Wer Armut bekämpfen will, muss in Bildung investieren / Bildung ist ein Schlüssel, Erbfolge von Armut zu durchbrechen / Bildungsgewerkschaft zum dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
(Frankfurt/Berlin) - Wer Armut bekämpfen will, muss in Bildung investieren. Bildung ist ein wichtiger Schlüssel, um die von Generation zu Generation vererbte Armut zu durchbrechen, sagte Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), mit Blick auf den gestern (19. Mai 2008) vorgestellten dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Es ist höchste Zeit für eine gemeinsame, abgestimmte Politik zwischen Bund, Ländern, Kommunen und anderen gesellschaftlichen Kräften. Wir brauchen bessere und mehr Bildungsangebote für die Kinder und jungen Menschen. Wir müssen die Kinder aus armen Familien besser materiell absichern. Nur so packen wir die sozialen Probleme in unserer Gesellschaft bei den Wurzeln.
Wir müssen unsere Philosophie in der Bildungspolitik ändern. Es ist eine Herkules-Aufgabe, Abschied von der systematischen Auslese und dem permanenten Aussieben der Kinder und Jugendlichen im deutschen Bildungswesen zu nehmen. Wir brauchen eine Kultur des Förderns und Unterstützens, das niemanden zurücklässt, unterstrich Thöne.
Die PISA-Studien hätten gezeigt, dass fast ein Viertel der 15-Jährigen in Deutschland zur Gruppe der Risikoschüler gehört. Diese jungen Menschen können kaum lesen und schreiben. Sie haben keine Chance, in dieser Gesellschaft eine Lebensperspektive aufzubauen. Sie wachsen mit der Perspektive auf, die ALG II-Empfänger von Morgen zu sein, sagte der GEW-Vorsitzende. Kinder, insbesondere aus bildungsfernen Familien und Migrantenhaushalten müssen so früh und so gut wie möglich in Kitas von qualifizierten Personal unterstützt und gebildet werden. Nur so haben sie eine Chance, aus der Armutsfalle herauszukommen.
Eine veränderte Bildungspolitik müsse durch einschneidende sozial- und familienpolitische Maßnahmen flankiert werden. Dazu gehöre, Armutslöhne zu verhindern, Familien von Bildungsausgaben zu entlasten und Kinder materiell abzusichern.
In diesem Zusammenhang machte sich der GEW-Vorsitzende für Lernmittelfreiheit, einen kostenfreien Kita-Zugang und den Rechtsanspruch auf einen ganztägigen Platz in einer Kindertageseinrichtung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr stark. Dieser Rechtsanspruch müsse uneingeschränkt auch für Kinder von arbeitslosen Eltern gelten.
Zudem forderte Thöne eine bessere materielle Absicherung der Kinder von ALG II-Empfängern: Fast alle Lehrerinnen und Lehrer kennen das Problem: Zu Beginn jedes Schulhalbjahres sitzen Kinder aus armen Familien ohne Hefte, Stifte und Taschenrechner im Klassenraum, weil ihren Eltern schlicht das Geld dafür fehlt. Die Regelsätze reichen nicht aus: Deshalb ist es ein erster, wichtiger Schritt im Kampf gegen Kinderarmut, wenn Bezieher von ALG II und Sozialhilfe künftig zwei Mal im Jahr eine zusätzliche Pauschale für den Schulmittelbedarf bekommen. Wenn arme Familien zusätzliche Pauschalen für Schulmittel bekommen, darf ihnen das Geld aber nicht gleich wieder für das Essen in Krippen, Kitas und Schulen, für Schulbücher oder Klassenfahrten aus der Tasche gezogen werden. Kinder aus ALG II-Empfängerfamilien müssten deshalb Anspruch auf ein kostenfreies und qualitativ hochwertiges Essen in Kitas und Schulen haben.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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