Pressemitteilung | VhU - Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. - Hauptgeschäftsstelle
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Sozialministerium und VhU stellen Buch “Erfolgsfaktor Familienfreundlichkeit“ vor

(Wiesbaden/Frankfurt) - Sozialministerin Lautenschläger: “Wer Flexibilität von Mitarbeitern erwartet, muss auch Familienfreundlichkeit bieten. Bessere familienpolitische Rahmenbedingungen sind auch für Männer attraktiv!“ VHU-Präsident Weidemann: “Hessische Wirtschaft treibt Mentalitätswandel voran.“ Tagesmütternetzwerke, Kindergarten- und Hortplätze sind der Renner.

Der Zeitpunkt ist günstig zum Dialog zwischen Familien- und Wirtschaftsinteressen. Es ist die Aufgabe moderner Familienpolitik, Rahmenbedingungen zu schaffen in denen Elternsein mit einem auskömmlichen Berufsleben vereinbar ist. Vor dem gleichen vor allem demographischen Hintergrund wächst die Erkenntnis in der Wirtschaft, dass sie durch familienfreundliche Unternehmensstrukturen profitieren kann. „In Gesellschaft und Wirtschaft muss ein Kulturwandel stattfinden. Wer Flexibilität von Mitarbeitern erwartet, muss auch Familienfreundlichkeit bieten“, erklärte die Hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger in Wiesbaden. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie werde immer wichtiger: „im Sinne der Familien, als Wettbewerbsfaktor für die einzelnen Unternehmen und als Wachstumsfaktor für die Volkswirtschaft insgesamt.“

„Wer sich auf dem enger werdenden Beschaffungsmarkt für Fach- und Führungs­kräfte früh als familienfreundliches Unternehmen positioniert, wird mit Erfolg belohnt“, so VhU-Präsident Prof. Dieter Weidemann. „Für die familienfreundlich fortschrittli­chen Unternehmen hat sich das Thema längst von einem weichen Sozialthema zu einer Gestaltungsaufgabe gewandelt, sich wettbewerbsfähig zu halten.“

Diese Überzeugung brachte Hessens Sozialministerin, den Präsidenten der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände Weidemann, familienfreundliche hessische Unternehmen, die Arbeitgeberverbände Hessen Chemie und Hessen Metall sowie die hessenstiftung – familie hat zukunft in einem Gemeinschaftsprojekt zusammen. Mit dem heute präsentierten Buch „Erfolgsfaktor Familienfreundlichkeit“, das zahlreiche Handlungsleitfäden für Unternehmer, Personaler, Führungskräfte und Mitarbeiter enthält, wollen die Herausgeber den Erfahrungsaustausch fördern, immer noch vorhandene Ängste auf Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite verringern und Wege aufzeigen, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelingen kann. Das Buch basiert auf einer Umfrage unter 114 Führungskräften in 60 Unternehmen vor allem der hessischen Chemie- und Metall- und Elektro-Branche.

VHU-Präsident Weidemann wies darauf hin, dass die vielen an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen sowie die zahlreichen Bewerber für den Sonderpreis Familienfreundlichkeit des Wettbewerbs Hessen-Champions 2007 zeigten deutlich, dass schon viele hessische Unternehmen den Nutzen verstanden hät­ten. 80 Prozent der Führungskräfte schätzten Familienfreundlichkeit als wichtiges Zukunfts­thema ein. 90 Prozent sähen Bedarf an familienfreundlichen Regelun­gen. 91 Prozent hielten ihre Mitarbeiter wegen ihrer fachlichen und sozialen Kompetenz für nicht leicht zu ersetzen. 96 Prozent erwarteten durch familienfreundliche Maßnahmen Verbesserungen für Image und Motivation. Daher könne man noch zögernden Unternehmen nur empfehlen, zügig von der Überzeugung zur Tat zu schreiten. Bis maßgeschneiderte Lösungen für betriebliche Anfor­derungen und individuelle Bedürf­nisse überall vorhanden seien, dauere es - wie bei jedem Bewusstseinswandel - mindestens eine Generation. Für die familienfreundlich fortschrittli­chen Unternehmen habe sich das Thema längst von einem weichen Sozialthema zu einer Gestaltungsaufgabe gewandelt, sich wettbewerbsfähig zu halten.

Als „auffällig“ bezeichnete Sozialministerin Lautenschläger die Ergebnisse der Befragung zum Thema „Nutzung von familienfreundlichen Maßnahmen im Unternehmen“. Wenn Frauen familienfreundliche Arbeitszeitinstrumente wie Teilzeitarbeit in Anspruch nehmen, falle diese Entscheidung zumeist auf Verständnis in den Betrieben. Ein anderes Bild zeige sich bei den Männern. Hier dominierten negative Reaktionen. Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern und die partnerschaftliche Aushandlung von Familien- und Erwerbsarbeit könnten sich aber nur weiterentwickeln, wenn - neben die neuen Chancen der Frau im Beruf und Führungspositionen - auch die neue Rolle des Mannes als Partner im Haushalt und als Erzieher trete. Abhilfe kann hier aus Sicht der Führungskräfte eine stärkere firmeninterne Diskussion und ein deutliches Bekenntnis der Unternehmensleitung für eine gelebte familienfreundliche Kultur schaffen.

Für die in Frankfurt beheimatete Division Automotive Systems der Continental AG erläuterte Human Resources Managerin Carola Nennstiel-Koch die familienfreundlichen Programme des weltweit tätigen Automobilzulieferers. Neben flexiblen Arbeitszeiten, Teilzeit und Home­offices sowie einem Ferienheim am Bodensee unterstütze Continental insbesondere Mitar­beiterinnen mit Kindern unter drei Jahren durch eine Mitgliedschaft m bundesweit einmaligen Zusammenschluss mehrerer Firmen und Main-Taunus-Kreis-Kommunen mit einem Tages­mütterverband, dem Net e.V. Das Unternehmen finanziere die Qualifikation von Tagesmüt­tern. Mitarbeiter könnten sich aus einem Pool die passende Tagesfamilie aussuchen. Seit kurzem gebe es zwölf Plätze in einer standortnahen, privaten Bildungskindertagesstätte für Kinder von sechs Monaten bis drei Jahren. Continental beteilige sich an den Investitionsko­sten sowie mit 50 Prozent an den Betreuungskosten. Für kurzfristigen Ausfall der eigenen Kinderbetreuung bis ins Schulalter stehe eine sogenannte Notfall-Tagesmutter zur Verfü­gung, die zwei Plätze für Conti-Kinder reserviere. Neueste Projekte seien eine standortweite Kinderweihnachtsfeier und ein Baby-Willkommens-Paket für frischgebackene Eltern. „Fami­lienfreundliche Maßnahmen sind für die Attraktivität eines Arbeitgebers ein Wettbewerbs­vorteil. Deshalb engagieren wir uns hier besonders“, so Frau Nennstiel-Koch weiter. „Bei Neueinstellungen kann ein Service im Kinderbetreuungsbereich die Entscheidung für unsere Firma positiv beeinflussen. Junge Eltern können frühzeitiger in das Berufsleben zurückkeh­ren. Dies minimiert hohe Kosten für Personalneueinstellungen und Einarbeitung. Auch Wie­terbildungs­kosten für Rückkehrer/innen rentieren sich. Außerdem wächst die Mitarbeiter-Motivation und die Produktivität kann erhöht werden. Gleichzeitig lassen sich Fluktua­tions- und Krank­heitsquote senken. Natürlich dient Familienfreundlichkeit auch einem positiven Firmenimage und hat einen öffentlichen Werbeeffekt.“

„Das Pharma- und Chemieunternehmen Merck ist ein familienfreundliches Unternehmen. Dies wurde uns bereits in 2005 auch von offizieller Seite durch das Grundzertifikat zum Audit Familie und Beruf der gemeinnützigen Hertie-Stiftung bestätigt“, sagt Dr. Beatrix Wiesler, Senior Project Managerin Human Resources Marketing & IT. „Wir haben frühzeitig erkannt, dass Familienfreundlichkeit ein wichtiger Erfolgsfaktor ist.“ Merck garantiere seit 1853 seinen Mitarbeitern weitreichende Sozialleistungen. „Dies ist im Übrigen bereits seit dieser Zeit ar­beitsvertraglich verbrieft“, betont Wiesler. Aus dem Gedanken heraus: „Geht es dem Mitar­beiter und seiner Familie gut, fühlt er sich dem Unternehmen verbunden und kann sich stär­ker bei der täglichen Arbeit einbringen.“ Daraus haben sich bis heute zahlreiche Sozial­lei­stungen entwickelt: Flexible Arbeitszeiten, zahlreiche Teilzeitmodelle, Telearbeit auch wäh­rend der Elternzeit, eine eigene Tageselternvermittlung (seit 1992), Unterstützungsangebote zur Pflege von Angehörigen, das alles gibt es bei Merck schon lange. Aufgrund dessen, dass Merck seinen Mitarbeitern interessante Aufgaben anbietet, entschließen sich insbeson­dere höher qualifizierte Mitarbeiterinnen immer häufiger dazu, eher aus eigener Motivation als aus finanzieller Not heraus, früher nach der Geburt eines Kindes an den Arbeitsplatz zurück­zu­kehren und motiviert zu arbeiten. Während die Anzahl der Mitarbeiter in Elternzeit pro Jahr recht konstant bleibt, hat sich die Anzahl der Väter in Elternzeit 2007 stark erhöht. Dies ist besonders erfreulich“, sagt Wiesler. Und was kommt nach der Elternzeit? Diese Frage habe man sich beim Familienunternehmen Merck bereits vor 40 Jahren gestellt, und eine eigene Kindertagesstätte gegründet. Dort gibt es eine Krippengruppe mit 24 (+1 Not­platz) Kindern im Alter von 12 Monaten bis vier Jahre, zwei Kindergartengruppen mit je 18 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahre und zwei Hortgruppen mit je 20 Kindern vom 1. Schuljahr bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres. Insgesamt 100 Plätze stehen zur Verfügung. „Alle diese Punkte dienen in Zeiten steigenden Fachkräftemangels dazu, dass wir für viele junge, sehr gut ausgebildete Menschen als Arbeitgeber immer attraktiver werden“, freut sich Wiesler.

Quelle und Kontaktadresse:
Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. (VhU) Dr. Ulrich Kirsch, Leitung, Presse und Kommunikation Emil-von-Behring-Str. 4, 60439 Frankfurt am Main Telefon: (069) 95808-0, Telefax: (069) 95808-126

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