Warum Industrie in Deutschland Zukunft hat / Systemkopf Deutschland Plus Die Zukunft der Wertschöpfung am Standort Deutschland / Gemeinsame Studie von BDI, vbw, IW und Roland Berger / Schlüsselfunktionen für Unternehmenserfolg / Herausforderung für den Standort Deutschland
(Berlin) - Eine Neuausrichtung der Politik in Deutschland, weg von einer verteilungsorientierten, hin zu einer vorrangig auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftspolitik forderte BDI-Präsident Jürgen R. Thumann am Montag (21. Januar 2008) in Berlin. Mehr Wertschöpfung durch Forschung, Innovation, Bildung und Infrastruktur lautet die Devise.
Dies ergibt sich aus der neuen Studie Systemkopf Deutschland Plus Warum Industrie Zukunft hat. BDI, vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, das Institut der deutschen Wirtschaft Köln und Roland Berger Strategy Consultants stellen sie heute (21. Januar 2008) auf einer gemeinsamen Veranstaltung in Berlin vor. Bei Unternehmen, die am Standort Deutschland erfolgreich sind, lassen sich viele Gemeinsamkeiten feststellen. Sie konzentrieren sich vor allem auf planerische und wertschöpfungsintensive Tätigkeiten etwa Forschung und Entwicklung, Design, Marketing, Fertigungsplanung oder Vertriebssteuerung. Diese Tätigkeiten haben allesamt einen sehr hohen Know-how-Gehalt und stellen hohe Qualifikationsanforderungen. Diese Schlüsselfunktionen (Systemkopffunktionen) spielen eine entscheidende Rolle für die Differenzierung im Wettbewerb.
Deutschland hat im Jahr 2007 erstmals Industriegüter im Wert von rund einer Billion Euro exportiert. Mittlerweile arbeiten etwa neun Millionen Menschen hier zu Lande in der Exportwirtschaft. Deutschland ist zum fünften Mal in Folge Exportweltmeister. Aber die Wertschöpfungsketten der Wirtschaft werden zunehmend in einzelne Glieder zerlegt und in weltweiten Produktionsverbünden organisiert und nur bestimmte Glieder dieser Kette haben dauerhaft Zukunft am Standort Deutschland.
Für Deutschlands wirtschaftliche Zukunft muss es darum gehen, möglichst viele dieser Unternehmen für den Standort Deutschland zu gewinnen und sie dort zu halten. Die Unternehmen haben zwar ihre Wertschöpfungsketten weltweit optimiert. Aber gerade die Systemkopffunktionen betreiben sie hierzulande. Das ist eine gute Nachricht für den Standort Deutschland, erklärte BDI-Präsident Jürgen Thumann. Wirtschaftspolitisch laute die zentrale Frage: Wird es uns gelingen, die Systemkopffunktionen in Deutschland zu sichern und auszubauen? Dazu muss nach Meinung des BDI-Präsidenten die Standortpolitik die Systemkopfunternehmen in den Blick nehmen und Ihre Entwicklung positiv begleiten. Das ist unsere zentrale wirtschaftspolitische Schlussfolgerung aus der Studie. Denn die Systemköpfe seien zwar standorttreu, aber den Unternehmen stünden im Globalisierungswettbewerb alle Optionen offen. Aufgabe der Wirtschaftspolitik sei es daher, Wettbewerbsnachteile abzubauen und Wettbewerbsvorteile auszubauen. Auch müsse die Politik der Öffentlichkeit stärker als bisher deutlich machen, dass Deutschland insgesamt von der Globalisierung profitiere.
Systemkopfunternehmen sind eine unternehmerische Avantgarde, resümiert IW-Direktor Michael Hüther. Dies zeigten die Ergebnisse des IW-Zukunftspanels, mit dem regelmäßig zwischen 2.500 und 6.000 Unternehmen aus Industrie, Logistik und unternehmensnahen Dienstleistungen befragt werden. Die Ergebnisse sprächen eine klare Sprache, so Hüther: Systemkopfunternehmen sind überdurchschnittlich erfolgreich. Sie haben bei Umsatz-, Beschäftigungs- und Renditekennzahlen klar die Nase vorn. Systemkopfunternehmen sind zudem sehr innovativ: Rund 62 Prozent von ihnen erforschten im Jahr 2006 neue Produkte und Verfahren, und sogar 82 Prozent waren mit Innovationen auf dem Markt. Zwei Drittel der Systemkopfunternehmen sind auf dem Weltmarkt zuhause und erzielen fast 27 Prozent ihres Umsatzes auf Auslandsmärkten, andere Bereiche kommen nur auf einen Anteil von 23 Prozent. Ein besonderes Kennzeichen von Systemköpfen, so Hüther, sei auch ihre starke Einbindung in Netzwerke: 22 Prozent der Systemköpfe arbeiten eng mit Zulieferern, Dienstleistern und Kunden in ihrer Heimatregion zusammen. Andere Unternehmen tun dies nur zu 15 Prozent.
Randolf Rodenstock, der Präsident der vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. wies darauf hin, dass Systemkopfunternehmen aufgrund ihrer hohen Anforderungen nur mit genügend gut ausgebildeten und qualifizierten Arbeitnehmern erfolgreich sein können. Angesichts der offensichtlichen Defizite des deutschen Bildungssystems müsse die Bildungspolitik deshalb ganz oben auf der Tagesordnung stehen. "Es ist nicht mehr mit kleinen Korrekturen an unserem Bildungssystem getan, wir brauchen eine grundlegende Neuausrichtung, eine regelrechte Bildungsrevolution. Darüber hinaus betonte Rodenstock die Notwendigkeit, auch weniger qualifizierte Tätigkeiten in Deutschland zu halten. "Wir müssen auch den geringer qualifizierten Menschen und Langzeitarbeitslosen die Chance eröffnen, in Deutschland einen Arbeitsplatz zu bekommen. Das geht nur, wenn wir einen echten Niedriglohnsektor installieren, der für einen besseren Ausgleich von Angebot und Nachfrage bei einfacher Arbeit sorgt." Dies könne nur gelingen, wenn sich die Löhne wieder ausschließlich an der Produktivität des einzelnen Arbeitsplatzes orientierten und die internationale Wettbewerbsfähigkeit berücksichtigt wird. Auch müsse die Wertschätzung für einfache Arbeit bei uns allen wachsen.
Die Arbeitnehmer in Deutschland haben Angst vor der Globalisierung und verlieren das Vertrauen in die Führungskräfte in Wirtschaft und Politik. Wer das ändern will, muss glaubwürdige Antworten auf die Frage geben, wie sich in Zukunft qualifizierte Arbeit in Deutschland halten lässt. Unsere Studie `Systemkopf Deutschland Plus´ zeigt, dass und wie Deutschland in der Globalisierung Wachstum und Beschäftigung stärken kann, erklärt Dr. Burkhard Schwenker, Vorsitzender der Geschäftsführung von Roland Berger Strategy Consultants.
Systemkopffunktionen sind alle Fähigkeiten, die einem Unternehmen einen internationalen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Eine solche Systemkopffunktion ist in Deutschland insbesondere die exzellente Produktion. Deshalb komme es darauf an, in Zukunft auch die nicht-akademische Bildung zu stärken: Als Maßstab für die Ausbildung junger Menschen wird immer wieder Skandinavien genannt, mit einer Abiturientenquote von 77 und einer Hochschulabsolventenquote von 38 Prozent. Mir scheint es falsch, sich allein auf diese Zahlen zu konzentrieren. Um unseren Wettbewerbsvorteil bei exzellenter Fertigung zu erhalten, sind weiterhin bestens ausgebildete nicht-akademische Fachkräfte nötig. Das ist ein Auftrag an ausbildende Betriebe, an staatliche Schulen aber auch an uns alle: Wer ein Handwerk erlernt, wer Facharbeiter wird, trägt dazu bei, den Wettbewerbsvorteil Deutschlands auszubauen - er darf nicht länger als Verlierer des Ausbildungssystems dastehen.
Quelle und Kontaktadresse:
BDI Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.
Petra Ganser, Sekretärin, Presse und Kommunikation
Breite Str. 29, 10178 Berlin
Telefon: (030) 20280, Telefax: (030) 20282566
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