Standort Deutschland: Konjunktur gut, alles gut oder?
(Berlin) - 2006 kommt Deutschland erstmals seit fünf Jahren über eine minimale BIP-Wachstumsrate hinaus. Die Aussicht auf immerhin rund 2 Prozent scheint manchen wirtschaftspolitisch Verantwortlichen bereits in Sicherheit zu wiegen: Hohe Steuern und Arbeitskosten würden sich nicht auf die Beschäftigung auswirken so die Meinung. 2007 erhöht die Große Koalition die Steuern in noch nicht gekanntem Ausmaß, die Bruttoarbeitskosten werden durch Beitragssteigerungen bei Rente und Gesundheit zusätzlich belastet. Doch Achtung! Die Wirtschaftsbelebung ist vor allem auf den harten Sanierungskurs vieler Unternehmen bei brummender Weltkonjunktur zurückzuführen und weniger auf gute inländische Standortbedingungen. Eine DIHK-Umfrage bei mehr als 7.000 Industrieunternehmen zu ihren Auslandsinvestitionsplänen bestätigt dies:
Deutschland vergibt Wachstumschancen
Deutsche Industriebetriebe bauen ihre ausländischen Produktionsstätten und logistischen Netze 2006 noch stärker aus als in der Vergangenheit. Mehr als 40 Prozent planen einen Kapitaleinsatz außerhalb von Deutschland. Ursache für den Auslandsdrang ist in erster Linie die starke Expansion des Welthandels. Das macht für viele Unternehmen eine Produktion vor Ort oder zumindest den Aufbau von Vertrieb und Kundendienst notwendig. So weit, so gut. Doch 39 Prozent der im Ausland investierenden Unternehmen geben an, dass sie diese Investitionen bei besseren inländischen Standortbedingungen in Deutschland tätigen würden. In vier von zehn Projekten ersetzt also die Auslandsinvestition eine Kapitalverwendung im Inland.
Arbeitskosten, Steuern, Arbeits- und Tarifrecht: zu hoch, zu starr
Die wichtigsten Motive: 86 Prozent der Unternehmen antworten, dass sie bei geringeren inländischen Arbeitskosten die Ausgaben für ihre Auslandsinvestition im Inland verwenden würden. Immerhin 53 Prozent und damit der zweitgrößte Anteil geben an, dass das relativ inflexible deutsche Arbeits- und Tarifrecht den Ausschlag für das Ausland gibt. Ein fast ebenso wichtiges Motiv ist die hohe (Unternehmens-) Steuerbelastung in Deutschland: 46 Prozent der ansonsten zwischen den Standorten indifferenten Unternehmen nennen die Höhe der Steuersätze als Grund, nicht im Inland zu investieren.
Auslandsinvestitionen gleich Arbeitsplatzexport?
Unternehmen, deren Auslandsinvestitionen nicht im Inland hätten getätigt werden können, die also zur Markterschließung und durchdringung im Ausland investieren, planen fürs Inland 2006 einen Beschäftigungsaufbau. Solche Investitionen tragen zu einer Verbesserung am heimischen Arbeitsmarkt bei. Die Beschäftigungspläne der Betriebe allerdings, die aufgrund ungünstiger inländischer Standortbedingungen im Ausland investieren, deuten auf Personalabbau hin: Nur 13 Prozent planen eine Ausweitung ihres inländischen Personalbestands, 56 Prozent wollen mit konstanter Belegschaft produzieren, 31 Prozent verringern ihre inländische Beschäftigtenzahl. Das kostet Deutschland rund 50.000 Arbeitsplätze allein in diesem Jahr.
Wirtschaftspolitik muss ökonomische Wahrheiten akzeptieren
Für immerhin 39 Prozent aller im Ausland investierenden Industrieunternehmen geht der Aufbau von Kapazitäten im Ausland im Jahr 2006 mit einem Abbau an Arbeitsplätzen im Inland einher. Die Beschäftigungswirkung im Inland hängt also sehr wohl von der Höhe der Arbeitskosten und Steuern ab. Solange die Wirtschaftspolitik die von den Unternehmen angemahnten Standortnachteile nicht ausmerzt, ist zu befürchten, dass das gute Konjunkturjahr 2006 auf unbestimmte Zeit zur positiven Ausnahmeerscheinung wird.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
Ute Brüssel, Pressesprecherin
Breite Str. 29, 10178 Berlin
Telefon: (030) 203080, Telefax: (030) 203081000
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