Pressemitteilung | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)

„Weltweiten Analphabetismus bekämpfen“ / GEW unterstützt UN-Weltalphabetisierungsdekade und Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ des Bundesbildungsministeriums

(Frankfurt am Main/Berlin) – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt die Weltalphabetisierungsdekade der Vereinten Nationen. „Weltweit gibt es 862 Millionen Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Das ist ein sozial- und bildungspolitischer Skandal ersten Ranges, der bekämpft werden muss. Die Weltbank muss Schuldenerlassprogramme vorlegen, damit die Länder der sog. Dritten Welt aus der Schuldenfalle herauskommen. Sie müssen die Chance erhalten, ein eigenes Bildungssystem aufzubauen und ihre Volkswirtschaften zu stärken“, forderte GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange zum Auftakt der Kampagne am 8. September in Frankfurt a.M.

Sie wies darauf hin, dass unterentwickelte und privatisierte Bildungssysteme und schwache Volkswirtschaften zwei Seiten einer Medaille seien. „Bessere Bildungschancen für alle Menschen sind ein Eckpfeiler, damit die Staaten der sog. Dritten Welt nicht immer mehr den Anschluss an die Industrienationen verlieren. Bildung und materielle Absicherung immunisieren gegen Fanatismus und Extremismus. Sie sind ein Beitrag auf dem Weg zu mehr Frieden in der Welt“, sagte die GEW-Chefin.

113 Millionen Kindern würde das Recht auf Bildung vorenthalten. Dies gelte besonders für afrikanische und die Länder Lateinamerikas. „Und: Analphabetismus ist weiblich: Zwei Drittel aller Menschen, die nicht lesen und schreiben können, sind Frauen“, stellte Stange fest. Deshalb habe die Bildungsinternationale (BI), der Dachverband der Bildungsgewerkschaften, „Bildung für Mädchen“ ganz oben auf seine Arbeitsagenda 2003 gesetzt.

Die GEW-Vorsitzende machte deutlich, dass Analphabetismus aber nicht nur ein Problem der Länder der Dritten Welt sei. „Auch in Deutschland gibt es rund vier Millionen ‚funktionale Analphabeten’. Das sind Menschen, deren Lese- und Schreibkenntnisse so schlecht sind, dass sie nicht ausreichen, sich in unserer Gesellschaft zurecht zu finden“, unterstrich Stange. Die Ergebnisse der Schulleistungsstudie PISA hätten gezeigt, dass die Lesekompetenz der Schüler in Deutschland im internationalen Maßstab unterdurchschnittlich seien und dringenden Handlungsbedarf signalisiert. Insbesondere Kinder aus sozial schwachen und Migrantenfamilien müssten in den Schulen mehr unterstützt werden, damit sie beim Schreiben und Lesen Anschluss gewinnen können – und nicht noch weiter abgehängt werden.

Die Vorsitzende betonte, dass der Ausbau von Ganztagsschulen ein wichtiger Baustein sei, auch die Lesekompetenz der Kinder und Jugendlichen zu stärken. „Die Bildungsgewerkschaft unterstützt deshalb das Vier-Milliarden-Programm der Bundesregierung für die Einrichtung und Weiterentwicklung von Ganztagsangeboten. Nach der Vorlage des Bundes fordern wir die Länder und Kommunen auf, jetzt ihren Teil zu einem qualitativ hochwertigen Angebot beizusteuern“, sagte Stange während der Startkonferenz zu dem Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Sie machte deutlich, dass es nicht um Ganztagsschulen „egal zu welchen Konditionen“ gehe. „Die Kinder und Jugendlichen brauchen keine Verwahrangebote, sondern ein pädagogisch sinnvolles Gesamtkonzept“, hob die Gewerkschafterin hervor. In diesem Konzept müssten Lern- und Erholungsphasen, Unterstützungs- und Betreuungsangebote, Projekt- und AG-Arbeit aufeinander abgestimmt sein. Es gehe eben nicht nur um eine „Optimierung des Schulbetriebes“, sondern um eine neue Qualität ganzheitlicher und lebensweltorientierter Pädagogik. In diesem Zusammenhang mahnte Stange eine enge Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe an: „Lehrerinnen und Lehrer sollen nicht alle neuen Aufgaben übernehmen, sondern auf die Erfahrungen und Kompetenzen des Jugendhilfebereiches zurückgreifen und mit den Kolleginnen und Kollegen auf Augenhöhe kooperieren.“

Der Ausbau von Ganztagsschulen dürfe von den Kommunen nicht missbraucht werden, um bewährte Einrichtungen der Jugendhilfe wie Horte, Schülerläden und Freizeiteinrichtungen zu schließen. „Wir brauchen ‚kommunale Service- und Beratungsstellen’, die die Angebote von Schule und Jugendhilfe koordinieren“, sagte Stange abschließend.

Info: Die Homepage zum Weltbildungstag finden Sie unter: http://www.unesco-heute.de/0803/alphatag.htm

Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt Telefon: 069/789730, Telefax: 069/

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