Pressemitteilung | DWA - Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.

UNESCO-Studie zur Wasserqualität nicht nachvollziehbar / Deutsche Wasserwirtschaftler sehen ihre Leistungen nicht anerkannt

(Hennef) - Unzufrieden mit dem Anfang März 2003 veröffentlichten Wasserentwicklungsbericht der Vereinten Nationen “Wasser für Menschen, Wasser für Leben” zeigen sich die durch die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (ATV-DVWK) repräsentierten Fachleute und Institutionen. Deutschland war bei diesem Vergleich der Wasserqualität in 122 Ländern durch die UNESCO auf Platz 57 gekommen, während z. B. Bangladesh auf Platz 40 und Russland auf Platz 7 stehen. Die deutschen Wasserwirtschaftler halten die Aussagekraft der Studie für sehr zweifelhaft. Diese Einstufung eines Landes, dessen Gewässer überwiegend Güteklasse II und besser aufweisen und in dem nach den neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes (Stand 31. Dezember 2001) 95 Prozent der Einwohner an die öffentliche Kanalisation angeschlossen sind, könne nicht akzeptiert werden.

Datengrundlage unvollständig – Werte wurden geschätzt

Vor allem bemängeln die deutschen Wasserwirtschaftler die unvollständige und wenig durchsichtige Datengrundlage. Der Bericht beansprucht zwar, “die Entwicklung einer Zusammenstellung von Indikatoren für den Wassersektor” zu liefern, stützt sich aber in erster Linie auf einen allgemeinen “Environmental Sustainability Index” (ESI), in dem die Wasserqualität nur ein Indikator unter etwa 20 anderen ist. Als Datengrundlage dienen Zahlen aus einem “Global Environmental Monitoring System” von 1994 bis 1996 und aus dem im Jahr 2001 erschienen Buch “The Wellbeing of Nations” von Robert Prescott-Allen. Fehlende Daten wurden geschätzt.

Zur Beurteilung der Wasserqualität werden in dem UNO-Bericht vier Parameter herangezogen: die Konzentration an gelöstem Sauerstoff in Gewässern, die elektrische Leitfähigkeit (als Hinweis auf den Salzgehalt), der Gehalt an abfiltrierbaren Stoffen und die Phosphorkonzentration. Bei der Wasserqualität war die Datenlage besonders schlecht: Von 142 Ländern hatten 101 keine Werte für abfiltrierbare Stoffe, 100 keine für elektrische Leitfähigkeit, 94 keine Werte für Phosphor und 90 keine Werte für gelösten Sauerstoff. Dies reicht nach Überzeugung der deutschen Fachleute nicht aus als Basis für einen Ländervergleich.

Datenauswertung zweifelhaft

Zur Durchführung des weltweiten Rankings wurden von Deutschland wie oben dargestellt zum Teil ungeeignete Parameter der Gewässergüte-Messstellen der Bundesländer für ganz Deutschland gemittelt. Die Mittelung verschiedener Gewässer über das Gebiet eines ganzen Staats hinweg halten die Fachleute für wissenschaftlich völlig unzulässig und nicht aussagekräftig. Diese Vorgehensweise steht im Übrigen in krassem Widerspruch zur EG-Wasserrahmenrichtlinie. Ein Gebirgsbach etwa unterscheidet sich grundsätzlich stark von einem als Bundeswasserstraße genutzten großen Fluss. So darf der hohe Salzgehalt der Weser nicht für Deutschland zur Aussage führen, dass alle Gewässer bei uns einen hohen Salzgehalt aufweisen.

Die Experten bemängeln auch, dass kein Vergleich mit “Normzuständen” erfolgt, die je nach den ökologischen und geologischen Rahmenbedingungen schon von Natur aus sehr unterschiedlich sein können. Die hohe elektrische Leitfähigkeit eines Wassers beispielsweise kann auch auf einem geologisch bedingten hohen Carbonatgehalt beruhen. Die europäische Gesetzgebung trägt diesen Sachverhalten insofern Rechnung, als die EG-Wasserrahmenrichtlinie eine typspezifische Gewässerbewertung vorsieht.

Der gesamte Weltwasserbericht der UNO scheint daher in seinen Aussagen fragwürdig. Die deutschen Wasserwirtschaftler hoffen bei einer Neuauflage auf eine bessere Bewertung des in Deutschland zum Schutz der Gewässer Erreichten. Die ATV-DVWK bietet mit ihrem umfassenden Expertenwissen der UNESCO ihre Hilfe bei der notwendigen Überarbeitung der Studie an.

Informationen zum Verband

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, ATV-DVWK, ist in Deutschland Sprecher für alle übergreifenden Wasserfragen und setzt sich intensiv für die Entwicklung einer sicheren und nachhaltigen Wasserwirtschaft ein. Als politisch und wirtschaftlich unabhängige Organisation arbeitet sie fachlich auf den Gebieten Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall und Bodenschutz.

In Europa ist die ATV-DVWK die mitgliederstärkste Vereinigung auf diesem Gebiet und nimmt durch ihre fachliche Kompetenz bezüglich Normung, Bildung und Information der Öffentlichkeit eine besondere Stellung ein. Die rund 15 000 Mitglieder repräsentieren die Fachleute und Führungskräfte aus Kommunen, Hochschulen, Ingenieurbüros, Behörden und Unternehmen.

Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeiten liegt auf der Erarbeitung und Aktualisierung eines einheitlichen technischen Regelwerkes sowie der Mitarbeit bei der Aufstellung fachspezifischer Normen auf nationaler und internationaler Ebene. Hierzu gehören nicht nur die technisch-wissenschaftlichen Themen, sondern auch die wirtschaftlichen und rechtlichen Belange des Umwelt- und Gewässerschutzes.

Quelle und Kontaktadresse:
ATV-DVWK Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. Theodor-Heuss-Allee 17, 53773 Hennef Telefon: 02242/872 0, Telefax: 02242/872 135

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