, 10117 Berlin, Telefon: 030 284 984-0
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