"Trotz PISA und Co.: Länder stellen viel zu wenige Lehrkräfte ein" / Bildungsgewerkschaft legt "Lehrerarbeitsmarktbericht 2007" vor: Prognoselücke von 3.800 Lehrern
(Berlin) - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat vor zunehmendem Unterrichtsausfall, größeren Klassen und einer steigenden Belastung der Lehrerinnen und Lehrer gewarnt. "2007 haben die Länder 3.800 Lehrkräfte weniger eingestellt als von der Kultusministerkonferenz (KMK) in ihrer Bedarfsanalyse 2003 prognostiziert. Damit haben die Länder innerhalb von fünf Jahren eine Einstellungslücke von 17.400 Lehrern aufgerissen. Dabei haben die Ergebnisse von PISA und Co. in den vergangenen Jahren deutlich gemacht: Das deutsche Schulsystem muss qualitativ weiter entwickelt werden - und dafür brauchen wir mehr Pädagogen und nicht weniger", stellte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne mit Blick auf den heute (23. November 2007) von der Bildungsgewerkschaft in Berlin vorgestellten "Lehrerarbeitsmarktbericht 2007" fest. Dr. Kathrin Dedering und Dr. Frank Meetz haben die Studie in Nachfolge des Essener Bildungsforschers Prof. Klaus Klemm erstellt.
"Die Länder müssen bei ihrer Ausbildungs- und Einstellungspolitik endlich konsequent umsteuern: Die Untersuchung belegt, dass wir vor der paradoxen Situation der Gleichzeitigkeit von Lehrer-Mangel und -Arbeitslosigkeit stehen", sagte Thöne. "Für Mathe und Physik, an beruflichen und Hauptschulen sowie in manchen Regionen werden händeringend junge Lehrkräfte gesucht. Trotzdem haben 2007 rund 30.000 Bewerber keine Stelle erhalten!" Dies sei Folge des Diktats der angeblich leeren Kassen und eines ausufernden Bildungsföderalismus´. "Die Landesregierungen sind gut beraten, den jungen Pädagogen jetzt attraktive Einstellungsangebote zu machen. Wenn die Pensionierungswelle erst richtig rollt, steuern wir ungebremst auf einen gravierenden Lehrermangel zu. Darauf hat erst kürzlich die OECD-Studie `Bildung auf einen Blick´ noch einmal aufmerksam gemacht."
Besonders in den westlichen Bundesländern klaffe die Schere zwischen Prognose und realer Einstellungspolitik auseinander: Statt 24.000 Lehrkräften seien lediglich knapp 19.700 eingestellt worden. Die östlichen Länder hätten ihr Soll dagegen übererfüllt - allerdings auf äußerst niedrigem Niveau: Hier seien 1.530 statt der avisierten 1.400 Pädagogen eingestellt worden. "Ich appelliere an die Länder, endlich ausreichende Einstellungskorridore für junge Pädagogen zu schaffen. Denn wer den Einstieg in den Lehrberuf heute nicht schafft, wird sich in zwei Jahren anders orientiert haben. So verschleudern wir die Potenziale gut ausgebildeter Lehrkräfte und die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft", sagte Thöne.
"Die Sparkommissare in den (westlichen) Ländern sind für die Diskrepanz zwischen Bedarf und Einstellungspraxis verantwortlich. Kurzsichtig werden Haushaltslöcher zu Lasten von Lehrkräften, Schülern und Eltern gestopft", unterstrich Thöne. Die Landesregierungen hätten in den vergangenen Jahren auf dem Rücken der Lehrkräfte gespart. Sie böten immer häufiger unsichere Arbeitsverhältnisse an, verordneten längere Arbeitszeiten und setzten auf schlechtere Bezahlung bei gleichzeitiger Arbeitsverdichtung. "Dabei bleibt die Qualität von Bildung auf der Strecke: Schüler brauchen beispielsweise mehr individuelle Förderung und erweiterte Ganztagsangebote. Das klappt aber nur, wenn die Lehrkräfte mehr Zeit für die Kinder und Jugendlichen haben", betonte der GEW-Vorsitzende. In diesem Zusammenhang wies er auf die Unterfinanzierung des deutschen Bildungswesens hin. Um international wieder Anschluss zu gewinnen, müssten sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in die Bildung investiert werden.
Info: Die KMK hatte für 2007 25.000 Einstellungen prognostiziert. Eingestellt wurden jedoch nur 21.200 Lehrkräfte. Insgesamt sind seit 2003 statt der vorhergesagten 139.000 Pädagogen nur 121.600 eingestellt worden. Die Untersuchung von Dr. Dedering und Dr. Meetz finden Sie auf der GEW-Website unter http://www.gew.de/GEW_Trotz_PISA_und_Co._Laender_stellen_viel_zu_wenige_Lehrkraefte_ein.html.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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