Pressemitteilung | Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

VBE zur Regierungserklärung von Kanzler Schröder

(Berlin) - „Die Erklärung des Bundeskanzlers ist ein notwendiges klares Signal, dass der Bund die Kultushoheit der Länder respektieren will“, kommentiert der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) die Regierungserklärung und bekräftigt: „Die Entwicklung des Bildungsstandorts Deutschland muss als gesamtnationale Aufgabe wahrgenommen und darf nicht auf dem Altar von Bund-Länder-Konkurrenzen geopfert werden. Von den Ministerpräsidenten aller Länder braucht es aber ebenso ein klare Festlegung auf die politische Priorität des Bereichs Bildung und Erziehung.“ Eckinger verweist darauf, dass sich der Bildungsbereich in den meisten Ländern im Würgegriff der Finanzminister befindet. Der VBE stelle sich nicht gegen einen Wettbewerb der Länder. „Doch muss ein solcher Wettbewerb bewirken, dass in allen Ländern Schule besser wird und sich keine Nivellierung auf Mittelmaß einstellt. Alle Anstrengungen müssen darauf gerichtet werden, die sozialen Ausgangslagen der Lernenden nicht weiter durch das Bildungssystem zu verfestigen. “ Deshalb müssten vorschulische Bildung und Erziehung und das gemeinsame Lernen in der Grundschule deutlich aufgewertet werden, so Eckinger.

Eckinger hält die Forderung des Bundeskanzlers für einseitig, das Interesse an mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern zu stärken. „Vor die Spezialbildung setzt die Schule die Allgemeinbildung. Das muss bleiben“, betont der VBE-Bundesvorsitzende. „Hightech made in Germany wächst nicht auf hochgetourtem Schmalspurwissen. In der Schule müssen mutter- und fremdsprachliche, mathematisch-naturwissenschaftliche, gesellschaftlich-politische und musisch-ethische Bildung vermittelt werden. Die unterschiedliche Gewichtung in Kern- und ‚Nebenfächer’, wie sie auch in der Standarddiskussion Usus ist, führt längerfristig zur Aushöhlung des allgemeinbildenden Auftrags der Schulen. Das muss gestoppt werden.“

Die Entwicklung nationaler Bildungsstandards, die nicht schulartgebunden sind, befürwortet der VBE. Der Bundesvorsitzende warnt jedoch vor der Illusion, dass die Entwicklung und Einführung von Standards schon zu einer Verbesserung der Qualität des Schulsystems führen. „Standards werden ein Hilfsmittel sein und dürfen die Länder keineswegs von der Verantwortung entbinden, notwendige Rahmenbedingungen für pädagogische Arbeit in den Bildungseinrichtungen verlässlich zu sichern.“ Auch die Einführung von mehr Ganztagsschulen sollte nicht länger als Allheilmittel propagiert werden, betont Eckinger. „Das derzeitige Gezerre zwischen Bund und Ländern richtet mehr Schaden an als es nützt. Offenkundig werden in den Ländern Ganztagsschulkonzepte präferiert, die in Wirklichkeit auf Notlösungen hinauslaufen, aber mit pädagogisch konzipiertem Ganztagslernen nichts zu tun haben. Das ist tragisch, wenn diese Angebote vor allem für Kinder aus bildungsfernen Schichten hergerichtet werden. Dann droht eine zusätzliche Stigmatisierung.“

Quelle und Kontaktadresse:
Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE) Behrenstr. 23-24 10117 Berlin Telefon: 0228/959930 Telefax: 0228/378934

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