Studie belegt: Wegfall der PV-Einspeisevergütung würde Solarausbau in Mehrfamilienhäusern gefährden
(Berlin) - Der Verband der Immobilienverwalter Deutschland warnt vor den Folgen der diskutierten Abschaffung der Einspeisevergütung für kleinere Photovoltaik (PV)-Anlagen. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) zeigt, dass insbesondere kleine und mittlere Mieterstromprojekte ohne diese Vergütung wirtschaftlich nicht mehr tragfähig wären. Die Streichung der Förderung würde den gerade erst angelaufenen PV-Ausbau in Mehrfamilienhäusern massiv ausbremsen.
Die IW-Studie im Auftrag von Green Planet Energy eG untersucht erstmals systematisch die Rentabilität von Mieterstrom- und Gebäudestrommodellen in verschiedenen Projektgrößen (8, 30 und 150 Wohneinheiten). Das Ergebnis ist alarmierend: Bereits im Status quo liegen die internen Verzinsungen vieler Projekte mit 1,1 Prozent (kleine Projekte) bis 5,4 Prozent (große Projekte) maximal knapp über der Rentabilitätsschwelle – diese liegt bei 2 bis 4 Prozent. Unter 2 Prozent werden Projekte i. d. R. nicht durchgeführt, erst ab 4 Prozent spricht man von einem lohnenden wirtschaftlichen Betrieb.
Ohne Einspeisevergütung sinkt die Wirtschaftlichkeit dramatisch. Kleine Projekte rutschen auf minus 2,5 Prozent, mittlere auf minus 0,1 Prozent. Nur große Projekte mit 150 Wohneinheiten erwirtschaften noch eine Rendite von 2,6 Prozent. Die Studie belegt damit eindeutig: Die Einspeisevergütung ist keine „Zusatzrendite", sondern ein unverzichtbarer Bestandteil tragfähiger Geschäftsmodelle.
Einspeisevergütung ist kein „Bonus", sondern Grundlage der Wirtschaftlichkeit
Von der diskutierten Streichung der Einspeisevergütung für Anlagen bis 25 Kilowatt-Peak (kWp) wären auch zahlreiche Mieterstrom- und Gebäudestromprojekte betroffen, gerade als sie begonnen haben, sich auf niedrigem Niveau zu etablieren. Alternative Vermarktungsmodelle könnten die Einnahmeausfälle nach Prognosen des IW Köln wohl nicht ausreichend kompensieren.
Falsches Signal zur falschen Zeit
„Die mögliche Abschaffung der Förderung stellt die Wirtschaftlichkeit des PV-Ausbaus im Mehrfamilienhaus grundsätzlich in Frage und gefährdet die Klimaneutralität im Gebäudebestand", kritisiert Martin Kaßler, Geschäftsführer des VDIV Deutschland. „Gerade in Zeiten, in denen uns aufgezeigt wird, wie relevant die Unabhängigkeit von Energieimporten wäre, könnte die Politik so ein falsches Signal senden. Wir können es uns nicht leisten, diese gerade anlaufende, positive Entwicklung im Keim zu ersticken."
Sollte die Abschaffung der Einspeisevergütung dennoch zur Umsetzung kommen, müssen wirksame Kompensationsmechanismen geschaffen werden. Die Studienautoren zeigen auf, dass bei größeren Projekten Verluste durch wegbrechende Einspeiseeinnahmen teilweise durch deutlich höhere Teilnehmerquoten ausgeglichen werden könnten. Auch eine Anhebung des Mieterstromzuschlags, um den Stromverbrauch vor Ort statt eine Netzeinspeisung zu fördern oder die Einführung eines Investitionskostenzuschusses als Alternative zur Einspeisevergütung könnten Optionen sein.
„Die Politik steht in der Verantwortung, den Ausbau erneuerbarer Energien durch gezielte Anreize zu beschleunigen. Wer den PV-Ausbau im Mehrfamilienhaus jetzt konterkariert, gefährdet Klimaziele und energetische Souveränität. Ohne wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen bleibt Mieterstrom in Mehrfamilienhäusern eine Nischenanwendung“, resümiert Kaßler abschließend.
Zum Hintergrund:
Mieterstrommodelle wurden 2017 eingeführt, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen und private Haushalte auch im Mehrfamilienhaus stärker an der Energiewende zu beteiligen. Mit der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (Gebäudestrom) kam 2024 ein alternatives Modell hinzu, das die Vermarktung von PV-Strom im Gebäude durch Wegfall der Vollversorgungspflicht erleichtert. Beide Modelle sind bisher von der gesicherten Vergütung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für Überschussstrom abhängig.
Quelle und Kontaktadresse:
Verband der Immobilienverwalter Deutschland e.V. (VDIV), Alexandra Karrasch, Referent(in) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Leipziger Platz 9, 10117 Berlin, Telefon: 030 3009679-0
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