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Welt-Aids-Tag: HIV und AIDS als globale Herausforderung begreifen / Bausteine zu einem integrierten Konzept der AIDS-Bekämpfung

(Bonn) - Für die Deutsche AIDS-Stiftung ist es an der Zeit, dass die Diskussion über eine breit angelegte medikamentöse Versorgung der Menschen in den Entwicklungsländern beginnt. Vor dem Hintergrund der weiter sinkenden Preise für antiretrovirale Medikamente führte die Stiftung in Bonn ihre Vorstellungen zu einem integrierten Konzept der weltweiten AIDS-Bekämpfung aus.

Im Gegensatz zu den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts kann die unheilbare Immunschwächekrankheit AIDS heute aufgrund von Kombinationstherapien immer besser behandelt, wenn auch nicht geheilt werden. Seitdem hat die Überlebenszeit der behandelten Patienten in den Industrieländern mit funktionierenden Gesundheits- und Krankenversicherungssystemen stark zugenommen. In Entwicklungsländern sterben Betroffene jedoch weiterhin schnell an der Krankheit, weil ihnen der Zugang zu AIDS-spezifischen Therapien und zumeist auch zu einer ausreichenden allgemeinen Gesundheitsversorgung fehlt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) benötigen akut sechs Millionen Menschen in Entwicklungsländern Kombinationstherapien, versorgt werden bisher nur 300.000 Betroffene.

Vor allem die Preise für Originalmedikamente der Pharmazeutischen Industrie sind bislang für die mangelhafte Versorgung armer Bevölkerungsgruppen verantwortlich gemacht worden. Die starken Preisrückgänge seit 1997 von insgesamt 98 Prozent haben bisher jedoch nicht dazu geführt, dass wesentlich mehr Menschen in Entwicklungsländern erreicht wurden.

"Es ist an der Zeit, eine sachgerechtere Diskussion über die komplexen Probleme der weltweiten Gesundheitsversorgung - gerade auch in Hinblick auf die Immunschwächekrankheit AIDS - zu beginnen, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung in den Entwicklungsländern endlich dauerhaft zu verbessern", sagte Ulrich Heide vom Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung.

Er nannte drei Voraussetzungen, die hierfür mindestens erfüllt sein müssen:

- die weltweite Kooperation aller national und international maßgeblichen Akteure
- die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in den Entwicklungsländern unter Einbindung der Gesundheitskräfte vor Ort
- eine integrierte Planung von Präventions- und Therapieprojekten.

Weltweite Kooperation

Eine Eindämmung der AIDS-Pandemie lässt sich nur dann erreichen, wenn Regierungen, internationale Organisationen, Nicht-Regierungs-Organisationen und die pharmazeutische Industrie weltweit kooperieren. Dabei müssen kulturelle Hintergründe, ökonomische und politische Strukturen der einzelnen Gruppen berücksichtigt werden, die bislang oft Aufklärung und Hilfe verhinderten. Für die pharmazeutische Industrie beispielsweise bedeutet dies, dass Medikamente in Entwicklungsländern weder mit dem Ziel der Gewinnmaximierung verkauft noch dauerhaft unter Selbstkostenpreis abgegeben werden sollten. Denn ohne Gewinnaussicht käme die zeit- und kostenintensive Entwicklung neuer Präparate zum Erliegen. Alle Partner sollten "faire" Preise anstreben, die auch aus international bereitgestellten Mitteln gezahlt werden müssen.

"Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst und unterstützen den Kampf gegen die AIDS-Pandemie in den Entwicklungsländern mit verschiedenen Aktivitäten", sagte Laurence Phillips, Koordinator der AIDS Projekte bei Boehringer Ingelheim. Dazu gehören die Vergabe freiwilliger Lizenzen für das Generikum Nevirapin und das VIRAMUNE-Donations-Programm zur Unterdrückung der Mutter-Kind-Übertragung, an dem sich inzwischen 100 Programme aus 48 Länder beteiligen. Die kostenlose Abgabe der Medikamente stellt dabei nur einen relativ kleinen Teil des umfassenden Präventions-Programms dar.

Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern

In den meisten Entwicklungsländern steht für die gesundheitliche Versorgung in aller Regel ein deutlich geringerer Anteil des Staatshaushaltes zur Verfügung als in Industriestaaten. Laut WHO betragen die jährlichen Pro-Kopfausgaben für die gesundheitliche Versorgung beispielsweise in den USA und in Deutschland 4.187 US-Dollar bzw. 2.713 US-Dollar, im Vergleich dazu in Südafrika, Botswana und Äthiopien jedoch nur 268 US-Dollar, 132 US-Dollar bzw. 4 US-Dollar. Weder AIDS noch andere Krankheiten können mit solchen Budgets in den Entwicklungsländern wirksam bekämpft werden. Deshalb müssen die Nationalstaaten die Etats für Soziales und Gesundheit um ein Vielfaches anheben. Daneben werden alle Staaten langfristig Sonderleistungen für die weltweite AIDS-Bekämpfung aufbringen müssen. Denn wenn in Entwicklungsländern großflächig mit der Abgabe von Medikamenten begonnen wird, muss diese Behandlung unbegrenzt fortgesetzt werden. Sonst droht neben einem frühen Tod bei einer ungenügenden Behandlung die Entstehung resistenter Viren, die ganze Medikamentengruppen unwirksam machen. Gleichzeitig reicht es nicht aus, aidskranken Menschen die antiretrovirale Therapie zur Verfügung zu stellen. Für den Behandlungserfolg ist eine eingehende Beratung und diagnostische Begleitung der Patienten unerlässlich. Die dafür erforderlichen Mittel übersteigen - etwa wie bei einem Modellprojekt in Mosambik im Sommer 2003 - mit 370 US-Dollar die reinen Medikamentenkosten von 330 US-Dollar.

Integrierte Planung von Präventions- und Therapieprojekten

Selbst in den von AIDS am stärksten betroffenen Ländern sind mindestens zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung bislang nicht infiziert. Um diese Situation zu erhalten und langfristig zu verbessern, muss neben der AIDS-Therapie ein Schwerpunkt auf die Prävention gelegt werden. Vorraussetzung für eine erfolgreiche Prävention ist ein offener Umgang mit der Krankheit. Hierfür unerlässlich ist die Einbindung von Meinungsführern aus Politik und Medien, da diese die gesellschaftlichen Leitbilder und Vorstellungen in besonderem Maße prägen. Gleichzeitig fördert der Einbezug von Betroffenen und ihren Erfahrungen das Verständnis für die Krankheit. Wenn AIDS durch die Therapie in der lokalen Bevölkerung "entmystifiziert" wird, kann die Krankheit enttabuisiert und können Präventionsbotschaften wirksamer werden.

Die Voraussetzungen zur weltweiten AIDS-Prävention und –Therapie mögen ambitioniert erscheinen. "Letztlich wird jedoch kein Weg daran vorbei führen, diese Aufgaben in Angriff zu nehmen, um uns allen eine gesündere Zukunft zu ermöglichen, sagte Christoph Uleer vom Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung. "Allerdings wird sich das sehr ferne Ziel einer Welt "ohne AIDS" nur erreichen lassen, wenn zu Präventionsinformationen und Therapieangeboten langfristig auch noch präventive AIDS-Impfstoffe hinzu kommen."

Spendenkonto 800 4004 - Sparkasse Bonn - BLZ 380 500 00

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsche AIDS-Stiftung SdbR Markt 26, 53111 Bonn Telefon: 0228/604690, Telefax: 0228/6046999

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