Pressemitteilung | Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG)
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Verwechslungen in der Chirurgie vermeiden: Bundesweite Informationskampagne an Krankenhäusern gestartet

(Berlin) - Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der AOK-Bundesverband haben heute gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) eine bundesweite Informationskampagne zur Vermeidung von Seiten- und Eingriffsverwechslungen bei operativen Eingriffen gestartet. Dazu hat das Aktionsbündnis eine Handlungsempfehlung für Operationsteams, ein OP-Plakat sowie weitere Informationsmaterialien für Ärzte und Patienten erarbeitet. Alle 2.100 Krankenhäuser in Deutschland erhalten in diesen Tagen ein Informationspaket. Es enthält OP-Plakate mit Hinweisen, wie Verwechslungen wirkungsvoll ausgeschlossen werden können. Ziel der bundesweiten Informationskampagne ist die Etablierung eines vierstufigen Sicherheitsverfahrens in jedem Krankenhaus. Dadurch soll verhindert werden, dass am Patienten eine falsche Operation durchgeführt wird.

„Die Themen Patientensicherheit, Risikomanagement und Fehlerberichtssysteme sind hochaktuell und gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die DKG trägt dem mit ihrem Engagement im Aktionsbündnis nachdrücklich Rechnung. Maßnahmen und Aktivitäten, die zu einer Verbesserung der Patientensicherheit in Krankenhäusern führen, müssen in den Kliniken höchste Priorität haben“, erklärte DKG-Präsident Dr. Rudolf Kösters.

„Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen; wir wollen eine Kultur der Fehlervermeidung in der medizinischen Versorgung voranbringen. Das ist gut für die Patienten und für die Ärzte“, betonte Dr. Hans Jürgen Ahrens, Vorstandvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

Pro Jahr finden in Deutschland über 12,6 Millionen Operationen statt. In 100 bis 200 Fällen kommt es dabei zu einer Rechts-Links-Verwechslung oder zu einer Vertauschung der notwendigen Eingriffe. Statt des linken Knies wird das rechte Knie operiert, an einem Patienten wird ein Eingriff an einem Finger durchgeführt, obwohl dieser an einem anderen Finger geplant war. Mit dem Ziel, solche und weitere Fehler in der Medizin zu vermeiden, hat sich das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. im April 2005 gegründet. Als aktive Mitglieder unterstützen darin die DKG und der AOK-Bundesverband zahlreiche Initiativen zur Weiterentwicklung von Fehlerberichtssystemen und zum Risikomanagement.

Bereits im vergangenen Jahr hat eine Expertengruppe des APS Empfehlungen ausgesprochen, wie Verwechslungen künftig verhindert werden können. Es werden insgesamt vier Maßnahmen vorgeschlagen. Der Patient wird im Rahmen der ärztlichen Aufklärung zu seiner Identität und zum geplanten Eingriff befragt. Danach wird die Operationsstelle am Körper des Patienten mit einem nicht abwischbaren Stift markiert. An der Schwelle zum Operationssaal findet eine erneute Kontrolle zur Patientenidentität statt. Zuletzt prüft das gesamte OP-Team in einem „Team-Time-Out“, einem letzten Sicherheitscheck direkt vor dem Schnitt, ob für die anstehende Operation alles seine Richtigkeit hat. „Zu verhindern, dass das Undenkbare geschieht, dies ist das Ziel dieser Maßnahmen, die ähnlich auch in anderen Bereichen eingesetzt werden, in denen eine hohe Sicherheit vorausgesetzt wird“, führt Prof. Dr. Matthias Schrappe, Vorsitzender des Aktionsbündnis Patientensicherheit aus, „an sich einfache Maßnahmen, die aber die Wahrscheinlichkeit vermindern, dass eine Verkettung unglücklicher Umstände eintritt.“

Für die deutsche Empfehlung standen einige internationale Vorbilder Pate. In den USA, Großbritannien und Australien gehören diese vier Sicherheitschecks heute zum allgemein anerkannten Standard. Auch in Deutschland wächst die Zahl der Krankenhäuser, die die empfohlenen Maßnahmen umsetzen. Um die Häuser bei diesem Prozess zu unterstützen, hat das APS nun Plakate und Broschüren entwickelt. Jedes Krankenhaus erhält einen Satz von OP-Plakaten, die auf den Stationen und in den Operationssälen gut sichtbar aufgehängt werden sollen.

Für die kommenden Monate sind weitere Initiativen geplant. Anfang 2008 startet die „Aktion Saubere Hände“, deren Ziel es ist, die Infektionsrate in deutschen Krankenhäusern durch Verbesserung der Desinfektionsmaßnahmen der Hände zu senken. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Ein weiteres Projekt umfasst Trainingskurse, in denen Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen den Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen erlernen. Entwickelt wird auch eine Handlungsempfehlung zur Patientenidentifikation, die Ende 2007 veröffentlicht werden soll.

Zusätzliche Materialien stehen im Internet unter www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de zum kostenlosen Herunterladen zur Verfügung.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG) Dr. Andreas Priefler, Leiter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Wegelystr. 3, 10623 Berlin Telefon: (030) 39801-0, Telefax: (030) 39801-301

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