Pressemitteilung | Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)
Anzeige

VBE: Migranten für den Lehrerberuf gewinnen!

(Berlin) - „Die Bildungsbenachteiligung von Migranten in Deutschland wirkt sich bis in den Lehrerberuf aus“, erläuterte heute (28. September 2006) der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger auf einer Pressekonferenz in Berlin aus Anlass des bevorstehenden Weltlehrertages am 5. Oktober. Derzeit haben nach Schätzungen des VBE nur ein Prozent der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland einen Migrationshintergrund. Bei den Lehramtsstudenten sind es zwei Prozent. Eckinger betonte: „Dieser geringe Anteil bedeutet für die Lehrerschaft einen Erfahrungsverlust, die interkulturelle Dimension von Bildung und Erziehung zu gestalten.“ Unterschiedliche Sichten, geprägt durch unterschiedliche ethnische Herkunft, würden sich positiv darauf auswirken, mit pädagogischen Problemen kompetenter umzugehen.

„Es muss in Deutschland Normalität werden“, sagte Eckinger, „dass junge Menschen mit Migrationshintergrund sich für den Lehrerberuf entscheiden. Der VBE macht allen interessierten jungen Migrantinnen und Migranten Mut, den Lehrerberuf zu ergreifen.“ Der VBE sehe in dieser Frage die Kultusministerkonferenz in der Pflicht, sich diesem Problem zu stellen. „Erst als es in der Neuköllner Rütli-Schule lichterloh brannte und sich weitere Schulen outeten, suchten die Kultusminister plötzlich händeringend nach Pädagogen mit Migrationshintergrund und wurden nicht fündig“, so Eckinger weiter.

Entschieden sprach sich der VBE-Bundesvorsitzende aber gegen Vorstellungen von Kultusministern aus, Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund bevorzugt für Brennpunktschulen mit hohen Migrantenanteilen zu suchen. „Wir sind gegen ‚Gettolehrer’ für ‚Gettoschulen’“, stellte Eckinger klar. „Das würde die Abkopplung von Migranten im Schulsystem noch weiter verschärfen. Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund müssen für jede Schulart ausgebildet und entsprechend eingesetzt werden.“

Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund seien in Deutschland Exoten, kritisierte auch Saad Fidaoui von der Universität Lüneburg. Der ausgebildete Berufsschullehrer und wissenschaftliche Mitarbeiter im Bereich der Lehrerbildung betonte die „Mittlerfunktion von Lehrern mit Migrationshintergrund zwischen Lehrern, Schülern und vor allem ihren Eltern“. „Sie sind Rollenvorbilder, Übersetzer, Ansprechpartner und Vertraute.“ Sie seien Menschen, die Zwangsehen oder Ehrenmorde auf das Schärfste verurteilten und Schülern mit Migrationshintergrund eine Orientierung gäben, von der auch Mitschüler und andere Lehrer profitierten. Fidaoui unterstrich: „Das Fördern von Lehrern mit Migrationshintergrund sollte eine herausragende Stellung in einem bisher nicht vorhandenen Integrationskonzept der Regierung einnehmen.“
...
VBE-Bundesvorsitzender Ludwig Eckinger verwies darauf, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hätten. „Unter den Grundschülern sind dies bereits knapp 30 Prozent, in der Sekundarstufe I 26,7 Prozent. Quoten von mehr als 50 Prozent sind in vielen Stadtteilen Realität. Für das Bildungssystem bedeutet dies“, so Eckinger weiter, „dass es zu einem Großteil von kultureller, sprachlicher und religiöser Vielfalt geprägt ist, bislang aber wesentlich durch die Schülerschaft.“

Dagegen sei die Anzahl ausländischer Studierender mit deutscher Hochschulreife inzwischen wieder rückläufig, warnte VBE-Bundesvorsitzender Ludwig Eckinger. „Seit Mitte der 90er Jahre stieg die Zahl zunächst von 49.000 bis auf 66.000 im Jahr 2003/04, während 2004/05 ein Rückgang einsetzte auf 60.000 und 2005/06 auf 58.900. Der rückläufigen Tendenz eingeschriebener Bildungsinländer steht ein deutlicher Zuwachs an ausländischen Studierenden aus dem Ausland gegenüber. Auf einen Bildungsinländer kommen drei Bildungsausländer.“

Derzeit streben 3.233 ausländische Studierende mit deutscher Hochschulreife ein Lehramt an. 482 davon begannen im Wintersemester 2005/06 ihr Studium. 61 Prozent belegen die Kultur- und Sprachwissenschaften, 22 Prozent Mathematik und Naturwissenschaften, 11 Prozent Sport oder musische Fächer. ­

Quelle und Kontaktadresse:
Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE) Mira Futász, Pressereferentin Behrenstr. 23-24, 10117 Berlin Telefon: (030) 7261966-0, Telefax: (030) 7261966-19

Logo verbaende.com
NEWS TEILEN:

NEW BANNER - Position 4 - BOTTOM

Anzeige