Warum hat Deutschland die niedrigste Geburtenrate in ganz Europa?
(Berlin) - Mit 8,4 Geburten je 1.000 Einwohner hat Deutschland die niedrigste Geburtenrate aller 28 EU-Staaten, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am gestrigen Tag bekannt gab. Der Durchschnitt liegt bei 10,4 Geburten - Spitzenreiter in Europa ist Irland mit 15,7 Geburten, aber auch die großen Nachbarn Großbritannien (12,8) und Frankreich (12,6) liegen weit vor Deutschland. Aber warum ist das so?
Die Gründe sind mannigfaltig. "Das größte Problem in Deutschland ist die gesellschaftliche Einstellung - in den Köpfen der Menschen steht wirtschaftlicher Erfolg der Gründung einer Familie diametral gegenüber", so Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe. Dies ist wenig verwunderlich. In Deutschland gibt es allein 135.000 junge Eltern zwischen 16-25 Jahren ohne Ausbildung oder sogar ohne Schulabschluss. Sie haben ökonomisch gesehen dem Grunde nach so gut wie keine Zukunftsperspektiven.
Es ist die Politik, die die Rahmenbedingungen verbessern muss, zugleich hat die Wirtschaft aber die Chance als Speerspitze in die Gesellschaft zu fungieren. Die Bedeutung von Kindern in der und für die Gesellschaft muss in allen Teilen derselben den Stellenwert von einst - Kinder sind unsere Zukunft - wiedererlangen. Dafür ist ein Umdenken in allen Bereichen der Gesellschaft notwendig - allen voran in den Betrieben und Konzernen der Bundesrepublik Deutschland.
In der Politik ist das Bewusstsein für diese Notwendigkeit allmählich angekommen - insbesondere im Bereich der Kinderbetreuung. Der Kitaausbau war ein erster Schritt, doch was sollen Eltern tun, wenn ihre Kinder ins Schulalter kommen, Ferien haben oder auch nur erkranken?
Hier gibt es noch viel Nachholbedarf! In den Unternehmen gibt es erste positive Tendenzen. Zaghaft werden zunehmend Betriebskitas gebaut. Manche Unternehmen schaffen Teilzeitausbildungen, Rückkehrprogramme oder suchen gezielt nach den Fachkräften, die wenige Jahre für die Betreuung ihrer Kinder ausgesetzt hatten.
Das alles sind Schritte in die richtige Richtung, denn wenn die ökonomische Perspektive stabil ist, steigt die Wahrscheinlichkeit für mehr Nachwuchs. Die Deutsche Kinderhilfe fordert die Politik auf, den eingeschlagenen Weg konsequent zu Ende zu denken und appelliert an jeden Betrieb und jedes Unternehmen in Deutschland sich im Rahmen eines Family Mainstreaming nicht nur sporadisch sondern ständig und regelmäßig kritisch zu fragen: Was können wir tun und wie können wir flexible Lösungen schaffen? Mehr Kinderfreundlichkeit bedeutet mehr Kinder. Mehr Kinderfreundlichkeit bedeutet aber auch zufriedenere erziehungsberechtige Fachkräfte und damit bessere Chancen gegenüber der Konkurrenz - eine lohnende Investition möchte man meinen.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutsche Kinderhilfe e.V.
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