Verzicht auf Regulierung im TK-Markt schwächt Wirtschaftsstandort Deutschland / Verband lädt zum Hintergrundgespräch mit Professor Gerpott am 1. September ein
(Berlin) - Seit Monaten fordert die Deutsche Telekom Regulierungsferien für einen weiteren, teilweisen Ausbau ihres Glasfasernetzes vom Hauptverteiler zum Kabelverzweiger, um den Wettbewerbern den Zugang zur VDSL-Technologie verwehren zu können, so VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Sie leide ohnehin unter hohen Regulierungsauflagen und die Kunden liefen ihr in Scharen davon. In diesem Zusammenhang scheint völlig in Vergessenheit zu geraten, dass die Privatisierung eines ehemaligen Staatsunternehmens und die Vorteile des Wettbewerbs zwangsläufig zu Marktanteilsverlusten beim Ex-Monopolisten führen müssen.
Bei der Privatisierung vor zehn Jahren sei sich die Politik einig darüber gewesen, dass Marktanteilsverschiebungen im Inland durch das Erringen von Marktanteilen auf europäischen Schlüsselmärkten und dem US-amerikanischen Markt als global player überkompensiert werden sollten. Zu keinem Zeitpunkt war das Verteidigen extrem hoher Marktanteile im Inland Ziel der Privatisierung und Umwandlung der Deutschen Telekom in eine Aktiengesellschaft, erinnert Jürgen Grützner. Erst das Scheitern zahlreicher Auslands-Engagements insbesondere in Frankreich und Italien führte bei der Telekom zu einer Rückbesinnung auf die Monopolvorteile im Inlandsmarkt und zu einer knallharten Marktverdrängungsstrategie.
Grützner weiter: Die von der Telekom immer wieder als zu hart gerügte Regulierungsintensität in Deutschland ist in Wahrheit im europäischen Vergleich eher schwach ausgeprägt, wie internationale Untersuchungen belegen (zum Beispiel Untersuchung der ECTA von Anfang 2006, Chart in der Anlage). Die Konsequenz: Die Telekom hält vergleichsweise noch immer relativ hohe Marktanteile, was von der EU erst vor wenigen Tagen nochmals kritisiert wurde.
Die von der Telekom wiederholt genannten Zahlen hoher Kundenverluste versuchten, ein Szenario des Ausblutens aufzubauen. Kundenverluste in Höhe von einer Million im ersten Halbjahr entsprechen bei einem Kundenstamm von fast 40 Millionen einem Verlust von lediglich 2,5 Prozent, was der Telekom noch auf Jahre hinaus eine marktbeherrschende Stellung im Inland sichert. Zudem spült jeder Kunde, der zu einem Wettbewerber wechselt, nach wie vor hohe Umsätze in die Telekom-Kassen, erklärt Grützner. Allein die Mieten für die Teilnehmeranschlussleitung und die Gebühren für Resale-Vorleistungen tragen beim ehemaligen Monopolisten auch nach dem Abwandern eines Kunden zu hohen Umsätzen bei. Die Telekom-Wettbewerber im europäischen Umfeld haben sich auf diese Entwicklung längst eingestellt und arbeiten profitabel mit den Wettbewerbern als ihren größten Netz-Kunden zusammen.
Die Weigerung der Telekom, die Wettbewerber am VDSL-Ausbau zu beteiligen und damit zum Aufbau teurer Parallelnetze zu zwingen, sei volkswirtschaftlich sinnlos, führe zu deutlich höheren Infrastrukturkosten und Telekommunikationspreisen und schade dem Wirtschaftsstandort Deutschland, befürchtet Grützner.
Der VATM hat interessierte Journalisten am 1. September 2006 um 10.00 Uhr zu einem Hintergrundgespräch mit Professor Torsten Gerpott, Dialog Consult GmbH, in die VATM-Geschäftsstelle in Köln eingeladen. Der TK-Experte nimmt dabei auf der Basis aktueller Untersuchungen unter anderem zu den Marktanteilsverschiebungen Stellung und beantwortet die Frage, wie viel Umsatz die Wettbewerber auf dem Netz der Telekom generieren. Aktuelle Entwicklungen im Markt sollen dabei ebenfalls kritisch hinterfragt werden.
Quelle und Kontaktadresse:
Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e.V. (VATM)
Geschäftsstelle
Wolfgang Heer, Pressesprecher
Oberländer Ufer 180-182, 50968 Köln
Telefon: (0221) 3767723, Telefax: (0221) 3767726
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