Weiterbildung für alle wird es mit dem Bildungssparen nicht geben / Bildungsgewerkschaft fordert Erwachsenen-BAföG
(Frankfurt am Main/Berlin) - Das Bildungssparen wird sein zentrales Versprechen nicht einlösen können: Weiterbildung für alle lässt sich allein mit diesem Instrument nicht fördern. Dies ist ein Programm für die gehobene Mittelschicht. Vor allem Geringqualifizierte und Niedriglöhner bleiben außen vor. Sie müssen ihre ohnehin geringen Ersparnisse für die Altersvorsorge einsetzen. Die Förderung der Vermögensbildung und groß angelegte Darlehensprogramme gehen an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei. Schavans Sparmodell reicht nicht aus, kommentierte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, die am 10. Januar 2007 von Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan (CDU) präsentierten Gutachten zum Bildungssparen.
Ihren eigentlichen Anspruch, Weiterbildung zur vierten Säule des Bildungssystems zu machen, werde Schwarz-Rot mit dem vorgelegten Drei-Säulen-Konzept verfehlen, erklärte Thöne. Will Schavan wie sie sagt wirklich einen Mentalitätswechsel, möchte sie mehr Menschen an der Weiterbildung beteiligen, brauchen wir ein viel umfassenderes Konzept, betonte der GEW-Vorsitzende. Hierzu habe die Expertenkommission Finanzierung lebenslanges Lernen im Sommer 2004 im Auftrag des Bildungsministeriums vernünftige Vorschläge gemacht.
Ulrich Thöne fordert vor allem die Einführung eines Erwachsenen-BAföGs. Nicht nur Manager haben das Recht auf lebenslanges Lernen. Wir müssen viel mehr Menschen gerade auch mit niedrigen Abschlüssen, Arbeitslose, Alleinerziehende und Migranten - für die Weiterbildung gewinnen. Sie brauchen diese Qualifikation als Grundlage, um sich in Gesellschaft und Beruf zu integrieren. Und die Gesellschaft benötigt immer mehr qualifizierte Menschen. Ohne solide finanzielle Unterstützung bleibt dieses Ziel Makulatur.
Die in den heute präsentierten Gutachten vorgeschlagene so genannte Weiterbildungsprämie ist nach Auffassung der GEW ungenügend. Mit 154 Euro lassen sich nur Kleinstmaßnahmen finanzieren. Insbesondere aufwendigere Fortbildung sind so für die Menschen nicht zu bezahlen, sagte Thöne. Zudem mangele es im Weiterbildungssystem am Transparenz und Orientierungsmöglichkeiten für die Menschen. In Deutschland haben wir mehr als 10.000 Anbieter. Wir brauchen deshalb eine bessere Infrastruktur in Sachen Information und Beratung.
Bisher seien sämtliche Versprechen, die Weiterbildung zur vierten Säule unseres Bildungssystems auszubauen, bloße Lippenbekenntnisse geblieben. Der nationale Bildungsbericht 2006 zeige es: Immer weniger Menschen nehmen an beruflicher und allgemeiner Weiterbildung teil, und zwar bei allen Qualifikationsgruppen. Unternehmen und Staat ziehen sich weitgehend aus der Finanzierung von Weiterbildung zurück. Seit dem Jahr 2000 haben Bund, Länder und Kommunen ihre Ausgaben um satte 332 Millionen Euro (21,5 Prozent) reduziert. Thöne: Diesen Trend müssen wir umkehren. Mit einer umfassenden Offensive für die Weiterbildung. Wir brauchen ein Recht auf Weiterbildung.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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