Pressemitteilung | Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen

Warnung vor Zick-Zack-Kurs in den Gymnasien / Rückkehr zu `G9´ als "Schulversuch" ist Augenwischerei!

(Düsseldorf) - Die nordrhein-westfälische Schulpolitik schlägt zur Zeit abenteuerliche Kapriolen. So wird beispielsweise den Gymnasien ermöglicht, die Schulzeitverkürzung von `G8´ abzulösen durch einen befristeten (!) Schulversuch `G9´. Unabhängig davon, dass noch in den nächsten 7 Jahren Schülerinnen und Schüler an Gymnasien gemäß Schulgesetz und Vertrauensschutz einen 8-jährigen Bildungsgang durchlaufen, sollen sich bis Ende November 2010 Gymnasien darauf verständigen, ob sie zu `G9´ zurückkehren möchten. Voraussetzung ist ein gleichlautendes Votum der Lehrer- und der Schulkonferenzen sowie die Unterstützung des Schulträgers.

Am Schulversuch können maximal 10 Prozent aller Gymnasien, d. h. ca. 60 Schulen teilnehmen. Doppelangebote an einer Schule werden nur bei mindestens 4 Parallelklassen ermöglicht. Statt neuer Lehrpläne gibt es in den nächsten 3 Jahren "ergänzende curriculare Vorgaben und Hinweise", Übermittagsangebote bleiben und `G9´-Gymnasien nehmen wieder am Zentralen Abschlussverfahren nach der Klasse 10 teil.

"Statt endlich Verlässlichkeit, Kontinuität und Ruhe in das komplexe Problemfeld `Schulzeitverkürzung´ zu bringen, treibt man jetzt Gymnasien in ein heilloses Organisationschaos. Wir benötigen mehr Lehrkräfte für ganztägige Schulangebote und wir erwarten den konsequenten Ausbau der Mensen und Aufenthaltsräume. Wir brauchen jetzt nicht wieder neue Lehrpläne, die natürlich kompetenzorientiert und damit recht allgemein formuliert sind. Wir brauchen nicht wieder neue Schulbücher und nicht wieder jahrelang umfangreiche logistische Neuerungen. Es reicht uns, zur Zeit den Doppelabiturjahrgang bis 2013 pädagogisch und organisatorisch zu schultern. `G9´ als Schulversuch zu deklarieren, ist lächerlich. Was man jetzt den Gymnasien anbietet, ist schlicht eine Zumutung!", so Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes.

Mit dem Doppelweg `G8´ und `G9´ wird ein Keil in den einheitlichen gymnasialen Bildungsgang getrieben. Gymnasien werden künftig eingeteilt in solche 1. und 2. Ordnung. In Medien macht bereits das Schlagwort vom "Langsam-Abi" die Rede. Es ist nicht auszuschließen, dass `G8´ neben `G9´-Modellen Folgen für die Sozialschichtung der jeweiligen Schülerschaft hat. Die Mobilität der Gymnasialschüler wird auf jeden Fall Schaden nehmen.

"Der nordrhein-westfälische Philologen-Verband rät den Gymnasien, die Entscheidung besonnen und klug zu treffen. Das Erfordernis, Nachbesserungen zu `G8´ vorzunehmen, ist keineswegs vom Tisch. Doch auch die Zielperspektive der Landesregierung, langfristig alle (!) Schulformen durch eine neue Schulform zu ersetzen, liegt ersichtlich auf dem Tisch.

Bei `G9´-Modellen sind Gymnasien zweifellos erheblich gefährdeter", gibt Peter Silbernagel zu bedenken.

Es ist unredlich, die Verantwortung für die Schulzeitverkürzung auf die Einzelschulen und die Schulträger zu verschieben. Wird etwa demnächst das Zentralabitur in die Wahlfreiheit der Einzelschule gegeben?

Quelle und Kontaktadresse:
Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen Pressestelle Graf-Adolf-Str. 84, 40210 Düsseldorf Telefon: (0211) 177440, Telefax: (0211) 161973

()

NEWS TEILEN: