Von Armut gefährdete Menschen: Zahl in Baden-Württemberg weiterhin auf hohem Niveau
(Stuttgart) - Im Jahr 2025 bleibt die Zahl der von Armut betroffenen Menschen in Baden-Württemberg mit 13,2 Prozent bzw. 1,5 Millionen Menschen auf einem hohen Niveau. Seit 2021 entspricht dies einem Anstieg um 1,8 Prozentpunkte. Unter Berücksichtigung der hohen Wohnkosten erhöht sich die Zahl auf rund 2,2 Millionen Menschen – betroffen sind längst auch Teile der gesellschaftlichen Mitte. Das zeigt der Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands, der heute veröffentlicht wurde und hier abgerufen werden kann.
Besonders armutsgefährdete Menschen leiden unter den stark gestiegenen Wohnkosten. Mit einer Mietbelastungsquote von etwa 45 Prozent des Nettoeinkommens bleibt kaum Spielraum für den übrigen Lebensunterhalt. Gleichzeitig sind die Lebensmittelpreise seit 2021 im Durchschnitt um rund 30 Prozent gestiegen. Für viele Betroffene bedeutet das eine kaum bewältigbare finanzielle und psychische Belastung.
Um Armut wirksam zu bekämpfen, braucht es bessere Erwerbseinkommen, eine stärkere Grundsicherung und eine armutsfeste Mindestrente. Auch die Landesregierung steht in der Verantwortung, entschieden gegen Armut vorzugehen. Armut bedeutet für Betroffene dauerhaften finanziellen Druck, Verzicht auf notwendige Dinge und oft auch soziale Isolation.
„Wenn die Grundbedürfnisse einer gesunden Ernährung, eines sicheren, bezahlbaren Heims und gesellschaftlicher Teilhabe nicht gegeben sind, kann von einem Leben in Würde kaum die Rede sein“, so Ulf Hartmann.
Besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche, Alleinerziehende, ältere Menschen, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund. Nicht erfasst werden in der amtlichen Armutsstatistik unter anderem wohnungslose Menschen, Personen in Pflegeeinrichtungen oder Wohnheimen der Behindertenhilfe, Strafgefangene sowie Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften.
„Hier zeigt sich der hohe Grad an Ungerechtigkeit und Ungleichgewicht in unserer Gesellschaft. Unter solchen Bedingungen wird die Schere zwischen arm und reich größer und der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet. Die Landesregierung muss Verantwortung übernehmen und bezahlbaren Wohnraum, Zugang zu gesunder Ernährung, Unterstützung für Familien, chancengerechte Bildung und gesellschaftliche Teilhabe sichern“, erklärt Ulf Hartmann.
Dr. Verena Mayer, Geschäftsführerin von Ausweg Rhein-Neckar e. V. aus Mannheim, berichtet aus der Praxis: „Die Armut hat sich spürbar verschärft. Die Zahl der offenen Beratungen hat sich in den vergangenen Monaten verdoppelt. Viele Menschen stehen durch Aufforderungen der Jobcenter, ihre Mietkosten zu senken, unter enormem Druck – obwohl dies auf dem angespannten Wohnungsmarkt kaum möglich ist. Das sorgt für Angst und Verunsicherung. Es braucht konsequenten Mieterschutz, mehr sozialen Wohnungsbau und eine Arbeitsmarktpolitik, die auf Qualifizierung und echte Perspektiven setzt.“
Ulf Hartmann betont abschließend: „Armut ist keine Naturgewalt. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen – und kann durch politische Entscheidungen verändert werden. Es braucht eine Armutsstrategie, die alle Lebensphasen berücksichtigt. Der Paritätische steht der neuen Landesregierung dabei als verlässlicher Partner zur Seite.“
Quelle und Kontaktadresse:
Der Paritätische Wohlfahrtsverband - Landesverband Baden-Württemberg e.V., Miriam Kahrmann, Leiter(in) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Hauptstr. 28, 70563 Stuttgart, Telefon: 0711 2155-0
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