Pressemitteilung | Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
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Warum muss nach vier Jahren Schluss sein? / IGLU-Grundschulstudie bestätigt erneut hervorragende Arbeit an deutschen Grundschulen / BLLV-Präsident Wenzel: „Auslese nach vier Jahren ist absurd“

(München) - Das relativ gute Abschneiden deutscher Grundschüler bei der internationalen IGLU-Grundschulstudie ist für den Präsidenten des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel, sehr erfreulich, gleichzeitig aber auch wenig überraschend: „Es ist kein Geheimnis, dass an Grundschulen hervorragende Arbeit geleistet wird.
Umso absurder ist es, dass Deutschlands Schüler die erfolgreichste Schulart in der Regel nach nur vier Jahren verlassen müssen, um auf sog. weiterführende Schularten zu wechseln, wo viele von ihnen scheitern.“ Für Wenzel ist es unverständlich, dass die Grundschule zwar die erfolgreichste Schulart ist, von der Politik aber am wenigsten unterstützt wird. „Von ihr wird erwartet, dass sie bestens funktioniert - obwohl die Lehrerinnen und Lehrer dort am schlechtesten bezahlt werden, in zu großen Klassen unterrichten müssen und es zu wenig Personal für die individuelle Förderung gibt.“ Den erneut festgestellten Zusammenhang zwischen sozialem Status und Bildungserfolg bezeichnete er als „Konsequenz der viel zu frühen Auslese - gesellschaftspolitisch unverantwortlich und unerträglich“.

Methodenvielfalt, integratives Arbeiten und Lernen mit unterschiedlich begabten Schülern zeichnet die Grundschule in Deutschland als fortschrittlichste Schulart aus. Innovationen im Bildungswesen sind am häufigsten in den Grundschulen zu verorten. Wie der internationale Vergleich erneut bestätigt, liegen die Kompetenzen von deutschen Grundschulkindern am Ende der vierten Jahrgangsstufe „auf Augenhöhe“ mit denen anderer europäischer Nachbarländer. „Dennoch wird die Grundschule behandelt wie das ‚brave Kind’, das seine Aufgaben stets zur vollen Zufriedenheit erfüllt und nie negativ auffällt“, monierte Wenzel.
„Obwohl sie so erfolgreich ist, wird sie in Bayern auch noch mit überflüssigen und fragwürdigen Maßnahmen wie der organisatorisch aufwändigen Kategorisierung des Lern,- Arbeits- und Sozialverhaltens oder fragwürdigen Orientierungsarbeiten belästigt, die mangels Personal und Geld ohne pädagogische Folgen bleiben. „Vor allem die Kategorisierung des Lern-, Arbeits- und Sozialverhaltens Zehnjähriger in die Buchstaben A bis D belastet Grundschullehrerinnen und -lehrer extrem. Sie fühlen sich zu einer Maßnahme gezwungen, die sie aus pädagogischen Gründen rigoros ablehnen.“

Obwohl sich inzwischen alle Experten einig sind, dass es „auf den Anfang ankommt“, wird innerhalb des Schulsystems nach wie vor am wenigsten in die Grundschule investiert. Grundschullehrer/innen haben - gemeinsam mit ihren Hauptschulkollegen/innen - die geringste Eingangsbesoldung, sie haben die höchste Unterrichtsverpflichtung und bis heute keine Beförderungsmöglichkeit. „Sie sollen bestmöglich fördern und fordern und müssen dabei aber vielfach in zu großen Klassen und Gruppen unterrichten.“ Laut OECD wendet Deutschland für ein Grundschulkind 4624 US-Dollar auf und liegt damit an 20. Stelle von 28 untersuchten Staaten.
Die Kosten pro Schüler und Jahr weichen in Bayern nicht weniger deutlich ab: Für einen Grund- und Hauptschüler werden rund 3800 Euro ausgegeben, für einen Gymnasialschüler rund 4900 Euro.

Lern-, Entwicklungs- und Beziehungsprozesse dürfen nicht vorzeitig gestört werden - auch darüber sind sich Experten längst einig. Trotzdem hält die Bayerische Staatsregierung am Aus- und Umsortieren zum Ende der vierten Klasse fest. Bayerns Schülerinnen und Schüler können daher nur relativ kurze Zeit von den Vorzügen der Grundschule profitieren. „So sollte die Politik nicht mit einer der erfolgreichsten Schularten umgehen“, erklärte Wenzel. „Wer diese Schulart schlecht behandelt, schwächt das gesamte System.“ Die frühe Sortierung von Schülern führt dazu, dass auch die Förderung der Kinder unter massivem Auslesedruck leidet, obwohl sie doch eigentlich der Schlüssel für den Lernerfolg auf dem gesamten Bildungsweg ist. „Diese Erkenntnis findet weltweit Beachtung und wird in den Mittelpunkt des pädagogischen und bildungspolitischen Denkens gestellt. In Bayern hingegen steht die vierjährige Grundschulzeit unverändert unter dem Diktat der Auslese.

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV) Andrea Schwarz, Pressereferentin Bavariaring 37, 80336 München Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155

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