Unfreiwillige Teilzeitarbeit betrifft besonders Frauen im Osten
(Berlin) - Auf der Tagung "Einfach nicht genug zum Leben - unfreiwillige Teilzeitarbeit und MiniJobs" der Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation mit dem DGB kritisierten die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock und das DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki am Mittwoch (27. Mai 2009) in Berlin die Ausbreitung unfreiwilliger Teilzeitarbeit sowie geringfügiger Beschäftigung. MiniJobs seien häufig "parzellierte Vollzeitarbeit" und müssten dringend in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt werden. Unfreiwillige Teilzeitarbeit müsse zurückgedrängt und Mindestlöhne eingeführt werden, um Armutslöhne und spätere Altersarmut zu vermeiden. "Als Sofortmaßnahme brauchen wir die Wiedereinführung der zeitlichen Obergrenze von 15 Stunden pro Woche bei MiniJobs", sagte Sehrbrock.
Es sei ein Irrglaube, betonte Matecki, dass die Mehrheit der Teilzeitbeschäftigten mit ihrem Job lediglich ein "Zubrot" verdienen wolle. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts belegten vielmehr, dass mehr als 60 Prozent der Teilzeitbeschäftigten den überwiegenden Lebensunterhalt aus eigener Erwerbstätigkeit bestreiten. Nur gut ein Viertel werde durch den /die PartnerIn unterstützt und zehn Prozent bezögen parallel Hartz IV, um über die Runden zu kommen.
Insbesondere ostdeutsche ArbeitnehmerInnen sind von unfreiwilliger Teilzeit betroffen: 16 Prozent (4,9 Millionen Personen) aller abhängig Beschäftigten in ganz Deutschland gingen im Jahr 2008 einer Teilzeitbeschäftigung mit einer Wochenarbeitszeit von 20 Stunden oder weniger nach. Doch während in Westdeutschland "nur" 17 Prozent der Teilzeittätigen keine Vollzeitstelle gefunden haben, trifft dies in Ostdeutschland auf rund 65 Prozent der befragten Teilzeitbeschäftigten zu. "Für die große Mehrheit der Betroffenen in Ostdeutschland ist Teilzeitarbeit offensichtlich eine Notlösung", sagte Matecki. Schlecht entlohnte Teilzeitarbeit und MiniJobs übten aber nicht nur Druck auf die Betroffenen aus, sondern auch auf das Lohngefüge aller Beschäftigten. "Auch die in dieser Krise so wichtige Binnennachfrage wird durch Niedriglöhne gedämpft - denn wer wenig verdient, kann nur wenig ausgeben."
"Mehr als zwei Drittel der geringfügig Beschäftigten sind Frauen", unterstrich Sehrbrock. "Sie werden wegen der geringen Stundenlöhne später mit kläglichen Renten konfrontiert sein und haben heute kaum eine Chance, in sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung zu kommen." Die Hoffnung, mit der Einführung der sog. MiniJobs eine Brücke in die reguläre Beschäftigung zu bauen, habe getrogen: Zwar lag die Beschäftigungsquote von Frauen im Jahr 2007 bei 64 Prozent, doch habe sich das Gesamtarbeitsvolumen nicht erhöht. "Mit anderen Worten: Nicht der Kuchen Arbeitsmarkt ist größer geworden, sondern die Anzahl derer, die davon ein Stück abhaben wollen und sich nun mit Krümeln zufrieden geben müssen", sagte Sehrbrock. Auch für Beschäftigte im Haushalt seien MiniJobs keine Erfolgsstory. Von geschätzten 3,8 Millionen Jobs seien nur rund 170 000 regulär bei der Minijobzentrale gemeldet.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesvorstand
Axel Brower-Rabinowitsch, Leiter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin
Telefon: (030) 24060-0, Telefax: (030) 24060-324
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