Pressemitteilung | Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

Sommer: Die Wirtschaft hat ihr Ausbildungsversprechen gebrochen

(Berlin) - Zu der am 9. Oktober veröffentlichen Statistik zum Ende des Berufsbildungsjahres erklärt der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer:

"Die deutsche Wirtschaft hat ihre im Frühjahr gegebene Ausbildungsplatzzusage gebrochen. Die Lobby der deutschen Wirtschaft versucht nun schön zu reden, was nicht schön zu reden ist. Die Statistik der Bundesanstalt für Arbeit lässt keine Zweifel offen: Im Vergleich zum September 2002 ist die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze um knapp 41.000 oder 7,8 Prozent zurückgegangen. Damit ist der Anteil der jungen Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz in einem Betrieb bekommen haben, auf 47 Prozent (Vorjahresmonat: 48,9 Prozent, September 2001: 52,3 Prozent) gefallen.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind damit rund 50 Prozent mehr Jugendliche ohne einen Ausbildungsplatz. Im September 2002 waren es noch knapp 23.900 Jugendliche, in diesem Jahr haben sich 35.000 Jugendliche vergeblich um einen soliden Start in das Berufsleben beworben. Dramatisch hoch ist der Anteil der Jugendlichen, die in der Statistik der Arbeitsämter als "sonstige Erledigung" geführt werden: Danach wurden 174.000 junge Menschen in Warteschleifen wie Betriebspraktika oder das freiwillige soziale Jahr geschickt. Aufgrund des Ausbildungsversagens der Wirtschaft haben diese jungen Menschen extrem schlechte Startchancen im Berufsleben.

Diese Zahlen sind für mich kein Anlass zur Beruhigung, sondern ein Skandal. Denn damit droht sich die Zahl junger Menschen ohne Ausbildung massiv zu erhöhen. Insgesamt sind schon 600.000 junge Menschen bis 25 Jahre ohne Berufsausbildung. Sie haben schon heute extreme Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden. Das ist eine massive Verletzung der Chancengerechtigkeit, die mittelfristig auch eine schlimme Verteilungsungerechtigkeit zur Folge haben wird.

Für die Gewerkschaften steht damit fest: Die Bundesregierung muss jetzt handeln. Wir brauchen ein gesetzliches Umlageverfahren, das ausbildende Betriebe entlastet und die Trittbrettfahrer in der Wirtschaft dafür finanziell in die Haftung nimmt. Vorrang vor einer gesetzlich geregelten Umlage sollen aber tarifliche- und Branchenvereinbarungen haben. Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie noch im Oktober einen entsprechenden Gesetzentwurf im Bundestag einbringt.

Befürchtungen, das Umlageverfahren werde zu einer Verstaatlichung der Berufsausbildung führen, sind absurd. Das Modell des DGB wirkt gerade der schleichenden Verstaatlichung der Berufsausbildung entgegen, in dem es die Betriebe in die Pflicht nimmt.

Natürlich kann eine Ausbildungsumlage erst im kommenden Jahr die Lage auf dem Ausbildungsmarkt verbessern. In diesem Jahr werden der DGB und die Gewerkschaften sowie die Betriebsräte sehr intensiv daran mitarbeiten, dass so viele junge Menschen wie möglich noch eine Ausbildungsstelle finden. Aus der politischen Verantwortung werden wir deshalb die Arbeitgeber und ihre Spitzenverbände nicht entlassen."

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin Telefon: 030/24060-0, Telefax: 030/24060-324

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