Pressemitteilung | Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
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Versagensangst ist schon bei Kindern groß / BLLV-Präsident Albin Dannhäuser fordert anlässlich der Zeugnisvergabe am Freitag, 16. Februar, eine neue Kultur des Lernens

(München) - „Schule im Jahr 2007 ist für viele Kinder und Jugendliche kein Ort des Wohlfühlens, sondern ein Ort der Konkurrenz, in dem sich nur die Leistungsstärksten behaupten - oder diejenigen, die zusätzliche Förderung erhalten.“ Diese Feststellung traf der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Albin Dannhäuser, anlässlich der bevorstehenden Vergabe der Zwischenzeugnisse am 16. Februar. „Bereits Schulanfänger wissen heute, dass ihre Zukunftschancen erheblich von ihren Schulzeugnissen abhängen. Die Angst zu versagen ist inzwischen bei Kindern groß. Viele brauchen Medikamente, um die Belastungen überhaupt bewältigen zu können.“ Dannhäuser forderte eine neue Kultur des Lernens und eine Schule, die Lebensraum statt Ausleseinstrument ist. „Es darf nicht länger so sein, dass Zeugnisse und Noten zum Tauschwert von Bildung verkommen

Dannhäuser bezeichnete es als „unerträglich, dass das Lernen an den Schulen weitgehend deformiert ist. Nicht der Zuwachs an Wissen und Können, nicht das Interesse und die Freude an Neuem sind für viele Schülerinnen und Schüler Ziel des Lernens. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Jagd nach guten Noten, Übertrit-ten und Berechtigungen.“ Auf diese Weise verkümmert das Lerninteresse und pervertiert das Bildungsverständnis. „Lernen wird flüchtiger und oberflächlicher. Sobald die Noten feststehen, wird der Stoff abgehakt.“

„Dagegen brauchen Schulen ein neues Lern- und Leistungsverständnis“, forderte Dannhäuser. Nötig ist ein radikales Umdenken. „Kinder und Jugendliche lernen nachhaltiger, wenn sie angeregt werden, Probleme selbst zu lösen, wenn sie ihren Lernprozess selbst regulieren. Vor allem muss das Lernen frei sein von Versagensängsten.“ Es sollte selbstverständlich sein, dass Kinder und Jugendliche Fehler machen dürfen. „Leistungsbereitschaft entwickelt sich durch Ermutigung und Anerkennung, nicht durch Enttäuschung und Ablehnung. Lernerfolg wächst aus Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, nicht aus Versagensängsten und Verunsicherung.“

Für viele Schülerinnen und Schüler spitzt sich die Versagensangst um den Zeugnistag herum zu. Schlechte Noten werden in der Regel nicht als Ansporn, sondern als persönliche Abwertung empfunden. Dabei sagen Noten relativ wenig über den Lernfortschritt eines Heranwachsenden aus. Lehrerinnen und Lehrer wissen dies, müssen ihre Schüler aber unentwegt bewerten. Sie haben jedoch wenige Möglichkeiten, ihre Schüler bei festgestellten Defiziten entsprechend zu fördern. Das frustriert Lehrer wie Schüler gleichermaßen.

„Letztlich sind alle, die mit Schule zu tun haben, Opfer des Systems, das radikal aussortiert und ‚gute’ wie ‚schlechte’ Schüler auf verschiedene Schulen verteilt“, stellte der BLLV-Präsident fest. Extrem ist die Situation inzwischen in vierten Grundschulklassen, wo sich alles um den Übertritt dreht. „Eltern reagieren oft hysterisch, wenn abzusehen ist, dass ihr Kind den gewünschten Übertritt in eine Realschule oder in ein Gymnasium nicht schaffen wird. Gerade Kinder mit Lernschwierigkeiten brauchen aber eine entspannte und stressfreie Atmosphäre. Sie müssen Möglichkeiten erhalten, aus ihren Fehlern zu lernen und vor allem zusätzliche Lernzeit und Förderung bekommen. Nicht alle Kinder lernen gleich schnell. Diese pädagogische Binsenweisheit sollte endlich Einzug in die Schul- und Bildungspolitik halten.“

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV) Andrea Schwarz, Pressereferentin Bavariaring 37, 80336 München Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155

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